Kosten der Verwaltung

Manchmal lohnt es sich für Behörden, mehr Geld auszugeben

Manche Bezirke geben mehr Geld aus als andere. Doch wer mehr Zeit und Geld in die Prüfung steckt, kann dadurch Ausgaben sparen.

Zwar gibt der Bezirk Treptow-Köpenick mehr Geld für die Prüfung von Sozialhilfe-Anträgen aus, dafür sind die Kosten am Ende niedriger als in anderen Bezirken (Archiv)

Zwar gibt der Bezirk Treptow-Köpenick mehr Geld für die Prüfung von Sozialhilfe-Anträgen aus, dafür sind die Kosten am Ende niedriger als in anderen Bezirken (Archiv)

Foto: imago stock&people / imago/Steinach

Berlin. An Zahlen über das, was in Berlins Bezirksrathäusern so gemacht wird, mangelt es nicht. Die Kosten- und Leistungsrechnung erfasst alle Tätigkeiten und die Zeit, die die Mitarbeiter dafür benötigen. Daraus errechnen sich die Kosten für jede einzelne Einheit, also jedes Produkt der Verwaltung. Fraglich bleibt jedoch, ob diese Daten wirklich taugen, um die Behörden zu steuern.

Um das „Globalbudget“ der Bezirke festzulegen, werden die Kosten für jede einzelne Leistung mit der Menge der erstellten Produkte, also ausgestellter Personalausweise, betreuter Sozialhilfeempfänger oder untersuchter Schüler-Gebisse, multipliziert.

Entscheidend dafür, wie viel Geld die Bezirke vom Senat jedes Jahr erhalten, sind also ihre Stückkosten pro Produkt. Allerdings trägt das Land nicht alle angefallenen Kosten, und seien sie noch so hoch. Sondern die Zuweisung erfolgt nach dem Mittelwert der Kosten, die für eine jeweilige Leistung in allen Bezirken anfallen. Wer über dem Mittelwert liegt, sollte also versuchen, seine Kosten zu senken. Senkt ein Stadtrat seine vergleichsweise zu hohen Kosten nicht, muss er sein pauschales Budget stärker belasten, das Geld also an anderer Stelle einsparen.

Teure Prüfung spart am Ende Sozialausgaben

Manchmal kann es aber Sinn machen, für einzelne Posten mehr Geld auszugeben. So argumentiert Treptow-Köpenicks Sozialstadtrat Gernot Klemm. Der Linken-Politiker verantwortet einen Kostensprung bei der Verwaltung von Sozialhilfeempfängern.

Hier registrierten die Statistiker der Finanzverwaltung über alle Bezirke einen Kostenanstieg von knapp 18 Prozent in einem Jahr auf 409 Euro. Das liegt nach Angaben der Finanzverwaltung an der besseren Personalausstattung der Ämter. Nur Pankow gelang es gegen den Trend, die Kosten pro Fall zu senken, auf 336 Euro.

Den größten Sprung machte hingegen Treptow-Köpenick, wo die Stückkosten von 410 auf 571 Euro anwuchsen. Das sei aber politisch gewollt, so der Stadtrat. „Wir prüfen die Anträge eben sehr genau und genehmigen nur, was gesetzlich vorgesehen ist“, sagte Klemm. In der Folge spare sein Bezirk bei den wirklich großen Brocken, nämlich den Sozialausgaben selbst.

Senat weiß nicht, ob die Treptow-Köpenicks Strategie für alle Bezirke sinnvoll wäre

Dass ein Bezirk bei den Verwaltungskosten spart, sagt noch wenig darüber, ob er wirklich wirtschaftlich arbeitet. Der Senat kontrolliert nicht, ob der etwa bei den Sozialhilfeempfängern von Treptow-Köpenick beschrittene Weg, in die Verwaltung zu investieren und dadurch insgesamt zu sparen, für die gesamte Stadt sinnvoll wäre.

So bleibt es beim Vergleich von Detailpunkten. Zum Beispiel bei der zahnmedizinischen Vorsorgeuntersuchung der Gesundheitsämter. Die kostete 2016 im Mittel 14,43 Euro, im Vergleich zum Vorjahr gab es einen sehr moderaten Anstieg um 1,57 Prozent.

2015 war Tempelhof-Schöneberg der Ausreißer. 24 Euro verschlang es dort, den Schülern des Bezirks in den Mund zu schauen. Im Folgejahr sanken die Kosten auf 16 Euro und liegen damit fast im Mittelwert. Dennoch bleiben die besten Vergleichswerte noch weit entfernt: In Neukölln fielen nur zehn Euro pro Vorsorgeuntersuchung an.

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