Berlin

Berlin macht ersten Schritt für landeseigene S-Bahn-Flotte

Senat muss ab 2026 bis zu 670 neue Doppelwagen beschaffen

Der Berliner Senat unternimmt einen neuen Anlauf, das Monopol der Deutschen Bahn im S-Bahnverkehr der Hauptstadt zu durchbrechen. Erstmals plant die Landesregierung dazu, den Kauf der benötigten neuen Fahrzeuge und den künftigen Betrieb der Züge getrennt voneinander auszuschreiben.

In einem ersten Schritt will Berlins Verkehrssenatorin Regine Günther (parteilos, für Grüne) noch in dieser Woche eine "Markterkundung" für die Beschaffung der ab 2026 benötigten Neubau-Fahrzeuge starten. Erkundet werden soll EU-weit das konkrete Interesse von Fahrzeugherstellern, privaten Dienstleistern und Eisenbahnen, sich in Berlin zu engagieren. Zur Wahl stehen zwei Grundmodelle, die in fünf Untervarianten aufgeteilt sind. Beim "Fahrzeugdienstleistermodell" kauft ein Unternehmen die benötigten Wagen und übernimmt für eine Zeit von 30 Jahren deren Wartung und Bereitstellung, die dann von einem Eisenbahnverkehrsunternehmen (das kann wie bisher die S-Bahn Berlin sein) betrieben werden. Der Vorteil: Das Land hat kaum eigene Finanzrisiken und wenn es nicht richtig läuft, kann zumindest der Betreiber schneller als bisher ausgewechselt werden. Der Nachteil: Das Land bezahlt zwar, ist aber nicht Eigentümer der Fahrzeuge.

Dagegen steht der Aufbau einer landeseigenen S-Bahn-Flotte, die dann von einem eigenen Betreiber (nach dem Vorbild der BVG) oder einem anderen Eisenbahnverkehrsunternehmen gefahren wird. Vorbild dafür wäre etwa Stockholm mit seiner Tunnelbahn. In dem Fall müsste das Land die Investition allerdings erst einmal selbst stemmen, was trotz derzeit voller Kassen nicht leicht sein könnte. Müssen doch ab 2026 insgesamt 500 Doppelwagen der Baureihe 481 ersetzt werden. Hinzu kommen 70 bis 165 Doppelwagen, mit denen der Senat zusätzliche Nahverkehrsleistungen absichern will. "Der genaue Bedarf steht noch nicht fest. Wenn die Stadt so weiter wächst, müssen wir nachbestellen", sagte Günther am Mittwoch.

Insgesamt geht es um Investitionen von mindestens 2,4 Milliarden Euro. Um für einen Kauf durch das Land gewappnet zu sein, stellt Berlin laut Günther bereits in diesem Jahr 113 Millionen Euro zurück.

Vor allem das Fahrzeugdienstleistermodell hatte in den letzten Wochen zu Streit innerhalb des rot-rot-Senats geführt. Die Linke kämpft schon seit Langem dafür, die S-Bahn möglichst vollständig in Landeshand zu bekommen. Die SPD ist dagegen, private Dienstleister mit ins S-Bahn-Geschäft zu holen. Befürchtet wird eine störanfällige Zersplitterung eines im Wesen einheitlichen Systems. Folgerichtig sprach sich die SPD-Fraktion nach ihrer jüngsten Klausur in Hamburg dafür aus, weiterhin einen "S-Bahn-Betrieb aus einer Hand" zu haben.

Verkehrssenatorin Günther will bei der Suche nach dem besten Weg nicht schon vorab einzelne Optionen außen vor lassen. Im Juni will sie die Ergebnisse der Markterkundung zur Diskussion stellen. Eine Entscheidung darüber, auf welche Weise Berlin zu den dringend benötigten neuen S-Bahnzügen kommt, soll bis Ende dieses Jahres fallen.

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