Nach Ausbrüchen

Experte soll nach Sicherheitslücken in der JVA Tegel suchen

Nach zehn Fluchten aus Berliner Haftanstalten in sechs Wochen wird nach Fehlern und Versäumnissen gesucht. Ein Fachmann soll helfen.

Ein Blick in die JVA Tegel (Archivbild)

Ein Blick in die JVA Tegel (Archivbild)

Foto: Reto Klar

Berlin. Nach der Flucht eines Strafgefangenen aus dem Berliner Gefängnis Tegel soll jetzt ein externer Fachmann nach Sicherheitslücken suchen. Der frühere Abteilungsleiter aus dem Justizministerium von Rheinland-Pfalz, Gerhard Meiborg, werde die Abläufe in der Haftanstalt analysieren, teilte Justizsenator Dirk Behrendt (Grüne) am Dienstag mit. Ein solcher Vorfall solle sich nicht wiederholen. Meiborg solle seinen Bericht bis Mitte März vorlegen.

Bis dahin soll noch ein anderer Bericht fertig sein - der zu den neun Fluchten aus dem Gefängnis Plötzensee nach Weihnachten. Aus dem geschlossenen Teil der Anstalt waren vier Gefangene ausgebrochen. Sie sind inzwischen wieder hinter Schloss und Riegel. Außerdem waren fünf Männer aus dem offenen Teil des Gefängnisses entwichen. Sie verbüßten dort eine Ersatzfreiheitsstrafe. Von dieser Gruppe fehlt noch einer.

Der am vergangenen Mittwoch geflüchtete 24-Jährige ist bislang nicht wieder gefasst. Nach ihm wird bundesweit gefahndet. Er war laut Justizverwaltung vermutlich auf der Unterseite eines Lastwagens aus der Anstalt entkommen. Zuvor soll er bei der Freistunde auf einem Gefängnishof unbemerkt einen Zaun überwunden und sich zu dem geparkten Wagen geschlichen haben.

Berliner Justizsenator will Sicherheit im geschlossenen Vollzug erhöhen

In den letzten Tagen waren neun Gefangene aus der JVA Berlin-Plötzensee verschwunden. Nun sollen die Sicherheitsvorkehrungen in der JVA verstärkt werden, sagte Justizsenator Dirk Behrendt am Mittwoch.
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Es wird angenommen, dass er sich unter dem Laster festklammerte und bei der Kontrolle durch drei Bedienstete an der Gefängnispforte nicht gesehen wurde. Grundsätzlich seien bei Fahrzeugen sowohl eine Sichtkontrolle als auch eine Überprüfung der Unterseite mit Spiegeln vorgesehen. Laut Justizverwaltung soll nun vor allem geprüft werden, ob es an den Pforten Sicherheitslücken gibt. Die Staatsanwaltschaft ermittelt indes wegen des Verdachts der Gefangenenbefreiung - gegen Unbekannt.

Der 1,63 Meter große Libyer Hamed Mouki hatte die Bediensteten getäuscht. Er habe eine Attrappe seiner Person aus Kleidung, Stoffresten und Toilettenpapier in sein Zellenbett gelegt. Beim Einschließen in die Hafträume nach der Freistunde sei nicht bemerkt worden, dass der Insasse fehlte. Das wurde erst am Donnerstagmorgen entdeckt. Der Verurteilte sollte wegen schwerer räuberischer Erpressung bis September 2022 eine vierjährige Haftstrafe absitzen.

Senator Behrendt informierte am Dienstag den Senat über die neuerliche Flucht. Meiborg soll in der kommenden Woche im Rechtsausschuss den Abgeordneten vorgestellt werden.

Häftlinge entkamen durch einen Lüftungsschacht

Vier Gefangene der JVA Plötzensee nutzten einen Nebenraum der KfZ-Werkstatt der Anstalt zur Flucht.
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