Hauptstadt-Flughafen

Grüne unterstützen teilweise Eröffnung beim BER

Michael Müller kann sich eine frühere Eröffnung eines BER-Terminals vorstellen. Die Grünen unterstützen ihn. Die FDP reagiert mit Häme.

Ein Rundgang über die Flughafen-Baustelle am BER

Der neue BER-Chef Lütke Daldrup zieht ein positives Zwischenfazit. Die Entrauchungsanlage soll mittlerweile funktionieren.
Fr, 19.05.2017, 18.43 Uhr

Ein Rundgang über die Flughafen-Baustelle am BER

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Berlin. Lange Zeit schien unverrückbar: Der neue Hauptstadt-Airport BER in Schönefeld kann nur mit seinem Kernstück, den vom Tegel-Architekten Meinhard von Gerkan entworfenen Fluggastterminal (FGT) in Betrieb gehen. Doch angesichts nicht enden wollenden Pannen-Meldungen speziell über die Funktion der Brandschutzsysteme im Gebäude, wird nun auch ganz offiziell über eine Teileröffnung des BER auch ohne das FGT nachgedacht. "Vielleicht wird es eine schrittweise Eröffnung geben", hatte Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) in dem am Sonntag veröffentlichten Interview mit der Berliner Morgenpost gesagt.

Genutzt werden, so Müller, könnte dafür das Terminal T1-E, für dessen Bau derzeit die Vorbereitungen laufen. Mit ihm sollen die Kapazitäten am inzwischen zu klein geratenen BER um sechs bis acht Millionen Passagiere im Jahr erweitert werden. Doch weil T1-E – wie beispielsweise in Tegel das einstige Air-Berlin-Terminal C – als komplett eigenständiges Abfertigungsgebäude mit eigenen Check-in-Schaltern, Gepäckbändern und Sicherheitsschleusen errichtet wird, könnte es auch unabhängig vom FGT in Betrieb gehen.

Das rund 100 Millionen Euro teure Terminal T1-E soll nach der Planung der Flughafengesellschaft von einem Generalunternehmer errichtet und im Frühsommer 2020 fertiggestellt werden. Das wäre dann einige Monate vor dem BER-Hauptterminal, dessen Inbetriebnahme von Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup ja zuletzt für Oktober 2020 avisiert wurde.

Flughafenchef Lütke Daldrup hält den Plan für unrealistisch

Für einen solchen "Plan B" für eine BER-Eröffnung haben sich in der Vergangenheit wiederholt die Grünen ausgesprochen, zuletzt etwa deren Fraktionschef im Bundestag, Anton Hofreiter. Auch im rot-rot-grünen Senat in Berlin hatten jüngst die Grünen gefordert Vorsorge zu treffen für den Fall, dass es bei der BER-Fertigstellung wieder stockt. Es sei daher gut, dass jetzt Alternativpläne durchgespielt werden, hieß es am Sonntag aus Parteikreisen.

Auch der SPD-Flughafenexperte Jörg Stroedter sprach sich bereits dafür aus, mit einer Ersatzlösung auf Nummer sicher zu gehen. Flughafenchef Lütke Daldrup hält einen solchen Plan dagegen für unrealistisch. Auch in der Koalition warnen manche vor den negativen Signalen, das eine solche Alternativplanung aussenden würde.

Sebastian Czaja: Forderung nach zweitem Flughafen wird dadurch unterstrichen

Für die Berliner FDP, die sich für ein Offenhalten von Tegel auch nach einer BER-Eröffnung einsetzt, machen die aktuellen Überlegungen für eine vorzeitige Inbetriebnahme von T1-E dagegen deutlich, wie groß die Not der Flughafengesellschaft inzwischen sei. "Damit wird unsere Forderung nach einem zweiten Flughafen für Berlin nochmals unterstrichen", sagte FDP-Fraktionschef Sebastian Czaja am Sonntag.

Seine Partei geht davon aus, dass die Fluggastzahlen in Berlin im Jahr 2020 nicht bei den von der Flughafengesellschaft prognostizierten 37 Millionen sondern bei 40 bis 42 Millionen liegen werden. Der starke Zuwachs könnte etwa vom Flughafen Schönefeld-Alt nicht mehr bewältigt werden, so Czaja.

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