Neue Nahrungsmittel

Auf der Grünen Woche ist zu sehen, wie die Zukunft schmeckt

Erstes Wochenende auf der Grünen Woche: Unternehmen zeigen nachhaltige Nahrungsmittel. Fleisch wird in Zukunft zum Auslaufmodell.

Der Kaffee der Zukunft ist auch kalt: Anja Jühe und Benjamin Thies von Philosofee

Der Kaffee der Zukunft ist auch kalt: Anja Jühe und Benjamin Thies von Philosofee

Foto: Reto Klar

In der Zukunft ist der Kaffee kalt und schäumt wie Bier. Benjamin Thies nimmt einen Schluck aus dem braunen Pappbecher. Cold-Brew-Coffee heißt das Getränk in seiner Hand. Die kühle, bernsteinrote Flüssigkeit ist die Alternative zu heißem Filterkaffee, sagt Thies. „Schmeckt nussig-malzig, sehr viel milder und weniger bitter als normaler Kaffee“, erklärt der 29 Jahre alte Berliner den Besuchern auf der Grünen Woche. Gemeinsam mit einem Geschäftspartner hat Thies das Getränk in kleine Fläschchen gefüllt und das Unternehmen Philosoffee gegründet. Jetzt gibt es den kalten Kaffee in Berliner Bioläden. „Künftig werden wir Lebensmittel wieder bewusster konsumieren und mehr Wert auf Qualität legen“, glaubt Thies.

Das ist ein Trend, den auch der Hauptgeschäftsführer der Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie erkannt hat. „Die Branche hat sich neue Ziele gesetzt, die in der Zukunft eine größere Bedeutung spielen werden als bislang“, sagt Christoph Minhoff. Tausende Besucher wagen am Eröffnungswochenende der Grünen Woche in Halle 22a die kulinarische Entdeckungsreise zu den Lebensmitteln der Zukunft. Essen ist künftig aber nicht nur eine Frage des Geschmacks. Denn jenseits des Massenmarktes legen vor allem junge Unternehmen den Fokus auf nachhaltige Lebensmittelproduktion.

Die Kaffeekirsche etwa ist in der Kaffeeproduktion lange Zeit Abfall gewesen. Bastian Muschke und Bastian Senger haben aus den Rohstoffresten eine koffeinhaltige Limonade gemacht. „Momentan achtet die Industrie sehr darauf, den Gewinn zu maximieren. Darum geht es bei uns nicht“, erklärt Senger. Die Ernte für Caté kommt von Kaffee-Farmer Graciano Cruz aus Panama. Der Bauer verkauft das Kaffee-Fruchtfleisch an das Hamburger Unternehmen jetzt zum gleichen Preis wie die Bohne und hat sein Einkommen verdoppelt. Wie viele Lebensmittelproduzenten der jungen Generation bietet Caté seinen Konsumenten einen Handel an: Für 1,59 Euro pro Flasche kaufen die Kunden nicht nur das fruchtige-beerige Getränk, sondern auch ein gutes Gewissen. Bislang hat Caté damit Erfolg. Fast eine Million Flaschen sind bereits verkauft worden.

Neben der Nachhaltigkeit achten die Konsumenten immer stärker auf die eigene Gesundheit. „Der Trend zu kohlehydratarmen und eiweißreichen Lebensmitteln wird weiter zunehmen“, glaubt Phillip Klein, der 2013 Grizzly Snacks gegründet hat. Die junge Firma aus dem Odenwald stellt getrocknetes Fleisch in verschiedenen Geschmacksrichtungen her. „Deutschland ist eine Fleischnation“, sagt Klein. Ein solch herzhafter Snack habe gefehlt. Grizzly Snacks legt Wert auf Qualität: Das Rindfleisch aus der Eifel wird in einer Metzgerei zerlegt, mariniert und im Ofen bei 40 bis 75 Grad getrocknet. Die Fleischstücke sind hart, entfalten ihren Geschmack im Mund erst nach einigen Bissen. „Salzig, fleischig, herzhaft“, sagt Gründer Klein.

EU macht Weg für Insekten auf dem Teller frei

Dennoch wird Fleisch in der Zukunft eher ein Auslaufmodell sein, besagen unterschiedliche Studien – schon allein aus Umweltgründen. Die Produktion verbraucht zu viel Wasser, der CO2-Ausstoß ist hoch. Der Trend zum nachhaltigen Leben dürfte die Suche nach alternativen Eiweißquellen beschleunigen. Insekten rücken deswegen in den Mittelpunkt. Baris Özel schmeißt auf der Grünen Woche runde, braune Burger-Bratlinge aus Würmern in die Pfanne. Zu Jahresbeginn hatte die EU die Zulassung von Lebensmitteln auf Insektenbasis vereinfacht. Bugfoundation will die Wurm-Burger ab April in Restaurants anbieten. Auch mit Supermärkten ist das Unternehmen im Gespräch. An dem Stand von Bugfoundation sind viele Besucher zunächst skeptisch. Doch nach einem Biss in den Bratling legen sich die Stirnfalten: „Schmeckt leicht nussig, ein wenig wie Falafel“, sagt ein Testesser.

Konzerne schauen unterdessen genau auf die Innovationen der kleinen Firmen. „Die Start-ups sind agile Partner, die uns helfen, die Zukunft zu gestalten“, sagt etwa die Deutschland-Chefin von Nestlé, Beatrice Guillaume-Grabisch. Insekten auf dem konzerneigenen Teller schließt die Vorstandsvorsitzende aber zunächst aus.

Öffnungszeiten Die Grüne Woche ist täglich von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Am Freitag, 26. Januar 2018, gelten verlängerte Öffnungszeiten von 10 bis 20 Uhr. Eine Tageskarte kostet 15 Euro.