Schwimmbäder

Neues Preissystem der Berliner Bäderbetriebe sorgt für Unmut

Von Donnerstag an gilt in den Berliner Schwimmbädern ein neues Tarifsystem. Gäste ärgern sich über versteckte Preiserhöhungen.

Augen zu und durch: Viele Kunden der Berliner Bäderbetriebe ärgern sich über "verdeckte Preiserhöhungen"

Augen zu und durch: Viele Kunden der Berliner Bäderbetriebe ärgern sich über "verdeckte Preiserhöhungen"

Foto: Daniel Bockwoldt / dpa

Berliner. Übersichtlicher, fairer und für viel preisgünstiger – das versprechen die Berliner Bäderbetriebe ihren Kunden mit dem neuen Preissystem. Von Donnerstag an gilt in den städtischen Bädern eine neue Tarifstruktur. Wie berichtet, werden dann die Zeitbegrenzungen für das Morgenschwimmen und einige Zuschläge entfallen. Manche Leistungen wie die Jahreskarte (495 statt 539 Euro) sollen billiger werden. Doch viele Kunden ärgern sich über „verdeckte Preiserhöhungen“ oder stehen den Versprechungen von BBB-Chef Andreas Scholz-Fleischmann auf mehr Verlässlichkeit skeptisch gegenüber.

Auf Unmut bei Eltern, die mit einer größeren Kindergruppe schwimmen gehen wollen, stößt das neue Familien-Ticket „BadeSpaß“. Ein Erwachsener mit zwei Kindern zahlt dann neun Euro Eintritt. Maximal zwei weitere Kinder können ihn für jeweils 1,25 Euro begleiten. Zuvor kostete die Familienkarte für zwei Erwachsene mit fünf Kindern 11,50 Euro. Die Bäderbetriebe weisen darauf hin, dass größere Familien über den Berliner Familienpass die städtischen Bäder preisgünstig besuchen können. „Mit jedem Bon zahlt nur der Erwachsene den vollen Eintrittspreis und bis zu sieben Kinder können dann unentgeltlich mit hinein“, teilte Bäder-Sprecher Matthias Oloew mit.

Unterschriften gegen verteuerte Aqua-Fitness

Auch Befürchtungen, es werde künftig keine Mehrfachkarte mehr für Frühschwimmer geben, trat Oloew entgegen. Die neue Mehrfachkarte zum Frühschwimmtarif von 3,50 Euro pro Besuch könnten die Gäste weiterhin zum Frühschwimmen nutzen. „Darüber hinaus ist diese neue Mehrfachkarte aber auch zu allen anderen Zeiten nutzbar, in denen die 3,50-Euro-Zeit gilt“, versicherte Oloew. „Die Gäste können die Karte also nicht nur morgens nutzen, sondern von der Öffnung des Bades bis 15 Uhr und dann wieder ab 20 Uhr.“

Sylvia Franke fiel aus allen Wolken, weil sie für ihren Aqua-Fitnesskurs in Zukunft 95 Euro bezahlen soll. Bisher habe die Kombination aus Zehnerkarte und Aqua-Fitness nur 70 Euro gekostet. Jeden Freitag nutzt die Spandauerin mit fünf Bekannten das Angebot für Wassergymnastik im Kombibad an der Gatower Straße. 40 bis 50 Personen nutzten jedes Mal das Angebot. Morgenpost-Leser Uli Meier argwöhnt, dass mit dem Wegfall des Warmbadezuschlags auch eine erhöhte Wassertemperatur der Vergangenheit angehören könnte. Eine BBB-Sprecherin versicherte am Dienstag hingegen, das Wasser werde auch ohne Zuschlag künftig in den Berliner Bädern zeitweilig auf wohlige 30 bis 32 Grad erhitzt.

Die Preiserhöhung bei den Aquafitness-Kursen bestätigte sie hingegen. Für einzelne Angebote wie „Aqua-Basic“ und „Für Junggebliebene“ sei die bisherige Ermäßigung entfallen. „Diese Kurse werden nicht subventioniert und wir haben die Preise denen der anderen Aqua-Fitnesskurse angeglichen“, so die Sprecherin. Sylvia Franke will mit anderen Kursteilnehmern Unterschriften gegen die versteckte Preiserhöhung sammeln. „Wenn das nicht hilft, werden wir nur noch jede zweite Woche hin­gehen“, kündigte Sylvia Franke für sich und ihre Bekannten an.

In Spandau sind allerdings die Zeiten für Kurse und Schwimmunterricht sehr knapp. Mit dem Kombibad Spandau-Süd und dem mehr als 100 Jahre alten Stadtbad Spandau-Nord gibt es im Bezirk nur zwei öffentliche Hallenbäder. Vertreter von Schwimmvereinen und Wasserrettern beklagten in der jüngsten Sitzung des Sportausschusses eine „verdammte Unterkapazität der Wasserflächen“.

Monatelanges Warten auf ein Schwimmabzeichen

So müssen bei der Wasserwacht des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) in Spandau Kinder derzeit bis zum Sommer auf einen Platz warten, um mit dem „Seepferdchen“ ihr erstes Schwimmabzeichen abzulegen. Die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) hat ihre Wartelisten inzwischen geschlossen, weil sie immer länger werden. 75 Kinder warten nach Angaben der DLRG Spandau derzeit darauf, das „Seepferdchen“ abzulegen, im Einzelfall bis zu zweieinhalb Jahre.

Vertreter des Wasserball-Bundesligisten Spandau 04 beklagen seit Jahren, dass sie in ihrem Heimatbezirk kaum Trainingszeiten bekommen. Der Verein wirbt für den Neubau einer zusätzlichen Halle auf dem Gelände des Kombibades Spandau-Süd. 8,5 Millionen Euro würde die Wasserball-Arena kosten, die auch für andere Vereine und Schulen offen sein könne, sagte Joachim Schensick vom 04-Vorstand.

Stefan Kreuder von den Bäderbetrieben machte allerdings auf erhebliche verlängerte Öffnungszeiten oder größere Investitionen der Bäderbetriebe in Spandau wenig Hoffnung. „Wir haben zu wenig Personal“, unterstreicht er ein Grundproblem des landeseigenen Unternehmens. Und Geld sei knapp.

Spandau-Süd werde voraussichtlich eine Stunde früher öffnen. In Spandau-Nord werde es wieder einige Wochen­end-Kurse geben. Wie lange das Sommerbad Staaken in diesem Jahr öffne sei unklar. „Wir bemühen uns, das Bad wenigstens einen Teil der Sommerferien offen zu halten“, kündigte Kreuder an. Der Ausschuss-Vorsitzende Lars Reinefahl (CDU) forderte die Bäderbetriebe auf, Kooperationsangebote der Vereine und freien Träger anzunehmen. „Es kann nicht sein, dass ein Kind zweieinhalb Jahre auf sein Seepferdchen warten muss.“

Andere Bezirke haben ähnliche Probleme. So erhält Pankows Sportstadtrat Torsten Kühne (CDU) bei Gesprächen mit Bürgern und Vereinen über die Bäder die Rückmeldung, „dass die Bedarfe viel höher sind als die vorhandenen Kapazitäten“. Pankower Schulen müssten für den Schwimmunterricht weite Wege in Kauf nehmen.

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