Mobilität

Zahl der Pendler in Berlin und Brandenburg wächst rasant

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Lorenz Vossen
Fahrgäste der Berliner S-Bahn am Bahnhof Friedrichstraße (Archivbild)

Fahrgäste der Berliner S-Bahn am Bahnhof Friedrichstraße (Archivbild)

Foto: dpa / dpa/DPA

Rund 300.000 Menschen sind täglich zwischen Berlin und Brandenburg auf dem Weg zur Arbeit. Die Folge: Staus und überfüllte Züge.

Berlin/Potsdam.  Die Zahl der Pendler in Berlin und Brandenburg steigt weiter an. Zwischen Mitte 2016 und 2017 fuhren täglich fast 300.000 Menschen aus dem Berliner Umland zur Arbeit in die Hauptstadt oder umgekehrt – ein Plus von mehr als drei Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Dabei stieg die Zahl der Brandenburger Einpendler um 3,4 Prozent auf 210.000, die der Berliner, die jeden Tag nach Brandenburg fahren um 2,6 Prozent auf 87.000. Insgesamt hat sich die Zahl der Berufspendler in den letzten 20 Jahren damit um fast 70 Prozent erhöht. Parallel stieg die Einwohnerzahl in Berlin aber nur um sieben Prozent, während sie in Brandenburg um acht Prozent zurückging.

Die Pendlerzahlen wurden vom CDU-Abgeordneten Jürn Jakob Schultze-Berndt bei der Senatsverkehrsverwaltung erfragt und stammen vom Amt für Statistik Berlin-Brandenburg. Wie viele der Pendler jeweils den öffentlichen Nahverkehr oder das Auto nutzen, geht aus den Daten indes nicht hervor. Der ADAC schätzt aber, dass rund zwei Drittel mit dem Auto unterwegs sind. Zu den meistbefahrenen Straßen zwischen Berlin und Brandenburg zählten bei der letzten Zählung der Bundesanstalt für Straßenwesen im Jahr 2015 die Abschnitte auf der Autobahn 115 zwischen Kleinmachnow und Zehlendorf mit 64.000 Fahrzeugen am Tag sowie zwischen Stolpe und Schulzendorfer Straße in Reinickendorf (48.000). Auf der Schiene werden die mit Abstand meisten Pendler zwischen Berlin und Potsdam gezählt.

Staus und überfüllte Züge gehören zum Alltag

Der bundesweite Trend, für den Weg zur Arbeit immer weitere Wege zurückzulegen, entwickelt sich nirgends so dynamisch wie in Berlin und Brandenburg. Immer öfter ziehen Berliner mittlerweile in die sogenannte zweite Reihe – die Gebiete noch außerhalb des Speckgürtels. Staus und überfüllte Züge gehören zu den täglichen Ärgernissen der Pendler.

CDU-Politiker Schultze-Berndt kritisiert, dass sich daran auch so schnell nichts ändern wird: Es gebe keine einzige Initiative des Senats zur Erhöhung der Kapazität oder der „Fließgeschwindigkeit“ auf den Straßen oder im Zugverkehr für die nächsten fünf Jahre. Für den Reinickendorfer Abgeordneten ein „Armutszeugnis“.

Erklärtes Ziel der rot-rot-grünen Koalition ist, dass Pendler verstärkt öffentliche Verkehrsmittel nutzen. Tatsächlich kommt Berlin mit den dafür nötigen Maßnahmen aber kaum hinterher. Mehr Züge für die S-Bahn etwa sollen erst 2026 kommen. Etwas besser sieht es im Regionalverkehr aus. Mit der Deutschen Bahn, der Niederbarnimer Eisenbahn und der Ostdeutschen Eisenbahn GmbH wird aktuell über Angebotsverbesserungen verhandelt. Zudem unterzeichneten Berlin und Brandenburg im Herbst eine Vereinbarung, die Schienenwege in acht Pendlerkorridoren auszubauen. Es sind aber Projekte, die mehr als ein Jahrzehnt in Anspruch nehmen werden.

ADAC: Auf Maßnahmen gegen Autofahrer verzichten

Solange sich die Angebote im öffentlichen Nahverkehr nicht verbessert hätten, müsse der Senat auf restriktive Maßnahmen gegen Autofahrer verzichten, fordert der ADAC. Stattdessen müssten für Auto fahrende Pendler mehr Park-&-Ride-Plätze geschaffen werden, damit der Mix aus Auto und Bahn attraktiver werde. Solche Plätze würden vor allem auf Brandenburger Gebiet benötigt. Das Thema sei aber lange vernachlässigt worden. Nun sollen in diesem Jahr an zehn Bahnhöfen Park-&-Ride-Plätze neu gebaut oder erweitert werden. Von der CDU wird auch immer wieder gefordert, die Tarifzone B auszuweiten, um die S-Bahn attraktiver zu machen. Der Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg hält davon aus Kostengründen aber nichts.

Nicht nur in Verkehrsfragen, auch bei den Themen Wohnen und Gewerbe wollen Berlin und Brandenburg künftig enger kooperieren. Im neuen Entwurf des gemeinsamen Landesentwicklungsplans, der seit Montag ausliegt, geht es vor allem um Erhalt und Weiterentwicklung des Berliner Siedlungssterns sowie die Ausweisung von neuen Wohngebieten und Gewerbeflächen. Insgesamt sind Siedlungsflächen für 250.000 Menschen geplant.

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