Neukölln

Eine Frage der Generation

Die Veranstaltung heißt "Fritz & Friends", und glaubt man dem Eintrag im Netz, geht es dort normalerweise um "Neuköllner Kiezgeschichten, Rentenpolitik oder Kochrezepte". Doch nicht so an diesem Mittwochabend. Da kommt Gastgeber Fritz Felgentreu, SPD-Bundestagsabgeordneter aus Neukölln, im "Restaurant Hofperle" an der Karl-Marx-Straße natürlich nicht umhin, die GroKo-Debatte anzusprechen und damit seinen Stammtisch einzuläuten. Er könne alle Gegner einer neuen Auflage von Schwarz-Rot verstehen, beginnt Felgentreu also, und klingt so wie alle aus der höheren Führungsriege der Berliner SPD, wenn sie ihre Argumente pro GroKo darlegen: Wir sind doch auch nicht glücklich damit. Es sei einfach alles schlecht gelaufen, klar, die Parteispitze gebe gerade kein gutes Bild ab. Aber man habe in den Verhandlungen doch eine Menge erreicht. Und: "Es macht mir gerade viel Spaß, in der SPD zu sein."

Felgentreu ist ein guter, eloquenter Redner, der den rund 20 Gästen seine Haltung zur GroKo geschickt auftischt. Er genießt Respekt in seinem Bezirk, den er seit 2013 im Bundestag vertritt. Und so nimmt man ihm das ab: Dass von seinen für Neukölln relevanten Themen im Wahlkampf doch drei im Koalitionsvertrag untergekommen seien: Mieten, Pflege, Sicherheit. Nur das mit der Bürgerversicherung, das habe halt leider nicht geklappt. Als es dann in die Diskussionsrunde geht, hat Felgentreu gerade die Älteren unter den Mitgliedern hinter sich. Sie haben zwar Angst, wieder von der CDU kleingehalten zu werden, sind aber dennoch eher dafür.

Nicolas und Peter sitzen etwas abseits, sie hat Felgentreu nicht überzeugt. Die jungen Männer sind die jüngsten im Raum, und sind klar gegen die GroKo, auch wenn sie es nicht laut sagen. "Natürlich ist nicht alles schlecht", erzählt Nicolas, als Felgentreu sich zu ihnen setzt, aber allein die Beschränkung beim Zuzug von Flüchtlingen könne er nicht hinnehmen. Als der Gastgeber sich an einen anderen Tisch setzt, wird Nicolas konkreter. "Die SPD muss durchgepustet werden", sagt er, und überhaupt verstehe er nicht, was alle gegen eine Minderheitsregierung hätten. Er sehe das als Chance.

Es ist recht offensichtlich eine Generationenfrage in Neukölln. Vergangenen Montag gab es eine Mitgliederversammlung, und dort war es ähnlich wie bei "Fritz & Friends": Die jungen Mitglieder waren gegen die GroKo, die älterem dafür. Der Zwischenstand in Neukölln: unentschieden.

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