Berlin

Mit 30 Euro im Jahr Leben retten

Gesellschaft der Freunde des Herzzentrums feiert Jubiläum. Schon zwei Millionen Euro Spendengeld gesammelt

Thore ist ein aufgeweckter Junge, im März wird er fünf. Aber dass er so aufmerksam und entspannt auf dem Schoß seiner Mutter Doreen Zink sitzt, gleicht einem Wunder. In Thores Brust schlägt das Herz eines Organspenders, im Deutschen Herzzentrum Berlin (DHZB) wurde es ihm erfolgreich eingesetzt. Die Arbeit dieser renommierten Institution wird ganz wesentlich von einem Freundeskreis unterstützt, der am Sonntag sein 30-jähriges Bestehen feiert.

Der Verein „Gesellschaft der Freunde des Deutschen Herzzentrums Berlin“ hat in drei Jahrzehnten mehr als zwei Millionen Euro Spendengeld für das DHZB gesammelt. Damit wurden rund 80 Projekte in Forschung, Ausbildung und Medizintechnik unterstützt. Dazu gehört vor allem der Aufbau der Akademie für Kardiotechnik am Herzzentrum. An der ersten Ausbildungsstätte dieser Art in Europa wurden inzwischen 80 Prozent aller in Deutschland tätigen Kardiotechniker ausgebildet. Der Freundeskreis hat den Kauf von 3-D-Kameras, mit denen Eingriffe der „Schlüsselloch-Chirurgie“ bei Kindern vorgenommen werden können, ebenso finanziert wie Weiterbildungen von Medizinern. Er bezahlt Herz-OPs von schwer kranken Kindern aus dem Ausland, deren Eltern sich die mindestens 20.000 Euro teure Behandlung nicht leisten können und fördert „Innovationen made in Berlin“. So hat ein Kardiotechniker des DHZB eine Herz-Lungen-Maschine speziell für Neugeborene entwickelt, die so klein ist, dass sie ins Guinness-Buch der Rekorde kam.

Es gebe immer wieder Projekte, die wichtig sind, aber im deutschen Finanzierungssystem für Krankenhäuser nicht abgebildet werden, erläuterte Volkmar Falk, Ärztlicher Direktor des Herzzentrums, am Mittwoch vor Journalisten. Dafür braucht man eben solch einen Freundeskreis. Er wurde am 25. Februar 1988, zwei Jahre nach Eröffnung des DHZB gegründet, heute zählt der Verein mehr als 600 Mitglieder. Nur 30 Euro kostet der Jahresbeitrag.

Thore, ein Drillingskind, war acht Wochen alt, als bei ihm eine schwere Herzschwäche festgestellt wurde. Zwei Jahre wurde er im Herzzentrum über ein Kunstherz versorgt. Das in Berlin entwickelte Pumpgerät war größer als er – implantierbare Kunstherzsysteme für Kinder werden nicht hergestellt, weil es dafür keinen Markt gibt. Dann gab es endlich ein Spenderherz für Thore. Darauf wartet der zehnjährige Jeremy Beland aus Hellersdorf. Seit November ist er im Herzzentrum, immer per Schlauch mit dem Kunstherz verbunden. Er hatte schon als Säugling ein Spenderherz bekommen, das nun aber den Dienst versagt. Tapfer spielt er auf dem Boden des Krankenzimmers, das jetzt seine Welt ist, mit seinem Lego-Raumkreuzer. All ihre Hoffnung legen die Eltern nun in das Herzzentrum. Und die Ärzte freuen sich über die Hilfe ihrer Freunde.

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