Berlin

Freundliche Übernahme

100 Händler wollen als Genossenschaft Regie auf dem Berliner Großmarkt führen

Im vergangenen August hatten sich mehr als 100 Händler des Berliner Großmarkts an der Beusselstraße in Moabit zu einer Interessengemeinschaft (IG) zusammengeschlossen. Sie will den Großmarktbetrieb in die eigenen Hände nehmen und das Erbbaurecht für das Gelände vom Land Berlin erwerben. Nun hat die IG dem Wirtschaftsstaatssekretär Henner Bunde ihr Angebot zum Erwerb eines Erbbaurechts und zur Gründung der Genossenschaft "Lebensmittel- und Frischecluster Berlin" übergeben und damit ein wichtiges Etappenziel erreicht.

Kernstück des Vorhabens ist die Übernahme des gesamten Marktareals von mehr als 320.000 Quadratmetern und seine Weiterentwicklung zu einem nachhaltigen und zukunftsorientierten Zentrum für Frischeprodukte und Lebensmittel in Berlin. Das Erbbaurecht soll ermöglichen, von Banken Kredite für Investitionen zu erhalten. Die Leitung des Großmarkts soll dann von der landeseigenen Berliner Großmarkt GmbH auf die Genossenschaft der Großmarkthändler übergehen. Das Grundstück bliebe vollständig im Eigentum des Landes Berlin. Der Großmarkt soll weiterhin von kleinen und mittelständischen Betrieben getragen werden.

Die Genossenschaft ist überzeugt, für alle Beteiligten eine Win-win-Situation zu schaffen. Sie ist bereit, pro Jahr 2,5 Millionen Euro Erbpacht zu bezahlen. Die Summe entspreche 5,9 Prozent des Verkehrswertes für das Grundstück. Für die vorhandenen Gebäude würde die Genossenschaft dem Land 22 Millionen Euro überweisen, außerdem 3,5 Millionen Euro Grunderwerbssteuer.

90 Millionen Euro sollen auf dem Areal investiert werden

Vor allem aber sieht das Konzept Investitionen von mehr als 90 Millionen Euro vor, die bis 2035 getätigt werden sollen. Geplant sind Neubauten und Modernisierungen in sechs Baustufen. Zum ersten Bauabschnitt gehört eine dritte Großmarkthalle, in die Mieter der Blumenhalle und des Fleischgroßmarkts einziehen sollen. Wo jetzt der Blumengroßmarkt angesiedelt ist, soll ein zentraler Kundenparkplatz angelegt werden. Zu den Plänen für die künftige Nutzung des Geländes gehört auch ein von der "Markthalle Neun" in Kreuzberg gestaltetes Manufakturenzentrum. Dort sollen handwerklich arbeitende Lebensmittel-Produktionsbetriebe angesiedelt werden. "Das Ergebnis unseres Angebots ist ein seriös finanzierter schlüssiger Plan, der die Grundlage bildet, die gesamte Marktfläche neu zu gestalten", sagte IG-Sprecher Dieter Krauß.

Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne) hatte zugesagt, das Konzept der Genossenschaft sorgfältig und wohlwollend zu prüfen. Peter Stäblein, Geschäftsführer der Großmarkt-GmbH, schließt bislang die Vergabe eines Erbbaurechts aus. Er ist auch nicht bereit, die GmbH aus dem operativen Geschäft an der Beusselstraße zurückziehen. Dort sind mehr als 300 Unternehmen mit insgesamt 2500 Beschäftigten beheimatet. Der Warenumschlag liegt bei etwa 580.000 Tonnen pro Jahr, der Jahresumsatz bei einer Milliarde Euro.

© Berliner Morgenpost 2018 – Alle Rechte vorbehalten.