Lichtenberg

Erneut Brand in Lichtenberger Hochhaus ausgebrochen

Vier Brände in fünf Tagen - die Mieter eines Hochhauses in der Landsberger Allee leben in Angst - auch am Sonntagabend brennt es.

Zahlreiche Feuerwehrmänner eilten auch am Sonntagabend zum Einsatzort

Zahlreiche Feuerwehrmänner eilten auch am Sonntagabend zum Einsatzort

Foto: Morris Pudwell

Am Sonntagabend ist erneut ein Brand in einem Hochhaus an der Landsberger Allee in Lichtenberg ausgebrochen - der vierte in fünf Tagen. Wie ein Sprecher der Berliner Feuerwehr der Berliner Morgenpost auf Anfrage sagte, hätte Gerümpel im Flur der zehnten Etage gebrannt. Dadurch seien die zehnte bis 18. Etage stark verraucht worden. Zunächst hatte es geheißen, dass der Brand im Treppenbereich ausgebrochen sei.

Die Feuerwehr brachte vier Erwachsene und drei Kinder in Sicherheit. "Eine hohe Zahl von Personen", so der Sprecher, habe selbst das Haus verlassen, jedoch hinterher über Atembeschwerden geklagt. Ein Notarzt begutachtete 24 Menschen, von denen aber keiner ins Krankenhaus geschickt werden musste. Insgesamt waren 70 Einsatzkräfte vor Ort, die das Feuer löschten und die verqualmten Etagen belüfteten.

Bereits am Nachmittag war die Feuerwehr einmal zu dem Hochhaus ausgerückt. Dabei hatte es sich allerdings um einen Fehlalarm gehandelt. Den Einsatzkräften war Brandgeruch gemeldet worden, es handelte sich laut Lagedienst allerdings um den Geruch eines alten Brandherdes - ein Zeichen, wie hoch die Nervosität bereits ist.

Unter den Bewohnern des Hochhauses herrscht Angst

Denn unter den Bewohnern des Hochhauses Landsberger Allee 175 in Lichtenberg herrscht Angst. Immer wieder treibt ein Brandstifter dort sein Unwesen, allein seit Mittwoch dreimal, zuletzt am späten Sonnabendabend, bevor am Sonntagabend wieder ein Feuer ausbrach. Dabei hatte die Feuerwehr gleich zwei Brandherde im sechsten und zwölften Stock löschen müssen. Bei einigen Mietern liegen inzwischen offenbar die Nerven blank. Während der Löscharbeiten der Feuerwehr warf ein Bewohner Böller auf Polizisten. Nach seiner Festnahme räumte der polizeibekannte 42-Jährige die Attacke ein und gab an, die ständigen Feuerwehreinsätze hätten ihn gestört.

Von außen wirkt das Haus am Sonntagmittag friedlich. Es ist umgeben von Bäumen, Rasen, einer Kita und einer Schule. Im 18-geschossigen Gebäude sind viele Flure in ordentlichem Zustand. Doch in den Fahrstühlen liegen Papier und Verpackungsreste. In der zwölften Etage ist ein Brandfleck vor dem Fahrstuhl zu sehen. Im Treppenhaus, auf den Stufen zwischen elftem und zwölftem Stockwerk, liegen verkohlte Buchseiten und angebranntes Holz. Der Boden ist schwarz.

„Man macht sich Sorgen wegen der Kinder“

Junge und ältere Mieter berichten freimütig von ihren Befürchtungen, dass weitere Brände gelegt werden könnten. Doch ihren Namen wollen sie nicht nennen. Auch zu einem Foto für die Zeitung sind sie nicht bereit. „Ich habe Angst, dass dann vor meiner Tür ein Feuer gelegt wird“, sagt ein 28-Jähriger, der seit sechs Jahren an der Landsberger Allee 175 wohnt. Er erzählt, dass die Brandserie im Dezember begonnen habe. „Vielleicht will jemand die Flüchtlinge vertreiben, die seit dieser Zeit im Haus wohnen“, sagt er.

Ersten Ermittlungen zufolge brannte es am Sonnabend gegen 21.30 Uhr im sechsten und zwölften Stockwerk des Hochhauses, beziehungsweise an der Tür zu einem vom Hausflur zugänglichen Außenbalkon. Auf dem Balkon des oberen Stockwerks gingen mehrere Bücher und ein Möbelstück in Flammen auf. In der unteren Etage war nicht mehr erkennbar, was dort brannte. Eines der Feuer löschte ein 26-jähriger Bewohner mit einem Feuerlöscher, das zweite löschte die Feuerwehr. Bereits am Mittwoch hatte im neunten Geschoss des Hauses Sperrmüll gebrannt. Am Freitag dann brannte Unrat im Treppenhaus. Das Treppenhaus wurde stark verrußt. Inzwischen ermittelt das Landeskriminalamt wegen Brandstiftung.

„Man macht sich Sorgen wegen der Kinder“

Die Tatsache, dass die Polizei den Täter noch nicht gefasst hat, und die Ungewissheit, ob und wann er erneut aktiv wird, zerren an den Nerven der Mieter. „Es sind kurze Nächte“, sagt Ilkin A., ein 22-jähriger aus der zehnten Etage. „Man kann nicht mehr ruhig schlafen und macht sich Sorgen wegen der Kinder. Wenn es nachts brennt, ist die Gefahr groß.“ Zwar gebe es einen Sicherheitsdienst für das Haus. „Doch das bringt nichts, wenn der nur alle sieben oder acht Stunden vorbeikommt.“

Der Zustand des Hauses habe sich in den letzten Jahren verschlechtert, kritisiert der junge Mann. „Früher hat es am Eingang einen Concierge gegeben.“ Doch der sei abgeschafft worden. Manchmal werde Sperrmüll vor den Abfallcontainern abgestellt. Kürzlich habe jemand zwei Sessel in den Lift geschoben, sodass er nicht benutzbar war. „Ich versuche, eine andere Wohnung zu bekommen, aber es ist schwierig, in Berlin etwas Preiswertes zu finden.“

Viele Bewohner würden gern umziehen

An den Hauseingängen und in den Fahrstühlen sind gut sichtbare Überwachungskameras angebracht. „Aber sie funktionieren nicht“, sagt Indzigan A. Er wohnt seit 14 Jahren in dem Lichtenberger Hochhaus. „Es ist in dieser Zeit mehrmals verkauft worden.“ Der Zustand des Gebäudes müsste häufiger kontrolliert werden, meint er. Auch er ist auf der Suche nach einem anderen Zuhause. Große Sorgen macht sich auch eine Berlinerin, deren Eltern im Hochhaus leben. Sie selbst sei im Gebäude aufgewachsen, erzählt sie. „Aber ich bin rechtzeitig ausgezogen.“ Doch ihre Mutter und ihr Vater seien nicht zum Umzug zu bewegen. Dabei sei es für ältere Leute schwieriger, sich im Fall eines Brandes zu retten. Sie hat Angst – wie viele andere Bewohner des Hochhauses in Lichtenberg.

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