Berlin

Birgit Hillmer,

„Den Schülern sage ich: Ihr tragt eure Frisuren, wie ihr wollt, hört Musik, die euch gefällt – in der DDR sind Menschen dafür ins Gefängnis gegangen“

Den Ort für das Bild hat sie bewusst gewählt: Das Denkmal erinnert an zwei Jungen aus Treptow, zehn und 13 Jahre alt, die 1966 im Grenzstreifen erschossen wurden. Vermutlich hatten sie geplant, den Vater des einen Kindes in West-Berlin zu besuchen. Wenn Birgit Hillmer Schülern von Schicksalen wie diesen erzählt, „dann hören selbst die zu, die bis eben noch herumgealbert haben, weil sie dachten, Geschichte sei langweilig“. DDR-Geschichte weiterzugeben, ist Birgit Hillmer wichtig. Auch ihre eigene Biografie zeugt von der Zerrissenheit der Generation, die im Jahr des Mauerbaus geboren wurde. Sie selbst, geboren am 26. Dezember 1961, wuchs in einem thüringischen Dorf an der Grenze zu Franken auf. Die Oma sprach liebevoll von Familie und Freunden „drüben“, die Eltern waren staatsnah. Sie selbst wurde Lehrerin, Staatsbürgerkunde und Geschichte, begann aber bald zu zweifeln. Am 4. November 1989 fuhr sie heimlich nach Berlin, um am Alexanderplatz für Freiheit zu demonstrieren. Nach dem Mauerfall überwarf sie sich mit Kollegen, weil sie im Schulunterricht über die Demokratie im Westen und die Diktatur im Osten reden wollte. Heute arbeitet Hillmer als Historikerin in der Gedenkstätte Hohenschönhausen und lebt in Steglitz.