Folge des BER-Chaos

Flughafengesellschaft streicht 100 geplante Jobs

Weil die Flughafengesellschaft wegen des Chaos am BER sparen muss, werden 100 geplante Stellen nun doch nicht geschaffen.

So sieht die BER-Baustelle von innen aus

Die BER-Baustelle öffnete für einen Presserundgang die Tore. Medienvertreter konnten sich ein Bild vom Fortschritt auf der Flughafenbaustelle machen. Die rund 600 Arbeiter sind vor allem mit Kleinbaustellen am Terminal beschäftigt.

So sieht die BER-Baustelle von innen aus

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Berlin. Im Koalitionsausschuss haben sich die Spitzen von SPD, Linken und Grünen am Mittwoch mit dem Flughafen BER beschäftigt. Die Stimmung sei gereizt gewesen, hieß es von mehreren Teilnehmern. Vor allem die Grünen, aber auch Vertreter der anderen Parteien drängten auf einen „Plan B“, falls die für Oktober 2020 angepeilte Eröffnung doch schiefgehen sollte.

Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup solle Vorsorge treffen, falls Gutachter im Abnahmeprozess weitere Mängel am Hauptterminal finden sollten, forderten die Kritiker. Notfalls solle der Flughafen Leichtbauten aufstellen und den BER ohne den Hauptterminal eröffnen, hieß es.

Politiker fordern „Erstazlösung“ für den BER

Einen solchen Plan hatte der Grünen-Fraktionschef im Bundestag, Anton Hofreiter, schon länger verfochten. Auch der SPD-Flughafenexperte Jörg Stroedter plädiert dafür, mit einer Ersatzlösung auf Nummer sicher zu gehen. Der Flughafenchef hält einen solchen Plan jedoch für unrealistisch.

Auch in der Koalition warnen manche vor einem negativen Signal, das eine solche Alternativ­planung aussenden würde. Gleichwohl wollte Lütke Daldrup dem Vernehmen nach keine Garantie dafür abgeben, dass der Terminal wirklich eröffnen werde.

Eine Entscheidung über einen Plan B traf die Koalition jedoch nicht. Und auch zum Finanzierungskonzept für die bis Herbst 2020 absehbar fehlende knappe Milliarde Euro gab es noch keine Einigung. Der Konflikt zwischen den Koalitionspartnern blieb ungelöst, die Diskussion wurde auf Ende Februar vertagt.

BER-Ausbau soll 2,4 Milliarden Euro kosten

Bis dahin sollen vom Flughafen konkrete Zahlen vorliegen, über die Anfang März auch der Aufsichtsrat entscheiden soll. Die Grünen wenden sich dagegen, dass das Land Berlin zusätzliches Geld in das Projekt gibt, und haben dem Flughafenchef einen umfangreichen Fragenkatalog mitgegeben. Wie es hieß, rechnet die Flughafengesellschaft mit einem Bedarf von 840 Millionen Euro. Davon sollte die Flughafengesellschaft knapp die Hälfte selbst erwirtschaften. Um das zu schaffen, dampft Lütke Daldrup die Expansionspläne ein.

100 Stellen, die eigentlich wegen des wachsenden Passagieraufkommens geschaffen werden sollten, wird es nun nicht geben. Das entlastet das Budget des Flughafens um sechs bis sieben Millionen Euro pro Jahr. Die Koalitionäre erfuhren auch etwas über die Kosten des geplanten BER-Ausbaus nach der Eröffnung. Diese wurden mit 2,4 Milliarden Euro beziffert. Hinzu kommen aber 500 Millionen, die Private am Flughafen investieren, etwa für Hangars oder Verwaltungsgebäude.

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