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BVG-Sneaker: So reagieren Senat und BVG auf Kritik

Ein Berliner AfD-Politiker wittert Betrug bei dem Verkauf der Sneaker im Januar. Nur beantworten BVG und Senat seine kritischen Fragen.

Hunderte Sneaker-Fans frieren für den BVG-Turnschuh

Trotz eisiger Kälte haben Hunderte die Nacht vor einem Schuhladen in Kreuzberg verbracht. Der Verkauf der auf 500 Stück limitierten adidas-Schuhe im BVG-Muster startete am Vormittag.

Hunderte Sneaker-Fans frieren für den BVG-Turnschuh

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Berlin. Menschen kampieren in eisiger Kälte vor zwei Berliner Turnschuh-Geschäften, Zeitungen aus der ganzen Welt berichten, und beim Online-Auktionshaus Ebay werden innerhalb kürzester Zeit Unsummen geboten: Mit dem Verkauf ihrer BVG-Sneaker landeten die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) und der Sportartikelhersteller Adidas im Januar einen echten Marketing-Coup.

Dem Berliner AfD-Abgeordneten Gunnar Lindemann war die Sache allerdings nicht ganz geheuer. Schon unmittelbar nach dem Verkauf der begehrten Schuhe schrieb er in einem Facebook-Posting, dass bei den Wartelisten geschummelt worden sei. Eine betriebsfremde Person habe den Verkauf am Hintereingang koordiniert, um durch die späteren Verkauf hohe Erlöse zu erzielen. Belege dafür lieferte er nicht.

Deshalb verfasste er eine Kleine Anfrage an den Berliner Senat, der seine Antworten nun veröffentlicht hat. "Wie wurde seitens der BVG der Verkauf der Sneaker vorbereitet?", wollte Lindemann unter anderem wissen. "Warum hat die BVG den Abverkauf der 'BVG-Sneaker' nicht selbst durchgeführt, um die stattgefundenen Unregelmäßigkeiten und den damit verbundenen Imageschaden zu vermeiden?", heißt es in einer weiteren Frage.

Der Senat verweist in seiner Antwort auf die BVG und zitiert: "Der Verkauf der Sneaker wurde nicht von der BVG beauftragt oder gesteuert. Verantwortung und Organisation des Vertriebs der Schuhe lag bei adidas und wurde von diesen eigenständig organisiert. Sneaker-Vertrieb, insbesondere auch von limitierten Auflagen, gehört bei adidas zum Kerngeschäft und es besteht hier entsprechend weitreichende Expertise."

Weiter wird ein Adidas-Pressesprecher zitiert: "Der Verkauf von limitierten Turnschuhen mit Hilfe von Wartelisten ist ein gelerntes und gängiges Vorgehen. Die Sneakerszene organisiert sich diesbezüglich selbst und führt regelmäßige Checkzeiten durch, um einen fairen Verkauf zu ermöglichen. Der adidas Originals Store hat auf die Entstehung und Zusammensetzung dieser Liste keinen Einfluss, informiert die Kunden jedoch stets über das Prozedere." Nach Kenntnisstand der BVG seien keine Schuhe an Personen an der Hintertür verkauft worden.

Südfrüchte-Vergleich eine Verhöhnung von DDR-Bürgern?

Gezielt fragte Lindemann auch nach einem Facebook-Posting der BVG. Auf der Kampagnen-Seite "Weil wird dich lieben" hatten die Macher geschrieben: "Vor 30 Jahren waren es Südfrüchte, jetzt sind es BVG-Schuhe". Lindemann sah darin eine Verhöhnung der ehemaligen DDR-Bürger. Der AfD-Politiker wollte nun wissen, ob die BVG den Versorgungsmangel in der DDR für komisch halte.

Darauf antwortete die BVG: "Es handelte sich um eine Marketing-Aktion, welche mittels der Analogie der Südfrüchte für Aufmerksamkeit sorgen sollte – und das erfolgreich, an der Sprache der Zielgruppe orientiert. Eben jene Freude, die die Bürger damals empfunden haben, als sie die seltenen Früchte erwerben konnten, haben wir aufgegriffen um die Freude an dem Verkaufsstart der limitierten Schuhe zu verdeutlichen.“

Der Adidas-Schuh mit eingebautem Fahrschein der BVG wurde Mitte Januar in einer limitierten Auflage von 500 Exemplaren verkauft. Die Schuhe gelten bis Ende 2018 als Fahrkarte in sämtlichen Berliner U-Bahnen, Straßenbahnen, Bussen und Fähren - allerdings nur, wenn sie am Fuß getragen werden. In der Antwort auf die Kleine Anfrage bewertet der Senat den Verkauf als "gelungene Marketing-Aktion".

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