Hochschulfinanzierung

Senat investiert Milliarden in Hochschulen und Charité

Der Senat stockt die Mittel für die Wissenschaft um 764 Millionen Euro auf. So sollen auch mehrere Hundert Stellen geschaffen werden.

Der Berliner Senat stockt die Finanzierung für die Humboldt-Universität und die anderen Hochschulen Berlin deutlich auf (Archiv)

Der Berliner Senat stockt die Finanzierung für die Humboldt-Universität und die anderen Hochschulen Berlin deutlich auf (Archiv)

Foto: Wolfram Steinberg / dpa

Berlin. Mehr Geld für Berlins Wissenschaft: Die Finanzierungsverträge zwischen dem Senat und den elf staatlichen Hochschulen sowie der Charité sind am Dienstag unterzeichnet worden und damit in Kraft getreten. Sie sehen jährliche Budgetsteigerungen von 3,5 Prozent vor.

Insgesamt handelt es sich bei der finanziellen Ausstattung für die Jahre 2018 bis 2022 um ein Volumen von 8,1 Milliarden Euro. Damit gibt das Land Berlin in diesem Zeitraum 650 Millionen Euro mehr an die Wissenschaftseinrichtungen als in der letzten Vertragsperiode sowie 114 Millionen Euro mehr an die Charité.

Charité erhält 246,8 Millionen Euro Zuschuss

Die neuen Hochschulverträge für vier Universitäten und sieben Fachhochschulen haben erstmals eine Laufzeit von fünf statt vier Jahren und bieten damit den Hochschulen eine längere Planungssicherheit. Wegen des verabredeten jährlich Anstiegs der Zuschüsse fließen im Jahr 2022 schließlich 1,4 Milliarden Euro in die Hochschulen, das sind 221 Millionen mehr als 2017. Zudem fördert das Land Sanierung und Neubau von Gebäuden mit 100 Millionen Euro pro Jahr.

Zu diesen Summen kommt das Geld für die Charité. Auch für sie wurde eine jährliche Budgetsteigerung von 3,5 Prozent vereinbart. Im Jahr 2022 steigt der Zuschuss an die Charité somit auf 246,8 Millionen Euro, verglichen mit 207,8 Millionen Euro im Jahr 2017. Auch am Universitätsklinikum werden die Zuschüsse für bauliche Investitionen deutlich erhöht.

Hochschulen verpflichten sich, mehr Wissenschaftler unbefristet anzustellen

Vereinbart wurden auch Verbesserungen für das Personal. So verpflichten sich die Hochschulen, bis 2020 den Anteil der unbefristet Beschäftigten auf mindestens 35 Prozent der Wissenschaftler zu erhöhen. In der Vergangenheit hatte es Kritik an befristeten Kettenverträgen im akademischen Mittelbau gegeben. Zudem wird die Vergütung für Lehrbeauftragte erhöht. Der Stundenlohn steigt von 24,50 Euro je Stunde auf 37,50 Euro im Jahr 2019.

Die Universitäten sollen mehr Lehrer ausbilden. Dafür bekommen sie allein 70 Millionen Euro. Vereinbart wurde, die Zahl der Absolventen von Lehramtsstudiengängen von 1000 auf 2000 Studenten pro Jahr zu erhöhen. Die Universitäten müssen also dafür sorgen, dass mehr angehende Lehrer ihr Studium erfolgreich abschließen.

Fachhochschulen könnten bis zu 200 neue Stellen schaffen

Die Fachhochschulen bekommen bis 2022 rund 28 Millionen Euro zusätzlich für mehr wissenschaftliches Personal. Damit können 180 bis 200 neue Stellen finanziert werden. Für die Universitäten und die Charité wird ein Innovationsfonds eingerichtet, um den Verbundantrag im Exzellenzstrategie-Wettbewerb zu unterstützen.

Im Charité-Vertrag ist unter anderem die Fortführung der Kooperation mit dem Max-Delbrück-Zentrum für Molekulare Medizin (MDC) im Berliner Institut für Gesundheitsforschung (BIG) festgehalten. Ein Zentrum, in dem in Kooperation mit den Berliner Hochschulen und dem MDC Alternativen zu Tierversuchen entwickelt werden, wird mit 8,6 Millionen Euro gefördert. Für die Ausbildung von Pflegefachkräften wird die Charité einen neuen Studiengang einrichten und erhält hierfür insgesamt 7,9 Millionen Euro zugesichert.

Regierender Bürgermeister Müller: Ein großer Schritt nach vorn

Von einem großen Schritt nach vorn sprach der Regierende Bürgermeister und Wissenschaftssenator Michael Müller (SPD) am Dienstag bei der Unterzeichnung der Verträge im Roten Rathaus. Früher sei mit den Hochschulverträgen in erster Linie der finanzielle Mangel verwaltet worden, sagte Müller.

Nun werde Planungssicherheit auf einer soliden Grundlage geschaffen. Wissenschaft und Forschung bekämen eine größere Bedeutung und würden zugleich stärker im öffentlichen Bewusstsein verankert. Von der Wissenschaft in der Hauptstadt Deutschlands werde aber auch erwartet, dass sie Impulse setzt.

Peter-André Alt, Präsident der Freien Universität und Vorsitzender der Landesrektorenkonferenz der Hochschulen, begrüßte die Erhöhung der Finanzmittel und lobte die Unterstützung des Wissenschaftssenators. Die Verträge seien indes kein Ruhekissen, sie enthielten auch Anforderungen, die nun erfüllt werden müssten.

Mehr zum Thema:

Präsident Peter-André Alt verlässt die FU

Gemeinsame Exzellenz-Bewerbung: Ein Risiko für Berlins Unis

Numerus Streikus

© Berliner Morgenpost 2019 – Alle Rechte vorbehalten.