Virchow Klinikum

Dieser Herz-OP-Saal ist der Stolz der Charité

Die Charité führt die Herzmedizin am Virchow-Klinikum zusammen – und investiert zehn Millionen Euro.

Virchow Klinikum Hybrid OP wird vorgestellt

Virchow Klinikum Hybrid OP wird vorgestellt

Foto: Sergej Glanze / Glanze/Berliner Morgenpost

Berlin. Die Charité hat ihre Herzmedizin am Campus Virchow-Klinikum in Wedding konzentriert. Der Bereich wurde umfassend saniert und modernisiert, dort stehen nun zwei herzchirurgische Operationssäle und ein Hybrid-OP zur Verfügung, außerdem eine Intensivstation mit 15 Betten, eine Überwachungs- und eine Normalstation.

Im Hybrid-OP, dem größten in Deutschland, sind minimalinvasive Eingriffe per Katheter ebenso möglich wie herzchirurgische Operationen – bei Bedarf während eines Eingriffs. Außerdem verfügt er über eine hochmoderne Bildgebungsausstattung. Am Montag kommender Woche sollen Probeläufe im neuen Bereich aufgenommen werden, am Mittwoch soll der reguläre Betrieb starten.

Die Herzmedizin wird nun von einem interdisziplinären Team aus vier Professoren der Kardiologie und der Herzchirurgie geleitet. Diese enge Zusammenarbeit solle „die individuelle und passgenaue Behandlung für jeden Patienten ebenso wie die höchste Sicherheit“ gewährleisten, sagte der Ärztliche Direktor der Charité, Ulrich Frei, am Freitag vor Journalisten. Die Konzentration auf einen Standort sei ein wichtiger Schritt auf dem Weg zum Universitären Herzzentrum. Das Fusionsprojekt von Charité und Deutschem Herzzentrum Berlin (DHZB) wird, wie berichtet, ebenfalls mit dem Campus Virchow als Hauptstandort geplant.

Auch große Operationen gehen mit kleinen Eingriffen

In dem neuen Bereich werde die Kompetenz aus allen drei Kardiologiestandorten der Charité zusammengeführt, erläuterte Ulf Landmesser, Direktor der Klinik für Kardiologie am Campus Benjamin Franklin (Steglitz). Dafür wurde die Abteilung für Herzklappeneingriffe und Herzchirurgie von Mitte nach Wedding verlagert. Dafür zog die Neurochirurgie in umgekehrte Richtung und machte die für die Herzmedizin notwendigen Räume frei.

Rund zehn Millionen Euro hat die neue Herzmedizin am Virchow-Klinikum einschließlich Technik gekostet. Allein 3,5 Millionen Euro flossen in den 85 Quadratmeter großen Hybrid-OP. Dort können Patienten Herzklappen minimalinvasiv per Katheter eingesetzt werden.

„Mit dieser innovativen Tavi-Methode können die Herzklappen ohne die operative Öffnung des Brustkorbs auch bei schwer kranken Patienten mit hohem OP-Risiko schonend und sicher ersetzt werden“, sagte Karl Stangl, Leiter des Tavi-Programms und kommissarischer Direktor der Klinik für Kardiologie am Campus Mitte.

Vier bis sechs Patienten pro Tag können behandelt werden

Der Hybrid-OP wird von allen drei kardiologischen Kliniken als gemeinsame Einrichtung und zusammen mit der Herzchirurgie betrieben. „Das Beste aus zwei Welten“, nannte es Stangl. Er sei zusätzlich mit einem Lokalisationssystem zur Behandlung komplexer und komplizierter Herzrhythmusstörungen ausgestattet, ergänzte Burkert Pieske, Direktor der Klinik für Kardiologie am Virchow-Klinikum. Über Kooperationsvereinbarungen kann er auch von Patienten anderer Kliniken, etwa von Vivantes, dem Unfallkrankenhaus Berlin und Helios genutzt werden.

Tavi-Eingriffe werden in Berlin nun nur noch am Virchow-Klinikum und im benachbarten Deutschen Herzzentrum vorgenommen. Auch das DHZB verfügt über einen Hybrid-OP. Stangl rechnet mit 800 Tavi-Fällen pro Jahr, was Berlin weltweit an die Spitze führen würde. Hinzu kommen jährlich etwa 700 bis 1000 herzchirurgische OPs am Virchow und etwa 3500 im DHZB.

Im neuen Hybrid-OP können vier bis sechs Patienten pro Tag behandelt werden, die Eingriffe dauern in der Regel nur 30 bis 40 Minuten. Da der Raum für Vorbereitung und Überwachung nach dem Eingriff sehr dicht am OP-Saal liegt, seien die Wechselzeiten kurz, sagte Stangl.

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