JVA Tegel

Häftling aus JVA weiter flüchtig, Justiz prüft Konsequenzen

Der aus der JVA Tegel entkommene Häftling wirdweiter gesucht. Die Justizverwaltung will nach dem Vorfall ihre Kontrollen verbessern.

Hamed M.

Hamed M.

Foto: Polizei Berlin

Berlin. Der aus dem Gefängnis Tegel geflüchtete Häftling ist weiter auf der Flucht. Der 24-Jährige konnte bislang nicht festgenommen werden, erklärte eine Polizeisprecher am Sonntag. Die Justizverwaltung prüft unterdessen, welche Konsequenzen aus dem Fall zu ziehen sind. Ein Punkt seien dabei die Kontrollen an den Pforten, sagte ein Behördensprecher am Sonntag. Denn nach der bisherigen Rekonstruktion des Fluchtweges, bei der auch ein Hund eingesetzt wurde, versteckte sich der Straftäter unter einem Lastwagen mit Anhänger. „Dieser wurde zwar gespiegelt“, so der Sprecher. Diese Kontrolle des Unterbodens habe aber offensichtlich nicht ausgereicht - so wie auch andere Kontrollen zuvor nicht.

Denn dem 1,63 Meter großen Libyer Hamed M. war die Flucht am vergangenen Mittwoch mit Hilfe einer Attrappe aus Kleidung, Stoffresten und Toilettenpapier gelungen. Diese hatte er in sein Zellenbett gelegt - ohne, dass dies bei dem Kontrollgang um 17.45 Uhr aufgefallen wäre. „Das hätte gesehen werden müssen“, betonte der Behördensprecher. Die Täuschung wurde jedoch erst Stunden später bemerkt. Für personelle Konsequenzen sei es aber noch zu früh, sagte der Sprecher. Zunächst müssten alle Informationen ausgewertet werden.

Nach den bisherigen Recherchen, über die auch mehrere Medien berichtet hatten, stellt sich das Geschehen vom 7. Februar so dar: Während einer Freistunde gelang es dem Straftäter gegen 17.15 Uhr über einen etwa mannshohen Zaun den Freistundenhof zu verlassen. Danach kletterte er unter den Lastwagen, der auf dem Anstaltsgelände mehrere Stationen anfuhr. Gegen 20.00 Uhr verließ der Transporter dann das Gelände.

Der Häftling entkam am Mittwoch aus der JVA Tegel

Am Donnerstag - nachdem die Flucht aufgefallen war - wurde der Laster auf einer Autobahn in Richtung Sachsen-Anhalt gestoppt. Der Fahrer hatte zuvor in der Nähe der Anstalt auf einem Parkplatz im Wagen übernachtet. Er sei befragt worden und nicht verdächtig, hieß es.

Der geflohene Straftäter, der wegen schwerer räuberischer Erpressung bis September 2022 eine vierjährige Haftstrafe absitzen sollte, blieb verschwunden. Nach der Auswertung von Videomaterial geht die Justizverwaltung davon aus, dass er sich nicht im Inneren des Lastwagens aufhielt, sondern sich längere Zeit unter dem Transporter versteckt haben muss. „Der Laderaum lässt sich nicht von innen öffnen“, erklärte der Sprecher.

Justizsenator Dirk Behrendt (Grüne) hatte die Flucht am Donnerstag gemeldet. Es war das zehnte Mal innerhalb von sechs Wochen, dass Häftlinge aus einem Berliner Gefängnis entkommen konnten. Schon bei den neun Vorfällen nach Weihnachten hatte die CDU-Opposition von einem „einmaligen Skandal in der Rechtsgeschichte“ gesprochen. Damals waren vier Männer aus dem geschlossenen Teil der Anstalt Plötzensee ausgebrochen, sowie fünf aus dem offenen Vollzug entwichen.

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