Facebook-Diskussion

Morgenpost-Leser klagen über Parkraumbewirtschaftung

Nach dem "Wutbrief" auf der Website der Berliner Morgenpost schildern Leser ihre Erfahrungen mit Parkraumbewirtschaftung in Berlin.

Beschreibung anzeigen

Nach dem Morgenpost-Beitrag "Liebe Bürokraten, Eure Parkraumbewirtschaftung ist ein Witz!" haben zahlreiche Leser ihre Erfahrungen mit der Parkraumbewirtschaftung in Berlin mitgeteilt. Einige von ihnen berichten über eigene Probleme mit dem Berliner System, das Morgenpost-Redakteur Sebastian Geisler wegen seiner aufwendigen Bürokratie kritisiert hatte.

Sehen Sie hier noch einmal das Wutvideo gegen die bürokratische Parkraumbewirtschaftung:

"Wer denkt sich bitte solche Prozesse aus? Und wir wundern uns noch, warum die Behörden chronisch überlastet sind? Das Zeitalter der digitalen Revolution? Offenbar nicht in Berliner Behörden", schreibt Michael T.

Daniel K. hat selbst negative Erfahrungen gemacht. Er leiht manchmal das Auto seiner Eltern, bekommt dafür aber keine Besuchervignette - weil die Eltern auch in Berlin wohnen. "Für diesen Fall existiert nämlich nicht mal die Möglichkeit eines Gästeparkausweises, den gibt es nicht für Autos aus dem Postleitzahlenbereich 10000 – 16999", schreibt er. "Und so zahlt man dann für einen Tag, an dem das geliehene Auto stehen bleibt, 21 € Parkgebühren (zum Vergleich: Der Anwohnerausweis kostet 20,40 € für zwei Jahre). Oder auch nicht und man bewegt das Auto lieber und verursacht unnötige Emissionen und Stau."

Sybille M. kommentiert: "Bei mir wohnt eine Katzensitterin, wenn ich im Urlaub bin. Die ist 80 Jahre alt und gehbehindert, die braucht ihr Auto, wenn sie was zu essen kaufen fahren will, nur leider gibt es für sie nicht mal eine Besuchervignette, weil sie aus Berlin ist. Ich wohne in Spandau nicht allzuweit von der Altstadt, aber am Ende wo nix los ist, da brauchen wir m.E. eh keine Vignetten. Nur zu Weihnachten zum Weihnachtsmarkt und da ist das Parken am Wochenende natürlich für jeden gestattet, so dass man im Umkreis von Kilometern, wenn man denn die Vignette wirklich mal braucht, als Anwohner eh keinen Parkplatz findet. Habe Unterschriften gesammelt, man hat mir mitgeteilt, das wäre ja schließlich öffentliches Straßenland. Ach, während der Woche wohl nicht? Das Ganze ist ein Witz."

Christian C. schreibt: " Meine Lebensgefährtin, mit der ich seit 3 Jahren zusammen bin, wohnt in der Spandauer Altstadt. In der Straße ist von 9-17 Uhr nur mit Ticket oder Anwohner-Parkausweis zu parken. Immer wenn ich meine Lebensgefährtin besuche oder gar dort übernachte, richtet sich alles nach einem strikten Zeitplan. Leider kommt es schon mal vor, dass ich nicht pünktlich um 9 Uhr wegfahre. Das Ordnungsamt ist jedoch immer sehr pünktlich, ab 9 Uhr werden alle 1-2 Stunden die Runden gemacht und alle aufgeschrieben, die keinen Parkschein gezogen haben. So hab ich in den vergangenen drei Jahren einen ordentlichen Ordner mit Strafzetteln angehäuft. Eine Anfrage bei dem Amt auf einen Parkausweis hat ergeben, dass ich keinen bekommen kann, da ich bei ihr nicht gemeldet bin."

Maciej B. postet: " Ich habe schon zwei Mal eine Strafe für einen "fehlenden" Anwohnerparkausweis bekommen... den ich allerdings habe. Der ist brav auf der Frontscheibe, gleich unter der Umweltplakette aufgeklebt...."

Phil H. meint: "Man könnte denken, ihr habt euch bewusst ein Verfahren ausgedacht, das maximalen Aufwand für Bürger und Mitarbeiter im Bezirksamt bedeutet. - Ja, genau so. Dabei ist sogar nebensächlich, ob die Verwaltung der Parkraumbewirtschaftung mehr kostet, als die Parkraumbewirtschaftung selbst einbringt. Der Bürger ist für das Amt da und nicht umgekehrt."

Ulrike P. findet: "Typisch Berlin: Will Weltstadtflair und versagt wie immer an der eigenen Unfähigkeit und bürokratischen Korinthenkackerei."

Gerhard M. schlägt vor: "Eine Möglichkeit wäre, wie bei der Bahn, dass man ein Ticket über das Internet bucht per Kreditkarte zahlt und gut ist."

Jörg V. meint: "Das ist Berlin. Ne Lachnummer!"

Michael S. hingegen sieht das anders: "Der Brief-Verfasser sollte noch mal recherchieren bevor wieder ganz Berlin madig geredet wird. Ich denke nämlich, dass Parkraumbewirtschaftung ein Bezirksthema ist und bei mir seit vielen Jahren gut und fair funktioniert."

Auch Marcel D. berichtet von positiven Erfahrungen: "Die Besuchervignette kann man direkt und ohne Termin im Bürgeramt abholen. Man braucht nur den eigenen Perso und das Kennzeichen. Finde ich jetzt nicht so kompliziert, wie hier dargestellt. Und der Anwohnerausweis sollte viel teurer sein, dann lohnt es sich nicht mehr ein Auto zu kaufen, statt zu mieten."

Per Mail meldete sich Leser Stefan K. Er schreibt: "Mir ging es wie Ihnen. Bis 2016 habe ich am Ostkreuz gewohnt und hatte auch selbst kein Auto. Als ich damals beim Bezirksamt fragte, wie es mit Bürgern aussieht, die hin und wieder nur für sich selbst ein Auto mieten, stellte man sich ebenfalls dumm. Im ersten Jahr der Parkraumbewirtschaftung offerierte mir man dann die Lösung, nämlich eine Plakette ohne Kennzeichen. Aber unter der Bedingung dass ich die letzten drei Mietverträge vorlege. Der Preis war der gleiche wie bei der normalen Plakette, die Laufzeit aber nur halb so lang.

Als Bürger, der das Straßenland also viel weniger mit einer Blechkiste belastet, durfte ich also schon mal das Doppelte für den gleichen Zeitraum zahlen. Ein Jahr später hatte man diese nirgends gesetzlich dokumentierten Verfahrensweisen wieder nach Gutdünken geändert. Jetzt sollte ich mich entscheiden, welche Vermietungsfirma auf die Plakette gekritzelt wird. Dann galt das Teil nur noch für Fahrzeuge einer Firma auf die ich jetzt von Amts wegen festgenagelt war. Die freie Wahl des für mich günstigsten Mietwagens war damit nicht mehr möglich.

Es ist noch nicht so lange her, dass ich deswegen schriftlich mit dem Bezirksamt gestritten hatte. Wenn die Ihnen jetzt also vorheucheln, dass sie ja so eine Frage zum Thema Mietwagen noch nie gehört hätten, ist das ganz einfach gelogen. Schade, dass man in Berliner Ämtern seinen Bürgern, also Kunden, offenbar grundsätzlich misstraut. Anders kann ich mir die Einschränkungen und Schikanen nicht erklären. Wenn man eine Begründung anfragt, wird abgewiegelt und ausgewichen. Ich hätte mir gewünscht, dass mal jemand die Eier hat, den Bezirk wegen dieser Ungleichbehandlung zu verklagen. Aber man macht's entweder wie Sie und kauft sich verzweifelt ein Auto oder zieht wie ich nach Köpenick, wo es eh schöner ist."

Auch der Autor des Morgenpost-Beitrags hat inzwischen ein weiteres Erlebnis mit dem Bezirksamt. Er hat sein gebraucht gekauftes Auto noch nicht umgemeldet und wollte daher übergangsweise eine Besuchervignette beantragen (die teurer als ein Anwohner-Parkausweis ist). Doch das ist laut Amt nicht möglich. Begründung: "Das Auto gehört Ihnen ja." Seine Konsequenz: Er parkt den gebrauchten Astra nun knapp zwei Kilometer von seiner Straße entfernt, auf der Halbinsel Stralau. Dort gibt es keine Parkraumbewirtschaftung. Der Bezirk verdient folglich keinen Cent an dem parkenden Wagen, der nun einen Stellplatz auf Stralau blockiert, während die "parkraumbewirtschaftete" Rudolfstraße nahe U-Bahnhof Warschauer Straße in der direkten Nachbarschaft Dutzende zahlreiche Parkplätze aufweist, die seit der Gebührenpflicht kaum mehr genutzt werden.

Diskutieren Sie hier bei Facebook mit über die Parkraumbewirtschaftung in Berlin

Oder schreiben Sie dem Morgenpost-Redakteur direkt an sebastian.geisler@morgenpost.de

Mehr zum Thema:

Liebe Bürokraten, eure Parkraumbewirtschaftung ist ein Witz!

Rund 50.000 Falschparker 2017 in Berlin abgeschleppt

Milliarden-Kosten: Berliner stehen immer länger im Stau

Berufsverkehr in Berlin: Wenn das Pendeln krank macht