Sicherheit in Berlin

An diesen Berliner S-Bahnhöfen gibt es bald neue Wachen

Am Bahnhof Gesundbrunnen wurde am Montag die erste S-Bahnwache vorgestellt. In vier weiteren Umsteigebahnhöfen sind Wachen geplant.

Am Bahnhof Gesundbrunnen wird es Wachpersonal geben

Am Bahnhof Gesundbrunnen wird es Wachpersonal geben

Foto: Soeren Stache

Berlin. Ein 17-Jähriger demoliert am Sonnabend im Eingangsbereich des S-Bahnhofs Mahlow mutwillig 24 Scheiben. Zwei Tage zuvor wird in einem Zug der S3 ein 40-jähriger Mann festgenommen, weil er ein 24 Jahre altes Mädchen sexuell belästigt hat. Es sind Meldungen wie diese, die dafür sorgen, dass nicht wenige Berliner und Brandenburger ein mulmiges Gefühl beschleicht, wenn sie mit der S-Bahn fahren.

Um das subjektive Sicherheitsgefühl ihrer Kunden zu verbessern, hat die S-Bahn nun ein neues Sicherheitskonzept aufgelegt. Mit ihm wird die Zahl der Sicherheitskräfte, die im gesamten S-Bahn-Bereich täglich unterwegs sind, von 250 auf 340 erhöht. Die Bahntochter erfüllt damit auch eine Forderung des neuen Verkehrsvertrags, der seit Dezember vorigen Jahres gilt. Laut dem Berliner Verkehrsstaatssekretär Holger Kirchner (Grüne) wünschen sich die Länder Berlin und Brandenburg von der S-Bahn darin nicht nur mehr Pünktlichkeit und Sauberkeit in den Zügen sowie zusätzliche Fahrten etwa auf der Ringbahn, sondern auch konkrete Schritte zur Verbesserung der „gefühlten Sicherheit“.

S-Bahn-Wachen sollen rund um die Uhr besetzt sein

Kernpunkt des neuen Konzepts unter der Überschrift „Mehr Präsenz und mehr Sichtbarkeit“ ist dabei die Einrichtung von zunächst fünf „S-Bahn-Wachen“, in denen Sicherheitskräfte zuverlässig erreichbar sind. Am Montag wurde die erste Wache am S-Bahnhof Gesundbrunnen feierlich eröffnet.

Entstehen sollen die Wachen an folgenden S-Bahnhöfen:

  • Gesundbrunnen
  • Westkreuz
  • Ostkreuz
  • Schöneberg
  • Friedrichstraße

Die Wachen sollen „in den kommenden Wochen“ folgen. Ausgewählt wurden die Standorte nach dem Kriterium, möglichst viele Fahrgäste und Züge damit zu erreichen.

Die fünf S-Bahn-Wachen werden rund um die Uhr und an allen Tagen in der Woche mindestens mit zwei Mitarbeitern der Bahntochter DB Sicherheit besetzt sein, versprach der Bahn-Bevollmächtigte für Berlin, Alexander Kaczmarek. am Montag. Und die Sicherheitskräfte sollen sich nicht in den Wachen verstecken, sondern im Bahnhofsbereich gut sichtbar präsent sein. Um sie zu erreichen, müssen Fahrgäste zunächst die Telefonnummer der Sicherheitszentrale der S-Bahn wählen, die in Berlin unter 030 297-51114 erreichbar ist. Später soll es in den entsprechenden Bahnhöfen Rufsäulen geben, an denen ein Knopfdruck genügt, um die Sicherheitskräfte zu erreichen.

Eine Einschränkung macht Jörk Pruss, Sicherheitschef der S-Bahn, jedoch: Besteht Gefahr für Leib und Leben, sollte die Notrufnummer der Polizei 110 gewählt werden. „Das garantiert die schnellste Hilfe“, so Pruss. Diese Empfehlung hängt damit zusammen, dass die Sicherheitskräfte der Bahn in den Stationen zwar das Hausrecht ausüben können, aber weder bewaffnet sind, noch über besondere Befugnisse verfügen. Beim Vorgehen etwa gegen Gewalttäter können sie sich nur auf das in der Strafprozessordnung verankerte Jedermannsrecht berufen, dass erlaubt, einen Verdächtigen bis zum Eintreffen der Polizei festzuhalten.

Um den Sicherheitskräften mehr Autorität zu geben, werden sie öfter als bisher mit einem Hund an der Seite unterwegs sein. Der vor zwei Jahren als Pilotprojekt gestartete Einsatz von „Schutzhunden“ habe sich bewährt, so Pruss. Allein ihre Anwesenheit habe in vielen Fällen Straftaten verhindert. Bis zu 20 speziell ausgebildete Hunde sollen den Sicherheitsteams die Arbeit erleichtern. Weil die Branche boomt, fällt es der S-Bahn bisher allerdings schwer, genügend ausgebildete Hundeführer und geeignete Hunde zu finden.

Sicherheitsausgaben um acht Millionen Euro aufstocken

Teil des neuen Konzepts ist auch, dass die rund um die Uhr besetzte Sicherheitszentrale der S-Bahn nach Schöneweide umzieht. „Dort befindet sich unsere Leitstelle, die am schnellsten mitbekommt, wenn es irgendwo im Netz ein Sicherheitsproblem gibt“, sagte S-Bahnchef Buchner. Insgesamt will die Bahntochter ihre Ausgaben für die Sicherheit um acht Millionen Euro im Jahr aufstocken. Geplant ist auch eine Verdopplung der Begleitfahrten, bei denen Sicherheitskräfte vor allem abends in Zügen mitfahren. Bis zu 17 Doppelstreifen werden schwerpunktmäßig an den Wochenenden eingesetzt. Die Bundespolizei registriert bei der S-Bahn im Schnitt 40 Straftaten pro Tag. Demgegenüber stehen täglich bis zu 1,4 Millionen Fahrgäste.

Der Berliner Fahrgastverband Igeb begrüßt die neuen Maßnahmen. „Das ist ein Schritt in die richtige Richtung“, sagt Igeb-Vorstand Florian Müller. Endscheidend sei jedoch, wie das Konzept in der Praxis umgesetzt werde.

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