Berlin

„Spaß ist eine entscheidende Triebfeder“

Mindestens 150 Minuten moderate beziehungsweise 75 Minuten intensive körperliche Aktivität pro Woche lautet die Empfehlung der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Das erreichen viele Menschen jedoch nicht. Insgesamt würden wir uns zu wenig bewegen, was wiederum in gesundheitlichen Problemen resultiere, sagt auch Bernd Wolfarth, Professor für Sportmedizin an der Humboldt-Universität zu Berlin und Leiter der Sportmedizinischen Abteilung der Charité.

Herr Professor Wolfarth – was sollte man tun, um sich fit zu halten?

Bernd Wolfarth: Das ist natürlich ein weites Feld. Bei der Beratung in unserer Ambulanz empfehlen wir zunächst, mehr Sport zu treiben. Aber wir müssen uns immer auch ein Stück weit in den Menschen hineinversetzen. Was kann er auch wirklich umsetzen? Und egal was man macht – es geht ja immer darum, dass man es langfristig macht, also um Nachhaltigkeit. Grundsätzlich ist es uns relativ egal, was die Menschen tun, solang es kein grober Unfug ist und sie sich nicht selbst damit schaden. Wichtig ist eben, dass sie was tun. Und dass die Leute aktiver werden müssen, ist keine Frage. Deshalb stehen wir natürlich neuen Fitnesstrends grundsätzlich positiv gegenüber.

Wie sieht denn eigentlich ein effektiver, bedarfsorientierter Plan aus, nach dem man trainieren sollte?

Das ist sehr davon abhängig, um wen es geht. Das heißt: Haben Sie in ihrem Leben nie etwas gemacht und stehen mit 30 Kilogramm Übergewicht vor mir? Oder haben Sie früher mal Sport getrieben und möchten jetzt wieder anfangen? Oder sind Sie eigentlich körperlich schon recht aktiv und wollen auf ein bestimmtes Ziel, wie zum Beispiel einen Halbmarathon, hintrainieren? Da ist es wichtig, dass man die individuelle Situation kennt und dann individuell beraten kann. Es ist abhängig von der Vorerfahrung, vom Istzustand und von den Zielen, die man sich setzt.

Wie motiviere ich mich langfristig dazu, Sport zu treiben?

Ein wichtiger Punkt ist der vernünftige Einstieg. Wenn Leute sehr motiviert herangehen, besteht oftmals die Gefahr, dass sie zu intensiv beginnen. Dann kann es passieren, dass man sich eine Verletzung oder eine Problematik am Bewegungsapparat einhandelt oder ausgehend von einem sehr niedrigen Leistungsniveau in eine Art Übertrainingssituation kommt.

Muss ich mich vorher von einem Arzt durchchecken lassen?

Absolute Sporteinsteiger sollten sich zumindest ab einem bestimmten Alter vorher untersuchen lassen. Das empfiehlt die Deutsche Gesellschaft für Sportmedizin und Prävention zumindest bei Wiedereinsteigern ab 35 Jahren. Dadurch bekommt man eine gewisse Sicherheit, dass man gesund ist, und die Antwort auf die Frage, welche Aktivität für einen vernünftig ist und wie diese sinnvoll begonnen werden kann. Das ist wichtig, um langfristig Spaß am Training zu haben. Und nur dann bleibt man auf Dauer beim Sport. Wenn Sie keinen Spaß haben, machen Sie es vielleicht zwei Wochen dem Arzt und noch mal zwei sich selbst zuliebe und dann verlieren Sie die Lust. Spaß an der Bewegung ist eine entscheidende Triebfeder.

Wie findet man für sich die richtige Sportart?

Man muss sich sein persönliches Setup überlegen. Was bin ich für ein Typ? Treib ich eher alleine Sport? Brauche ich die Gruppe, wo man sich verabredet, trifft und wo es auffällt, wenn man nicht da ist? Oder werde ich gern bespielt und bespaßt? Das kann ich im Fitnessstudio realisieren, etwa mit einem Personal Trainer oder im Gruppentraining. Man darf aber auch den guten alten Sportverein nicht vergessen, über den auch viele generationsübergreifende Sozialkontakte laufen. Auch die Vereine sind wesentlich kreativer geworden. Da gibt es nicht mehr nur wie früher Schwimmen, Turnen, Laufen, sondern auch moderne Angebote.