Berlin-Schöneberg

Getötete Radfahrerin - Unfallstelle gilt als gefährlich

Eine Radfahrerin ist in Schöneberg getötet worden. Der Unfallort gilt als gefährlich. Senatorin Günther verspricht Untersuchungen.

Polizeibeamte sichern nach dem tödlichen Unfall am Kaiser-Wilhelm-Platz Spuren

Polizeibeamte sichern nach dem tödlichen Unfall am Kaiser-Wilhelm-Platz Spuren

Foto: dpa

Berlin. Nach einem tödlichen Verkehrsunfall in Schöneberg rufen Fahrrad-Aktivisten zu einer Mahnwache an der Unfallstelle auf. Sie wollen damit der getöteten 53-Jährigen gedenken, die am Dienstagvormittag an der Kolonnen- Ecke Hauptstraße in Schöneberg von einem abbiegenden Lkw erfasst worden war.

Bezirk Tempelhof-Schöneberg wusste, wie gefährlich die Unfallsstelle ist

Unterdessen zeigt sich, dass dem Bezirk Tempelhof-Schöneberg schon länger bekannt ist, wie gefährlich der Unfallstelle an der Kolonnenstraße für Radfahrer ist. Schon im Juli 2017 warnte die Bezirksverordnetenversammlung (BVV), "Der Angebotsstreifen für den Fahrradverkehr auf der Kolonnenstraße kurz vor der Hauptstraße ist in Wirklichkeit eine gefährliche Unsicherheitszone. Hier ist Gefahr im Verzug."

Als Grund nannten die den Antrag einbringenden Grünen damals, durch den zusätzlichen Radstreifen sei die Autospur Pkw und Lkw zu schmal. Besonders Lkw müssten zwangsläufig den Bereich für Radler mitbenutzen. Als kurzfristige Maßnahme empfahl die BVV dem Bezirksamt, die Fahrradspur zwischen Crelle- und Hauptstraße rot einzufärben. Geschehen ist bisher nichts.

Senatorin Günther verspricht Untersuchungen

Verkehrssenatorin Regine Günther (parteilos) sicherte umfassende Untersuchungen zu. "Wir werden sehr schnell gucken, welche Maßnahmen anzuordnen sind, damit sich so etwas möglichst nicht wiederholt", sagte sie am Mittwoch bei einem Besuch der Unfallstelle. Ausschließen könne man derartige Unfälle aber nie ganz, räumte Günther ein, die für die Grünen im Senat ist. Sie wies auf eine Bundesratsinitiative hin, mit der das Land Berlin anregen will, Lastwagen verpflichtend mit technischen Hilfsmitteln, den sogenannten Abbiegeassistenten, für Notfallbremsungen auszurüsten.

Weißes "Geisterrad" erinnert an die Unfallopfer

Start der Mahnwache, die vom "Volksentscheid Fahrrad", dem Verein "Changing Cities" und dem Netzwerk "Fahrradfreundliches Tempelhof-Schöneberg" organisiert wird, ist am Mittwochnachmittag um 17.30 Uhr. Der Allgemeine Deutsche Fahrradclub (ADFC) Berlin will dort ein weißes "Geisterrad" aufstellen, mit dem an im Berliner Straßenverkehr getötete Radfahrer erinnert werden soll.

"Wir sind erneut traurig und fassungslos wegen des Unfalls. Den Angehörigen der Getöteten sprechen wir unser tiefes Mitgefühl aus", teilte Beate Mücke vom Netzwerk Fahrradfreundliches Tempelhof-Schöneberg mit. Die unübersichtliche Führung des Radverkehrs habe Mitschuld an dem Unfall. "Schon im Sommer wurde beschlossen, dass die Kreuzung sicher gemacht werden soll – doch geschehen ist nichts. Das macht uns wütend und wir fordern, dass dort unverzüglich bessere Schutzmaßnahmen ergriffen werden!", so Mücke.

Aktivisten fordern verpflichtende Einführung von Abbiegeassistenten bei Lkw

Mit der Mahnwache wollen die Organisationen auch protestieren gegen "die fortgesetzte Verzögerung bundes- und landespolitischer Maßnahmen, die den Radverkehr sicherer machen".

Gerade bei von abbiegenden Lastwagen verursachten tödlichen Unfällen wäre die verpflichtende Einführung von Abbiegeassistenten der richtige Schritt, so die Organisatoren. Außerdem müsse über die Einführung einer Mithaftung der Speditionen nachgedacht werden, damit diese zu Investitionen bewegt werden, die die Verkehrssicherheit erhöhen.

"Es ist nicht der einzelne Lkw-Fahrer, der hier die Schuld trägt, sondern das System aus fehlender Schulung, Hektik und schlechter Ausstattung der Fahrzeuge, das die Gesundheit oder das Leben von Menschen leichtfertig zerstört. Speditionen müssen in die Verantwortung genommen werden", so Kerstin Stark vom Volksentscheid Fahrrad.

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