Nord-Süd-Tunnel

Mängel am Bahnhof Potsdamer Platz - Verkehrschaos droht

Die Fernbahn-Station unter dem Potsdamer Platz muss dringend saniert werden. Dadurch droht auch dem Autoverkehr Chaos.

Bei Regen steht auf den Bahnsteigen oft großflächig das Wasser

Bei Regen steht auf den Bahnsteigen oft großflächig das Wasser

Foto: privat / Privat

Berlin. Auf einem der meistbefahrenen Plätze Berlins, dem Potsdamer Platz, droht bald ein Verkehrschaos. Der Grund liegt unter Erde: Weil der wichtige Nord-Süd-Tunnel der Deutschen Bahn undicht ist, muss für die Sanierung ein Teil der Potsdamer Straße gesperrt werden. Bereits seit Jahren dringt in das Bauwerk Wasser ein und bahnt sich seinen Weg bis auf die Bahnsteige des Fern- und Regionalbahnhofs Potsdamer Platz. Nun hat die Bahn die Ursache dafür gefunden.

In dem rund 3,5 Kilometer langen Bauwerk sind mehrere Notausgangsklappen undicht, sodass dort permanent Wasser in den Tunnel eindringen kann. In einigen Betriebsräumen sollen bereits Pumpen stehen, die das Wasser abpumpen. Ein Bahnsprecher bestätigte der Berliner Morgenpost die massiven Mängel an dem erst 2006 in Betrieb genommenen Bauwerk. "Die Problematik ist uns bekannt. Das Wasser durchdringt seit etwa drei Jahren die Decke", sagte ein Bahnsprecher.

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Das Problem ist der Bahn seit Jahren bekannt

Einer der undichten Notausgänge befindet sich am Ende des Bahngleises. Dort tropft das Wasser von der Decke und bahnt sich seinen Weg bis zu den Bahnsteigen. An Regentagen kann das so viel Wasser sein, dass die Bahn Durchgänge am Potsdamer Platz sperren muss.

Ein Antrag für eine Sperrung der Potsdamer Straße sei zurzeit in Bearbeitung, heißt es. Erst wenn dieser genehmigt sei, könne die Sanierung der Notausgangsklappen erfolgen. Geplant ist eine Sanierung noch in diesem Jahr. Welcher Teil der Potsdamer Straße dafür genau gesperrt werden muss, konnte der Sprecher nicht sagen. Da sei man noch in der Abstimmung. "Die Reparaturen können aber nicht über Nacht erfolgen", so der Bahnsprecher weiter.

Der Tunnel Nord-Süd-Fernbahn führt auf einer Länge von 3586 Metern vom Hauptbahnhof bis südlich zum U-Bahnhof Gleisdreieck in Kreuzberg. Er unterquert dabei viergleisig unter anderem den Großen Tiergarten und den Landwehrkanal. In dem Tunnel fahren Regional- und Fernzüge, er ist eine wichtige Verkehrsschlagader für die Strecken nach München, Leipzig, Hannover oder Hamburg. Im Tunnel liegen zudem Teile des Hauptbahnhofs und des Bahnhofs Potsdamer Platz.

Der Verdacht: Pfusch am Bau könnte Schuld sein

Der Tunnel war erst vor zwölf Jahren im Zusammenhang mit der Eröffnung des neuen Hauptbahnhofs in Betrieb genommen worden – und muss schon jetzt an mehreren Stellen saniert werden. Dass es in dem Bauwerk so massive Probleme gibt, legt den Verdacht nahe, dass es sich um Pfusch am Bau handelt.

Fakt ist aber auch, dass der hohe Grundwasserstand in Berlin allen unterirdischen Gebäuden Probleme bereitet: So haben die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) an den U-Bahnhöfen Brandenburger Tor und Wittenbergplatz regelmäßig mit Wasser­-einbrüchen zu kämpfen. Auch die Wasserprobleme am Potsdamer Platz sind nicht neu. Doch lange konnte man die Eintrittsstellen nicht genau lokalisieren. Zwischenzeitlich hatte die Bahn ein Sachverständigenbüro eingeschaltet, um die Probleme zu lösen.

"Wasser ist der größte Feind des Tunnels"

"Wasser ist der größte Feind des Tunnels", sagen Bauexperten. Kann die Feuchtigkeit über Jahre hinweg ungestört in das Bauwerk eindringen, fängt selbst der beste Beton an zu bröckeln. Besonders gefährlich wird es jedoch, wenn die Feuchtigkeit die Pfeiler und Bewehrungen aus Stahl angreift und zum Rosten bringt. Im schlimmsten Fall ist dann irgendwann die Stabilität des gesamten Bauwerks in Gefahr.

Neben hohen Grundwasserständen und nicht qualitätsgerechter Bauausführung kommt in Berlin der schlechte Zustand vieler Straßen hinzu. Durch die zahlreichen Risse und Schlaglöcher in der Fahrbahndecke fließt das Wasser nicht mehr wie gewünscht in die Kanalisation ab, sondern sickert in den Untergrund ein. Zudem rollen immer schwerere Lastkraftwagen über Berlins Straßen, die dadurch ausgelösten Erschütterungen sorgen dafür , dass die Abdichtung der oft nur dicht unter der Straße liegenden Tunneldecken Risse bekommt.

Nord-Süd-Tunnel hat möglicherweise eine Sicherheitslücke

Ein Sprayer ist offenbar unbemerkt in den Tunnel der Nord-Süd-Fernbahn in Berlin eingebrochen. Er wollte angeblich auf ein Sicherheitsleck aufmerksam machen.
Nord-Süd-Tunnel hat möglicherweise eine Sicherheitslücke
Steffan Schäffer

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