Berlin

Erneut brennen Autos von Linken in Neukölln

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Alexander Dinger

Inhaber des Buchgeschäftes war bereits vor gut einem Jahr Ziel von Attacken. Auch Linke-Politiker betroffen

Berlin. In der Nacht zu Donnerstag haben in Neukölln erneut Autos gebrannt. In beiden Fällen ermittelt der Staatsschutz. Ein Auto gehört einem Buchhändler, der schon häufiger das Ziel von Attacken war. Ein anderes Auto gehört einem Mitglied der Linkspartei.

Gegen 2.40 Uhr wurden Polizei und Feuerwehr in die Karl-Elsasser-Straße gerufen, da dort Flammen aus einem abgestellten Peugeot schlugen. Die Feuerwehr löschte den Brand, das Fahrzeug wurde jedoch komplett zerstört. Der Wagen gehört nach Informationen der Berliner Morgenpost dem Buchhändler Heinz Ostermann, der schon häufiger Ziel von Attacken war. Anwohner stellten später gegen 3 Uhr im Klettenweg Flammen an einem unter einem Carport stehenden Smart fest. Der 38-jährige Fahrzeughalter versuchte, bis zum Eintreffen der Feuerwehr mit einem Feuerlöscher den Brand zu bekämpfen. Auch hier brannte das Fahrzeug vollständig aus. Durch die Hitzeentwicklung wurde ein danebenstehender Mercedes eines 63-Jährigen beschädigt. Dieses Auto gehört nach Informationen der Berliner Morgenpost Ferat Kocak aus dem Bezirksvorstand der Linken in Neukölln. Kocak teilte am Donnerstagmittag mit: „Heute Nacht gegen 3 Uhr haben Nazis einen Anschlag auf mich und meine Familie verübt. Ich schlief drei Meter vom Brand und wurde zum Glück vom hellen Feuer wach, so dass ich meine Eltern ins Freie geleiten konnte. Das war versuchter Mord und ein Anschlag auf die Vielfalt und Demokratie in Neukölln, Berlin und Deutschland.“ Die Polizei teilte mit, dass die Ermittlungen laufen und zu der Identität der Täter noch nichts bekannt sei.

Fast genau vor einem Jahr war das Geschäft von Buchhändler Heinz Ostermann bereits das Ziel von Attacken. Unbekannte Täter hatten die Scheiben seines Geschäfts beschädigt und wenige Wochen später zudem seinen Wagen angezündet. Seit Herbst 2016 spitzt sich die Lage in Neukölln zu. Linke-Politiker, Gewerkschafter und Menschen, die sich gegen Rechte engagieren, werden immer wieder attackiert. Rechtsextreme Gruppen verbreiten regelmäßig entsprechende Feindeslisten im Internet.

Bei der Serie ist eine deutliche Eskalation zu sehen. Handelte es sich am Anfang noch um Schmierereien an Hauswänden oder eingeworfene Fensterscheiben, wurden zuletzt mehrfach Autos angezündet. Darunter das der SPD-Politikerin Mirjam Blumenthal, das eines Gewerkschafters und einer Frauenrechtlerin.

Die Behörden hatten zwischenzeitlich auch einen einschlägig bekannten Neonazi im Fokus. Bei ihm fand im vergangen Jahr auch eine Hausdurchsuchung statt. Gegenstand des Verfahrens sind zwei Brandstiftungen vom Januar 2017 – unter anderem auf das Auto von Buchhändler Ostermann.