Architektur-Debatte

Hoch, höher, am höchsten - Wie hoch sollte Berlin bauen?

80, 100, 200 oder sogar 300 Meter – was ist das richtige Maß für Hochhäuser in Berlin und braucht die Stadt ein Höhenlimit?

Hochhäuser Simulation Alex Alexanderplatz Engelsturm Studentenarbeit der FHP unter Prof. Albers, „Manuel Walter (FHP)“ oder wenn Sie mehr Platz haben: „Manuel Walter (Potsdam School of Architecture)“.

Hochhäuser Simulation Alex Alexanderplatz Engelsturm Studentenarbeit der FHP unter Prof. Albers, „Manuel Walter (FHP)“ oder wenn Sie mehr Platz haben: „Manuel Walter (Potsdam School of Architecture)“.

Foto: Manuel Walter (FHP)

In London misst das höchste Haus 306 Meter, in Moskau erreicht der Federation Tower 374 Meter und in der Bankenmetropole Frankfurt am Main schrappt der Commerzbank Tower an der 260 Meter Marke. Und Berlin? In der deutschen Hauptstadt sind das Bürogebäude Treptowers und der Hotelturm „Park Inn“ am Alexanderplatz die höchsten Gebäude. Das weitere Berliner Höhenwachstum ist seit Jahrzehnten ein heftig umstrittenes Politikum – denn immer wieder legen Planer Entwürfe vor, die das bislang in Berlin gewohnte Maß übersteigen. Senatsbaudirektorin Regula Lüscher sitzt derzeit an einem Hochhaus-Entwicklungsplan, der regeln soll, in welchen Bereichen und welchen Höhen künftig gebaut werden darf.

Im Interview mit der Berliner Morgenpost erläutert die Senatsbaudirektorin, welche Kriterien gelten sollen – und „welche Höhen für Berlin funktionieren“. Höhen zwischen 120 Meter und 150 Meter würden nach Ansicht der gebürtigen Schweizerin, die seit 2007 Berlins Senatsbaudirektorin ist, am besten passen. „Genauso gut könnte Frau Lüscher sagen: 80 oder 100 Meter oder aber auch 200 oder 180 Meter“, kritisiert der Berliner Architekt Christoph Langhof, dessen „Upper West“ am Breitscheidplatz mit 118,8 Meter Höhe mit dem gleichhohen „Zoofenster“ auf Platz drei der höchsten Berliner Gebäude steht. „Das ist eine willkürliche Festlegung, die rational nicht zu begründen ist“, so der bekennende Hochhaus-Fan.

Er hat für den Hardenbergplatz einen 209 Meter hohen Turm entworfen , für den es jedoch keine Baugenehmigung gibt. Es herrsche eine „hochhausfeindliche“ Stimmung in der Stadt, so Langhof.

Architekten sehen noch viele Flächen für hohe Bebauung

Skeptisch bewertet auch der Architekt Eike Becker Lüschers Kriterien. „Ich bin gerade in Dubai, da stehen die Menschen Schlange, um ein 820 Meter hohes Haus zu besichtigen“, so Becker. Angesichts dieser Höhe seien die in Berlin diskutierten Dimensionen „vorsichtig, schüchtern und bescheiden“. „Weder erschließt sich mir, warum eine Höhe von unter 150 Metern für Berlin passend sein soll, noch, warum wir überhaupt eine Höhenfestlegung brauchen“, so der Architekt, der ebenfalls schon mit Hochhausprojekten in Berlin gescheitert ist. Nach seinen Plänen sollte am Ostbahnhof, an der Andreasstraße, ein 120 Meter hoher Turm entstehen. Doch das Gebäude bekam kein Baurecht mit dem Argument, nur auf der anderen Seite des Ostbahnhofs in Richtung der Mercedes-Benz Arena seien Hochhäuser vorgesehen.

Auch Nachwuchsplaner reiben sich an den Grenzen, die das derzeitige Stadtbild zu konservieren scheinen. Aufgefordert von den Architekten Bernd Albers, Barbara Hoidn, Jan Kleihues, Silvia Malcovati und Wilfried Wang beschäftigten sich Studenten mit der Frage, wie Berlin im Jahre 2050 aussehen könnte. „Ihre Entwürfe zeigen, dass Berlin noch viele Flächen hat, die sich bestens für eine höhere Baudichte eignen, etwa an der Karl-Marx-Allee oder auch am Westhafen“, sagt Albers. Berlin brauche endlich eine Gesamtplanung auf Basis einer städtebaulichen Idee. Die vermisst auch Jan Kleihues. Der Architekt hat für die Technische Universität das „Quartier am Zoo“ mit mehreren Hochhäusern entwickelt. Weil inzwischen Wettbewerbe für zwei Institutsgebäude entschieden wurden, würden Tatsachen geschaffen, „ohne dass man eine Idee für das gesamte Areal hat“.