Marburger Bund

In Berlins Gesundheitsämtern fehlen Dutzende Ärzte

Aktuell sind im öffentlichen Gesundheitsdienst laut Marburger Bund 500 Stellen nicht besetzt, davon 55 Arztpositionen.

Die seit Jahren bekannte Unterbesetzung im öffentlichen Gesundheitsdienst  hat sich laut Ärztegewerkschaft  zuletzt noch verschärft

Die seit Jahren bekannte Unterbesetzung im öffentlichen Gesundheitsdienst hat sich laut Ärztegewerkschaft zuletzt noch verschärft

Foto: dpa

Berlin ist krank, warnt die Ärztegewerkschaft Magdeburger Bund, und meint den Zustand des öffentlichen Gesundheitsdiensts (ÖGD) in der Hauptstadt. Es kränkelt bei den Leistungen, die über die ambulante Versorgung in den Praxen und der stationären in den Krankenhäusern hinaus geht: Einschulungsuntersuchungen, Gesundheitsberatung, sozialpsychiatrischer Dienst, Hygienekontrollen, Infektionsschutz bei Masern. Schon lange können die Gesundheitsämter in den Bezirken alle diese Aufgaben nicht mehr richtig ausüben.

So seien mittlerweile mehr als 50 Ärztestellen in den Ämtern nicht besetzt, warnt der Marburger Bund. Das entspricht einem Anteil von rund zwölf Prozent – vor vier Jahren waren es nur neun Prozent der Stellen. Die Situation sei „unhaltbar“, heißt es bei der Gewerkschaft. „Wir haben diesen Zustand vor vier Jahren schon mal angemahnt, aber nichts ist passiert“, sagte der Berliner Landesvorsitzende, Peter Bobbert, am Montag. Es fehle an Psychiatern, Kinderärzten und Hygienereferenten.

Insgesamt seien im ÖGD sogar mehr als 500 Stellen nicht besetzt. So mangele es unter anderem auch an Sozialpädagogen und Ergotherapeuten. Die Situation würde vor allem sozial Schwache benachteiligen, die auf die Dienste des ÖGD angewiesen seien. Ein Beispiel: Wenn Ärzte für Einschulungsuntersuchungen fehlen, können Familien eventuelle Fördergelder für ihre Kinder nicht rechtzeitig beantragen.

Es geht natürlich ums Geld. Zwar will der Senat in den kommenden Jahren insgesamt mehr als 400 neue Mitarbeiter einstellen, davon rund 150 Ärzte, doch schon bei den bisherigen Ausschreibungen haben die Gesundheitsämter das Nachsehen. Denn vor allem bei den Ärzten ist der Gehaltsunterschied groß. In den Krankenhäusern verdienen die Mediziner bis zu 1000 Euro brutto mehr im Monat als in den Gesundheitsämtern. Der Senat hatte sich Ende September nach eigenen Angaben in der Tarifgemeinschaft der Länder für eine Angleichung eingesetzt, fand bei den anderen Bundesländern aber keine Mehrheit.

„Ärzte an Gesundheitsämtern leisten ebenso wertvolle Arbeit wie ihre Kollegen an Krankenhäusern“, sagte Gesundheitssenatorin Dilek Kolat (SPD). Man wolle nun Gehaltslücken durch Zulagen schließen – ähnlich wie es bereits in Hamburg praktiziert wird. So arbeitet die Gesundheitsverwaltung derzeit an einer Handreichung für die Bezirke, die Ende Februar vorliegen soll. Damit sollen sie bei Neueinstellungen außertarifliche Zulagen anbieten können, die zu einem gleich hohen Gehalt wie bei den Kollegen in den Krankenhäusern führen. Man werde auf Bundesebene aber weiterhin für einen einheitlichen Tarifvertrag kämpfen, heißt es in der Gesundheitsverwaltung. Die CDU fordert, dass der Senat für mehr Attraktivität auch bei der technischen Ausstattung der Gesundheitsämter nachrüstet.

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