Berlin-Blockade

Luftbrücken-Jubiläum: Rosinenbomber landen nicht in Berlin

Zum Luftbrücken-Jubiläum sollen die Maschinen zwar Berlin anfliegen, landen dürfen sie aber nicht.

Rosinenbomber auf dem ehemals britischen Flugplatz Gatow: Während der Luftbrücke landeten Maschinen im Minutentakt, viele kamen aus Faßberg

Rosinenbomber auf dem ehemals britischen Flugplatz Gatow: Während der Luftbrücke landeten Maschinen im Minutentakt, viele kamen aus Faßberg

Foto: UPI / picture-alliance/ dpa

Kaffee in Dosen, Zigaretten, Kaugummi und Kohle, Kohle, Kohle. Das sind einige der Güter, die den Berlinern während der Blockade beim Überleben halfen. Wichtiger Stützpunkt für die Maschinen der Alliierten, die 1948 und 1949 Berlin anflogen, war der Fliegerhorst Faßberg in Niedersachsen. Bis zu 450 sogenannte Rosinenbomber am Tag starteten dort mit Hilfsgütern für das von den Sowjets eingeschlossene Berlin.

Von dem damals britischen Militärflugplatz wurden allein 540.000 Tonnen Kohle zum britischen Flugplatz Gatow im Spandauer Süden geflogen. Von Faßberg starteten Weihnachten 1948 auch die Maschinen der US und der Royal Airforce, die in der "Operation Weihnachtsmann" Berliner Kindern Geschenke von Spendern aus der ganzen Welt brachten. Eine Ausstellung des Faßberger Luftbrückenmuseums im Rathaus Spandau ist der Auftakt zu den Feierlichkeiten und Aktionen zum 70. Jubiläum der Luftbrücke.

Für Thomas Keller war die Luftbrücke in erster Linie "keine militärische, sondern eine zivile, zutiefst humanitäre Angelegenheit". Der Hamburger Unternehmer ist Mitinitiator der wohl spektakulärsten Aktion zum Luftbrückenjubiläum. Der ehemalige Fallschirmjäger der Bundeswehr tüftelt seit 2016 mit seinem Kameraden Jörg Siebert und dem Niederländischer Peter Braun an der Idee, noch einmal eine Brücke der Rosinenbomber zu organisieren.

Die 40 Maschinen müssen nach Brandenburg ausweichen

Für den Anflug der Propellermaschinen vom Typ DC-3 und DC-4 nach Deutschland haben die Organisatoren der Aktion "Berlin Airlift" bereits 31 feste Zusagen von Flugzeugeigentümern aus der ganzen Welt. Besitzer aus vielen europäischen Ländern und sogar aus Australien wollen mitmachen.

Allein 14 "Candy Bombers" sollen aus den Vereinigten Staaten kommen. Die logistische Herausforderung für die kleine Lüftbrücke ist groß. Denn die Rosinenbomber können kein Kerosin tanken. Sie benötigen verbleites Flugbenzin, das sogenannte Avgas. Es gebe bereits Gespräche, um auf Grönland dafür einen Tankstützpunkt zu schaffen, sagt Keller.

Archiv: Frank Hellberg - der Rosinenbomber-Retter

Der letzte in Europa zum Flugverkehr zugelassene Rosinenbomer musste 2010 notlanden. Seitdem arbeitet ein Förderverein an der Reparatur.
Archiv: Frank Hellberg - der Rosinenbomber-Retter

Die meisten originalen Rosinenbomber, befänden sich im Besitz privater Liebhaber, manche müssten erst wieder flugtauglich gemacht werden. Eine diene beispielsweise als Restaurant. Ein paar der robusten, zweimotorigen Flugzeuge stehen sogar noch im Dienst, so in Kolumbien und Kenia. Die Initiatoren rechnen damit, dass rund 40 historische Flugzeuge der Douglas Aircraft Company im Juni 2019 wie zu Luftbrückenzeiten in Wellen mit je drei Maschinen zunächst den früheren US-Flugplatz Wiesbaden-Erbenheim, danach Faßberg ansteuern und von dort schließlich am 15. Juni Richtung Berlin starten werden. An allen drei Standorten wird es Volksfeste geben. In Wiesbaden-Erbenheim, wo sich noch das Originalbüro des Luftbrückenerfinders General Lucius D. Clay befindet, werden zum "Tag der Bundeswehr" 150.000 Besucher erwartet, die auch die Rosinenbomber bestaunen werden. "Das wird die letze Luftbrücke mit alten Maschinen, die es geben wird", kündigt Keller an.

In Berlin werden die berühmten Rosinenbomber allerdings nicht landen können. Die Flugplätze Gatow und Tempelhof, die sie vor 70 Jahren angeflogen haben, sind stillgelegt. Tegel und Schönefeld sind zu voll, um die Veteranen aufzunehmen. Deshalb werden die 40 Rosinenbomber zum Flugplatz Schönhagen bei Trebbin (Teltow-Fläming) im Süden Berlins fliegen. Mindestens eine Ehrenrunde über Berlin sollen sie aber trotzdem drehen, möglicherweise auch wieder Carepakete abwerfen. "Wir suchen noch nach Wegen dahin", sagt Mitinitiator Jörg Sie­bert. Die Gespräche mit den Luftsicherheitsbehörden dazu laufen.

Ein Stück Kohle als Symbol für die Hilfsaktion

Auch das Militärhistorische Museum (MHM) der Bundeswehr auf dem früheren Flugplatz Gatow ist an einer Kooperation interessiert. Dort wird gerade ein neues Konzept erarbeitet. Die Wissenschaftliche Museumsleiterin Doris Müller-Toovey erwartet, dass noch dieses Jahr die konkreten Planungen für den Umbau beginnen. "Wir werden das Luftbrücken-Thema in jedem Fall einbeziehen", kündigt sie an.

Spandaus Bezirksbürgermeister Helmut Kleebank (SPD) will in einem der Rosinenbomber sitzen, wenn sie von Faßberg Richtung Bundeshauptstadt starten. Seit dem 65. Jubiläum der Luftbrücke vor fünf Jahren kooperiert der Bezirk mit der niedersächsischen Gemeinde. Mit einem Stück Kohle als Symbol für die Luftbrücke machte Kleebank seinen Antrittsbesuch bei seinem Faßberger Kollegen Frank Bröhl.

Im Februar wollen Kleebank und Bröhl eine offizielle Partnerschaftsvereinbarung unterzeichnen. Auch das Spandauer Hans-Carossa-Gymnasium arbeitet mit Faßberger Schulen zusammen, um mehr über die Geschichte der Luftbrücke zu erfahren. Bei einem der Besuche in Faßberg entstand auch die Idee zu der originellen Schneewette, für die bis zum 13. Februar im Rathaus Spandau noch Tippscheine für zwei Euro zu haben sind.

Wie berichtet, sollen Teilnehmer wetten, ob am 18. Februar die Schafe auf dem Spandauer Hahneberg oder die Heidschnucken von Faßberg im Schnee stehen oder ob an keinem beziehungsweise beiden Orten Schnee liegt.

70 Jahre Luftbrücke

Geschichte: Vom 24. Juni 1948 bis zum 12. Mai 1949 versorgten die Westmächte West-Berlin aus der Luft, nachdem die Sowjets die Landwege als Reaktion auf die Währungsreform abgeschnitten hatten. Mehr als zwei Millionen Tonnen Hilfsgüter wurden eingeflogen. In Gatow und Tempelhof landeten die sogenannten Rosinenbomber im Minutentakt.

Wiederkehr: Die Initiative "Berlin Airlift" will 2019 mit rund 40 Original-Rosinenbombern eine kleine Luftbrücke organisieren. Sie sollen am 10. und 11. Juni auf dem Flugplatz Wiesbaden-Erbenheim zu sehen sein, von dort zum Flugplatz Faßberg fliegen, wo sie vom 13. bis 15. Juni zu besichtigen sind. Von Faßberg fliegen die historischen DC-3 und -4 Richtung Berlin. Sie sollen vom 15. bis 18. Juni auf dem Flugplatz Schönhagen bei Trebbin stationiert sein.

Ausstellung: Im Rathaus Spandau, Carl-Schurz-Straße 2–6, sind bis zum 15. Februar Exponate des Luftbrückenmuseums Faßberg zu sehen. Zutritt bei freiem Eintritt während der üblichen Öffnungszeiten der Behörden.

Mehr zum Thema:

Auf dem Flughafen Tempelhof soll ein Kultur-Areal entstehen

Das AlliiertenMuseum baut Ausstellung an der Clayallee um

© Berliner Morgenpost 2018 – Alle Rechte vorbehalten.