Nahverkehr

Gratis in U-Bahn, Tram und Bus? So teuer wäre der Nulltarif

Um die Luftqualität in Städten zu verbessern, erwägt die Bundesregierung einen kostenlosen ÖPNV. Wäre das in Berlin überhaupt möglich?

Eine U-Bahn auf der Oberbaumbrücke (Archivbild)

Eine U-Bahn auf der Oberbaumbrücke (Archivbild)

Foto: dpa Picture-Alliance / Hans Wiedl / picture alliance / zb

Berlin. Der Vorstoß der Bundesregierung zu einem möglichen kostenlosen öffentlichen Nahverkehr für bessere Luft in den Städten ist auf ein geteiltes Echo gestoßen. Kommunalverbände begrüßten die Überlegungen zwar grundsätzlich - forderten aber zugleich, dass die Finanzierung sichergestellt werden müsse.

„Der Bund muss sagen, wie er so etwas bezahlen möchte“, sagte der Präsident des Verbands kommunaler Unternehmen (VKU), der Mainzer Oberbürgermeister Michael Ebling, der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. „Zudem stelle ich mir die Frage, wie das in der Praxis umgesetzt werden soll.“

Die Bundesregierung erwägt zur Verbesserung der Luftqualität, Länder und Kommunen bei einem möglichen kostenlosen ÖPNV finanziell zu fördern. Damit soll die Zahl privater Fahrzeuge - und damit auch dreckiger Dieselautos - verringert werden. Das geht aus einem Brief von Umweltministerin Barbara Hendricks (SPD), Verkehrsminister Christian Schmidt (CSU) und Kanzleramtschef Peter Altmaier (CDU) an EU-Umweltkommissar Karmenu Vella hervor. Das Schreiben liegt der Deutschen Presse-Agentur vor.

Die Berliner Senatsverkehrsverwaltung hält den Vorstoß für eine "begrüßeneswerte Idee". Es stellten sich aber einige Fragen, teilte Sprecher Matthias Tang am Dienstag mit. Demnach sei unklar, wer für die Einnahmeverluste aufkommt und welche Investitionen noch nötig werden.

Erst im Dezember hatten Senat und Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) durchgerechnet, was ein Nahverkehr zum Nulltrarif in Berlin kosten würde. Eine kostenfreie S-Bahn-Nutzung ist in dieser Rechnung nicht eingepreist. Fazit: Die Mehrkosten würden mindestens 904 Millionen Euro pro Jahr verursachen. Nötig wären außerdem massive Investitionen in die Infrastruktur, weil ein Nulltarif für Bus und Bahn die Fahrgastzahlen in Berlin verdoppeln dürfte, wie der Senat als Antwort auf eine Anfrage der AfD damals mitgeteilt hatte.

Bei den 904 Millionen Euro handelt es sich laut Senat um die "kassentechnischen Einnahmen" für das Land Berlin im Jahr 2016 aus dem BVG-Betrieb im Tarifbereich AB, die beim Gratis-ÖPNV wegfallen würde. Diese Summe müsste zusätzlich zu den ohnehin anfallenden Zahlungen des Landes für den ÖPNV aufgebracht werden.

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In der Antwort heißt es weiter: "Würde ein Konzept des Nulltarifs in Berlin tatsächlich umgesetzt werden, würden sich die Kosten voraussichtlich aber nicht nur in der Kompensation wegfallender Fahrgelderlöse erschöpfen."

Erfahrungen in verschiedenen Städten würden zeigen, dass sich die Fahrgastzahlen bei einem Gratisangebot verdoppeln - von 1,44 Milliarden Fahrgästen im Jahr 2016 auf dann 2,88 Milliarden. Besonders betroffen wären die Hauptverkehrszeiten, in denen die BVG bereits jetzt häufig an der Auslastungsgrenze stehe.

Nüchternes Fazit der Senatsverwaltung für Verkehr: Ein Nulltarif "würde sehr umfangreiche Invesitionen in Fahrzeuge und Infrastruktur erfordern."

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