Kitas aus Fertigteilen

An diesen Standorten sollen "Schnellbau-Kitas" entstehen

Die Kita-Not in Berlin ist groß, der Senat will schnell gegensteuern - mit Kindertagesstätten aus Fertigteilen.

Insgesamt 3000 neue Kita-Plätze sollen durch die modulare Bauweise geschaffen werden

Insgesamt 3000 neue Kita-Plätze sollen durch die modulare Bauweise geschaffen werden

Foto: Monika Skolimowska / dpa

Berlin. Die Hauptstadt erlebt derzeit einen Babyboom wie seit den 60er-Jahren nicht mehr. Außerdem ziehen viele Familien nach Berlin. Deshalb wächst die Zahl der Kinder schneller, als Berlin Betreuungseinrichtungen bauen kann. Um den Rechtsanspruch auf einen Kitaplatz umzusetzen, ist der Senat nun gezwungen, den Kitaausbau zu beschleunigen. Mit modularen Bauten aus Holz sollen in kurzer Zeit 3000 zusätzliche Plätze geschaffen werden.

Geplant seien zunächst 16 dieser Kindergärten aus Fertigteilen, sagte Jugendsenatorin Sandra Scheeres (SPD) am Mittwoch. Fast alle Bezirke hätten bereits Grundstücke dafür ausgewiesen. "Insgesamt wurden 89 Grundstücke genannt, die infrage kommen." Nur Friedrichshain-Kreuzberg habe keine geeigneten Flächen gemeldet, so Scheeres. Dabei sei in diesem Bezirk der Bedarf an Kitaplätzen groß.

Mit der Fertigstellung der ersten sogenannten Modularen Kitabauten (Mokib) ist voraussichtlich Anfang 2019 zu rechnen. Damit beschreite das Land bei Kitas einen ähnlichen Weg wie bei Schulen, sagte Scheeres. Dort seien in den vergangenen Jahren mehr als 70 modulare Gebäude und damit 15.000 zusätzliche Schulplätze geschaffen worden.

Lompscher: Neue Kita-Plätze zu schaffen, ist große Herausforderung

Bausenatorin Katrin Lompscher (Linke) bezeichnete es als große Herausforderung für Berlin, in sehr kurzer Zeit viele Kitaplätze einzurichten. Der Senat habe deshalb beschlossen, 75 Millionen Euro aus dem Investitionsfonds des Landes Berlin für die modularen Bauten bereitzustellen. Ihre Verwaltung habe zwei Wettbewerbe ausgeschrieben, für einen kleinen Bautyp mit 60 Plätzen und einen größeren mit bis zu 150 Plätzen. Der kleinere Bau könne auf 120 Plätze vergrößert, der größere um bis zu 30 Plätze verkleinert werden, sagte Lompscher. Der Baubeginn für die ersten modularen Kita­bauten sei für das vierte Quartal dieses Jahres geplant. Die meisten würden mit nachhaltigen Materialien und in Holzbauweise errichtet.

Laut Scheeres sind unter den 16 Grundstücken einige dabei, die bereits von freien Trägern bewirtschaftet werden. Diese würden dann auch den Zuschlag für die modularen Gebäude erhalten. Für die anderen Neubauten würden Träger gesucht. "Die Gebäude bleiben im Landesbesitz. Die Nutzer zahlen keine Miete, müssen aber für Instandsetzungen aufkommen", sagte Scheeres.

Derzeit gibt es in Berlin 168.000 Kitaplätze. Der Bedarf steigt stetig, da die Stadt wächst. So leben heute laut Senatsverwaltung für Familie 220.000 Kinder im Kitaalter in Berlin und damit 50.000 mehr als noch vor zehn Jahren. In der letzten Legislaturperiode bis 2016 waren rund 30.000 Kitaplätze neu entstanden. Bis 2021 will der rot-rot-grüne Senat weitere 25.000 schaffen, 5000 kamen im laufenden Jahr dazu. Bis Sommer 2018 soll die Gesamtzahl bei 172.000 liegen.

Manche Kitaträger nutzen Räume für andere Zwecke

Scheeres will aber auch an einem anderen Punkt ansetzen: "Wir haben eine große Anzahl genehmigter Plätze, die nicht belegt sind. Und da müssen wir ran", sagte sie. "Da haben wir Reserven, die noch zu aktivieren sind." Im November 2017 waren nach ihren Angaben 6500 Plätze nicht belegt, verteilt über die ganze Stadt. Gründe können etwa Bauarbeiten sein, allerdings nutzten manche Träger Räume auch für andere Zwecke. Das könne nicht so weitergehen. "Wenn wir den Rechtsanspruch gewährleisten wollen, müssen wir hier handeln", so Scheeres.

Christiane Weißhoff, in der Gewerkschaft Bildung und Erziehung für den Kitabereich zuständig, begrüßte zwar das Vorhaben des Senats, schnell mehr Kitaplätze zu schaffen. "Das Problem ist aber, dass Fachkräfte fehlen", sagte sie der Berliner Morgenpost. Es sei zu befürchten, dass mit der Schaffung weiterer Kitaplätze das Fachkräftegebot weiter ausgehöhlt wird. "Woher soll schnell geeignetes Personal kommen, das dem Anspruch der Kita als Bildungseinrichtung gerecht wird?", fragte Weißhoff.

Die Berliner CDU stellte am Mittwoch unterdessen ein Sprinter-Paket vor, um den Schulbau und die Sanierung zu beschleunigen. Die CDU-Fraktion will dies am Donnerstag ins Abgeordnetenhaus einbringen. Darin wird der Senat aufgefordert, eine Reihe von gesetzlichen Änderungen vorzunehmen, um Hürden in den zuständigen Bezirksämtern abzubauen und Planungen schneller voranzutreiben.

Die wahrscheinlichen Standorte für die ersten 16 Schnellbau-Kitas:

  • Mitte: Habersaathstraße 13 (60 Plätze)
  • Pankow: Priesterstege 6 (60 Plätze)
  • Pankow: Eschengraben 49 (120 Plätze)
  • Charlottenburg-Wilmersdorf: Emser Str. 50-52 (150 Plätze)
  • Charlottenburg-Wilmersdorf: Sömmeringstraße 29 (150 Plätze)
  • Spandau: Zu den Fichtewiesen 14 (120 Plätze)
  • Spandau: Gelsenkircher Straße 20 (60 Plätze)
  • Steglitz-Zehlendorf: Kaulbachstraße 57 (60 Plätze)
  • Tempelhof-Schöneberg: Albulaweg 15-19 (60 Plätze)
  • Neukölln: Drosselbartstraße 6 (60 Plätze)
  • Neukölln: Buckower Damm 192 (150 Plätze)
  • Treptow-Köpenick: Otto-Krüger-Zeile 4-6 (60 Plätze)
  • Marzahn-Hellersdorf: Suhler Straße 43/45 (60 Plätze)
  • Lichtenberg: Römerweg 106/112 (120 Plätze)
  • Reinickendorf: Namslaustraße 49 (120 Plätze)
  • Reinickendorf: Rallenweg 2 (120 Plätze)

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