Kirche

Umbau der Hedwigs-Kathedrale genehmigt: Trotz Denkmalschutz

Jahrelang wurde gestritten, jetzt darf die St.-Hedwigs-Kathedrale umgebaut werden. Das Land Berlin hat dafür den Weg geebnet - gegen Vorgaben des Denkmalschutzes.

Baucontainer stehen am 05.01.2017 neben der St.-Hedwigs-Kathedrale.

Baucontainer stehen am 05.01.2017 neben der St.-Hedwigs-Kathedrale.

Foto: dpa

Berlin. Die St.-Hedwigs-Katherale kann trotz schwerer Bedenken der Berliner Kulturverwaltung umgebaut werden. Als Oberste Denkmalschutzbehörde stimmte die Verwaltung einem Antrag des Erzbistums Berlin "weitgehend" zu, nannte die geplanten Änderungen im Innenraum aber "äußerst bedauerlich" und "tragisch".

Aus verfassungsrechtlichen Gründen bleibe dem Land Berlin nichts anderes übrig, als dem Wunsch der Kirche zu entsprechen, teilte die Kulturverwaltung am Freitag mit. Liturgische Fragen hätten bei der Entscheidung den Vorrang vor dem Denkmalschutz, der Staat dürfe sich in Angelegenheiten der Kirche nicht einmischen.

Nach den Plänen des Erzbistums soll in der Kathedrale unter anderem die Öffnung vom Innenraum in die Krypta, ein besonderes Merkmal der Hauptkirche von Berlins 400 000 Katholiken, geschlossen werden. Der Entwurf hatte heftige Kritik und Proteste von katholischen Laien ausgelöst.

Das Erzbistum hatte den Antrag für den Umbau der Kathedrale und des benachbarten Bernhard-Lichtenberg-Hauses am Bebelplatz im August 2017 gestellt. Das Bezirksamt Mitte hatte dem Vorhaben teilweise zugestimmt, sich aber mit dem Landesdenkmalamt über wichtige Aspekte des Umbaus nicht geeinigt. In solchen Fällen entscheidet die Senatsverwaltung als Oberste Denkmalschutzbehörde.

Das Interesse am Erhalt eines Denkmals müsse in diesem Fall vor dem kirchlichen Recht auf Selbstorganisation zurücktreten. Das Erzbistum mit Bischof Heiner Koch habe plausibel den Zweck des Umbaus dargestellt, hieß es weiter in der Mitteilung. Allerdings wurde dabei auch Kritik an den Plänen laut.

"Eine massive Veränderung eines Denkmals wie in diesem Fall, insbesondere beim Verlust einer vollständigen Zeitschicht, ist tragisch", erklärte die Kulturverwaltung. Das ändere nichts an der Zulässigkeit des Umbaus. Kultursenator Klaus Lederer (Linke) nannte die Kathedrale ein "bedeutendes Denkmal und baukulturelles Erbe" Berlins. Aus verfassungsrechtlichen Gründen sei aber die Entscheidung zugunsten der Kirche zwingend.

Die Renovierung hatte die Kirche noch unter dem damaligen Erzbischof Rainer Maria Woelki beschlossen, unter anderem um den Raum tauglicher für Gottesdienste zu machen. Dabei soll der Altar in den Mittelpunkt des Raumes rücken, damit der Gemeinschaftsgedanke des Gottesdienstes gestärkt wird.

Kritiker der Pläne hatten vor einem "großen Verlust" gewarnt. Die Kirche sei im Zeichen der liturgischen Erneuerung entworfen worden. Der Architekt Hans Schwippert (1899-1973), der unter anderem die Pädagogische Hochschule Bonn zum Bundestags-Domizil umbaute, habe dabei ein gesamtdeutsches Denkmal geschaffen.

"Mit dem Umbau der St. Hedwigs-Kathedrale geht ein weiteres herausragendes Beispiel der Berliner Nachkriegsarchitektur verloren", sagte der kulturpolitische Sprecher der Grünen, Daniel Wesener. Rechtlich sei die Entscheidung aber nicht zu beanstanden.

Der geplante Umbau Pläne des Architekturbüros Sichau + Walter soll nach Angaben des Erzbistums etwa 60 Millionen Euro kosten. Zwei Drittel will die Kirche selbst übernehmen. Weitere 20 Millionen sollen den Angaben zufolge vom Staat und von privaten Spendern kommen. Einen Zeitplan für den Umbau nannte das Bistum nicht.

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