Katholische Grundschulen

Erzbistum Berlin erhöht das Schulgeld

Viele Eltern erhalten jetzt Post vom Erzbistum. Die Gebühr soll in den kommenden Jahren deutlich ansteigen.

Unterricht in der Schule.

Unterricht in der Schule.

Foto: Sergej Glanze / Glanze

Berlin. Eltern, die ihre Kinder in Berlin auf katholische Grundschulen schicken, müssen sich auf eine kräftige Schulgelderhöhung einstellen. Das ist eine neue Erfahrung. Katholische Schulen sind in der Stadt nicht nur wegen ihrer oft überschaubaren Größe und ihrem bildungsbürgerlichen Anspruch beliebt, sondern auch, weil sie im Vergleich zu vielen anderen Privatschulen relativ günstig sind.

Pro Monat zahlt man dort 55 Euro für ein Grundschulkind, später, auf den weiterführenden Schulen, sind es dann 80 Euro monatlich. Das wird sich allerdings ab dem 1. August 2018 ändern, zumindest für den Grundschulbereich. Die Erhöhung solle in drei Schritten erfolgen, heißt es in einem Brief des Erzbistums Berlin, der jetzt an die Eltern rausging.

Das bedeutet einen Anstieg von über 50 Prozent

Was steht dort genau? Im nächsten Schuljahr – 2018/19 – wird sich das Schulgeld für Grundschüler von 55 Euro auf 70 Euro monatlich erhöhen. Das beschloss wohl schon am 9. November 2017 der Bistumsschulbeirat, bekannt wurde die Entscheidung aber erst jetzt. Ein Jahr später, 2019/20, geht es dann noch weiter rauf: auf 85 Euro. Das endgültige Schulgeld 2020/21 steht noch nicht fest. Angepeilt sei eine „gemeinsame neue Beitragshöhe“ in bislang unbekannter Höhe – „Beratungen laufen“ heißt es im Brief. Doch schon der Sprung von 55 Euro Schulgeld auf 85 Euro bedeutet eine Steigerung von über 50 Prozent.

Begründet wird die Erhöhung des Schulgeldes mit verschiedenen Argumenten. Es seien nicht nur die steigenden Personalkosten, „sondern maßgeblich auch die bundesweite Regelung über die Eingruppierung von Lehrkräften“, die für erhebliche Mehrkosten gesorgt hätten. Außerdem gebe es viel Bau- und Sanierungsbedarf an den Schulen. Hintergrund ist aber auch, dass der Schulbeitrag für Grundschulen im Vergleich zu den katholischen Sekundarschulen und Gymnasien eher niedrig ist.

Das monatliche Schulgeld für eine weiterführende katholische Schule liegt im Moment bei 80 Euro pro Monat. Doch die laufenden Kosten für eine Grundschule seien ähnlich hoch wie die für ein Gymnasium oder eine Sekundarschule, argumentiert man jetzt beim Erzbistum. Deshalb will man in den ersten beiden Erhöhungsschritten Gymnasien und Grundschulen angleichen. In Berlin sind davon 14 katholische Grundschulen betroffen.

Kosten steigen von Jahr zu Jahr

Viele Eltern, die ihre Kinder auf einer weiterführenden katholischen Schule haben, fragen sich nun, ob sie nicht auch von der Schulgelderhöhung betroffen sein werden. Auf längere Sicht schon, bestätigt man beim Erzbistum. Denn im dritten Schritt, also der letzten Erhöhung 2020/21, werdenwohl auch die Schüler anderer Schultypen mehr Gebühren zahlen müssen. Man will dann bei allen Schultypen das Schulgeld hochsetzen – das ist mit der „gemeinsamen neuen Beitragshöhe“ gemeint. Wie hoch dieser Satz dann sein wird, stehe bislang aber nicht fest.

Beim Erzbistum betont man, dass sich das Schulgeld für alle Schultypen seit 2010/2011 nicht erhöht habe, während die Kosten von Jahr zu Jahr steigen würden. Die Schulgelderhöhung sei deshalb eine „notwendige Neureglung (...), um die tragende finanzielle Basis für den Betrieb unserer Schulen nicht zu gefährden“. Man sei sich der „Verantwortung bewusst“, den man mit diesen Schulen für die Stadt habe.

Gerade das Wort „Gefährdung“ lässt bei manchen Eltern Alarmglocken klingeln – werden doch aktuell im Erzbistum Hamburg acht von 21 katholischen Schulen geschlossen. Der dortige Erzbischof Stefan Heße erklärte zwar, ihm täten die Schulschließungen „sehr leid“. Trotzdem werde man an dem Entschluss nichts ändern – nur so könne man an den 13 „wirtschaftlich gesunden Schulen“ festhalten. In Berlin dagegen, betont der Pressesprecher des Erzbistums Stefan Förner, seien keinerlei Schulschließungen geplant. Die Schulgelderhöhung in Berlin hätte nichts mit dem radikalen Schulschließkurs in Hamburg zu tun. Das Erzbistum an der Elbe war zuletzt durch Misswirtschaft in ziemliche finanzielle Schieflage geraten.

Womöglich hat die Schulgelderhöhung auch noch einen weiteren Hintergrund. Die Lehrerinnen und Lehrer, die an katholischen Schulen angestellt sind, werden schlechter bezahlt als ihre Kollegen an staatlichen Schulen. Vielleicht ist dies also ein Versuch, beim Kampf um die umworbenen Berliner Lehrer, die ja in der Stadt Mangelware sind, mithalten zu können.