Ampel-Posse

Zerstörte Ampel: Ein Mini-BER für Reinickendorf

Seit fast fünf Jahren wird eine zerstörte Ampel in Tegel nicht ersetzt. Der Berliner Senat findet dafür vielfältige Gründe.

Tegel Ampel

Tegel Ampel

Foto: Julius Betschka / BM

Tegel.  Berlins größte Bau-Blamage, der Flughafen BER, befindet sich südlich der Stadt. Doch was dort im Großen nicht klappt, funktioniert im Kleinen auch im Norden nicht: Im Tegeler Forst scheitert der Berliner Senat seit fast fünf Jahren daran, eine Ampelanlage zu reparieren. In Reinickendorf steht sozusagen ein Mini-BER.

Angefangen hatte die Ampel-Posse so: Am 8. Mai 2013 wurde der Mast der Anlage an der Kreuzung Heiligenseestraße und Konradshöher Straße bei einem Autobrand zerstört. Normalerweise dauert so eine Reparatur etwa 20 Arbeitstage, doch die Behelfsampel hat mittlerweile 1744 Tage überdauert. Der Grund laut Senat: Die Bauvorschriften hätten sich geändert, die Berechnung der Statik des neuen Mastes sei „sehr aufwendig und schwierig“. Das teilte Verkehrsstaats­sekretär Jens-Holger Kirchner bereits im März 2017 auf Anfrage des Reinickendorfer CDU-Abgeordneten Stephan Schmidt mit.

„Ampel ist sinnbildlich für Bauen in Berlin“

Zu diesem Zeitpunkt stand die Hilfskonstruktion bereits vier Jahre. Schmidt ärgert das: „Diese Ampel ist ein Stück weit sinnbildlich für das Thema Bauen in Berlin.“ Die Reinickendorfer fragten sich, warum der Senat keine Notwendigkeit sieht, in einem Außenbezirk schnell zu reagieren. „Wir fühlen uns hier links liegen gelassen“, so Schmidt.

Deshalb fragte er im September 2017 ein weiteres Mal beim Senat nach: Staatssekretär Kirchner erklärte damals, dass nun eine „freigegebene Statik“ für die Ampel vorliege. Man wolle das Provisorium bis Ende 2017 entfernen. Warum es so lange nicht voranging? Mehrere Statiker seien zu unterschiedlichen Ergebnissen gekommen, wodurch „aufwendige Klärungen erforderlich wurden“. Für die Prüfung, so Kirchner, mussten externe Fachkräfte beauftragt werden. Gekostet habe das aber nichts, heißt es weiter.

Schmidt wundert das: „Die Externen werden das doch sicherlich nicht umsonst gemacht haben?“ Und auch der angekündigte Termin ist verstrichen: Die Behelfsampel steht im Februar 2018 noch immer. Stephan Schmidt hakte deshalb wieder nach. „Ich finde, das ist ein Unding, dass man so lange benötigt, die Statik für eine Ampelkonstruktion zu berechnen. In der Privatwirtschaft wären sie längst pleite“, sagt er.

Senat findet immer neue Gründe für Verzögerungen

Die Antwort auf Schmidts mittlerweile dritte Anfrage liegt nun vor. Darin erklärte der Senat: Nun seien die Lieferzeiten des Sondermaterials schuld, dass der angekündigte Termin Ende 2017 nicht gehalten werden konnte. „Kon­struktionsbedingt“ benötige die Ampel ein geändertes Unterteil, das habe man nicht vorrätig gehabt. Allerdings werde die Lieferung in der laufenden Woche erwartet. Montage und Betrieb der neuen Ampel sollen „anschließend“ erfolgen.

Was das Wort „anschließend“ nach fast fünf Jahren Hin und Her bedeutet, lässt Verkehrsstaatssekretär Kirchner offen. Schmidt erklärt gegenüber der Berliner Morgenpost: „Die Hoffnung stirb bekanntlich zuletzt – vielleicht klappt’s mit der Reparatur ja zum Frühjahr.“

Übrigens: Selbst die britische Wochenzeitung „The Economist“ ist auf die Ampel im Tegeler Forst aufmerksam geworden, benutzte sie als Paradebeispiel Berliner Schlendrians. Auf Schmidts Frage, ob die Anlage deshalb einen Imageschaden für Berlin bedeute, antwortete Staatssekretär Kirchner dennoch nur kurz und knapp: „Nein.“ Wer’s glaubt.

Mehr zum Thema:

Leukämiekranker Junge hofft auf Rettung

Schweinepest: Bezirk richtet Krisenstab ein

Wenn der Wolf aus Brandenburg nach Berlin kommt

© Berliner Morgenpost 2018 – Alle Rechte vorbehalten.