Jahreswechsel

Mehr sexuelle Übergriffe zu Silvester in Berlin als bekannt

Die Berliner Polizei zählte rund um den Jahreswechsel insgesamt 37 Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung.

Auf der Silvestermeile am Brandenburger Tor gab es mit der „Women’s Safety Area“ erstmals eine spezielle Anlaufstelle für Frauen

Auf der Silvestermeile am Brandenburger Tor gab es mit der „Women’s Safety Area“ erstmals eine spezielle Anlaufstelle für Frauen

Foto: dpa Picture-Alliance / Ralf Hirschberger / picture alliance / Ralf Hirschbe

Zum Jahreswechsel wurden insgesamt mehr sexuelle Übergriffe in Berlin angezeigt als bislang bekannt. Das geht aus einer detaillierten Antwort der Polizei auf eine Anfrage der Berliner Morgenpost hervor.

Allein in der Direktion 3, die für Mitte zuständig ist, und der Direktion 5 (Friedrichshain-Kreuzberg und Neukölln) wurden demnach zum Jahreswechsel 25 Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung angezeigt, in ganz Berlin waren es 37. Bislang war immer nur von 13 sexuellen Übergriffen im Zusammenhang mit den Silvesterfeierlichkeiten am Brandenburger Tor die Rede gewesen. Zum Vergleich: Zum Jahreswechsel 2016/2017 waren insgesamt 35 Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung in Berlin angezeigt worden.

Öffentlich geworden waren die höheren Zahlen zuvor durch eine parlamentarische Anfrage des FDP-Innenexperten Marcel Luthe an die Berliner Innenverwaltung. Der Politiker wollte wissen, wie viele Straftaten am 31.12.2017 und am 1.1.2018 insgesamt in Berlin angezeigt wurden. Als Antwort erhielt Luthe ebenfalls eine detaillierte Auflistung aus allen Direktionen, aufgegliedert in einzelne Deliktsbereiche. Die Antwort der Innenverwaltung liegt der Berliner Morgenpost ebenfalls vor. Allerdings sind diese Zahlen nicht mehr aktuell, wie die Morgenpost durch die Anfrage bei der Polizei erfuhr. Das liegt offenbar daran, dass in der Zwischenzeit weitere Anzeigen eingegangen sind.

Insgesamt wurden zum Jahreswechsel laut Statistik der Polizei knapp 3100 Straftaten (2016: 3082) angezeigt, darunter 597 Rohheitsdelikte und Straftaten gegen die persönliche Freiheit. Auch hier waren die Direktion 3 mit 140 und die Direktion 5 mit 118 Straftaten die Gebiete mit dem mit Abstand höchsten Anzeigenaufkommen. Innenexperte Luthe zeigte sich gegenüber der Berliner Morgenpost auch verwundert über die nun bekannt gegebene Statistik. "Die Zahlen zeigen erneut, dass es Kriminalitätsschwerpunkte gibt. Die Präventionsarbeit hat also nicht gut funktioniert. Für den kommenden Jahreswechsel heißt das, dass in den Direktionen die Einsatzhundertschaften gezielter eingesetzt werden müssen. Denn 25 Sexualdelikte allein in den Direktionen 3 und 5 sind absolut indiskutabel", sagte er. Schließlich würde der Tourismusstandort Berlin auch davon leben, dass die Menschen hier sicher sein müssen, so Marcel ­Luthe weiter.

Auf der Silvestermeile am Brandenburger Tor gab es zum ersten Mal mit der "Women's Safety Area" einen Bereich für Frauen, in dem sie sich melden konnten, wenn sie sich sexuell belästigt fühlten. Insgesamt fünf Frauen suchten das Zelt auf und gaben an, dass sie sexuell bedrängt wurden.

Die Feier am Brandenburger Tor wurde von der Berliner Polizei als "erstaunlich ruhig" bezeichnet. Teilnehmer berichteten, dass die Beamten vor allem auf dem Hauptveranstaltungsgelände sehr wachsam gewesen seien. Die nun veröffentlichten Zahlen der Innenverwaltung sprechen hingegen dafür, dass es auch abseits der Party-Meile am Brandenburger Tor sexuelle Übergriffe gab.

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