Berlin-Kreuzberg

Erste Fans kampieren schon für den BVG-Sneaker in der Kälte

| Lesedauer: 5 Minuten
Brigitte Schmiemann
Sneaker-Fans warten vor dem Schuhladen in Kreuzberg auf den Verkaufsstart

Sneaker-Fans warten vor dem Schuhladen in Kreuzberg auf den Verkaufsstart

Foto: Jörg Krauthöfer/BVG/Montage: BM

Sneaker-Fans harren in Kreuzberg aus, um am Dienstag ein Paar der BVG-Turnschuhe zu ergattern. Ihnen geht es nicht um das Jahres-Abo.

Berlin. Die BVG-Sneakers, die erst ab Dienstag in zwei Adidas-Läden in Mitte und Kreuzberg verkauft werden, sind begehrt. Bereits seit Sonnabendabend campieren die ersten Fans vor dem Geschäft „overkill“ an der Köpenicker Straße 195a. Damit es dort nicht zu voll wird, haben sie sich am Sonntag gegenüber dem Laden ein Plätzchen gesucht. Dort ist der Gehweg breiter und bietet all denen, die noch kommen werden, mehr Platz. Eingewickelt in Schlafsäcke trotzen die ersten „Campouter“ dort der Kälte. Insgesamt drei Nächte und zwei Tage müssen sie schaffen, bis es Dienstag um 11 Uhr so weit ist und das Geschäft öffnet.

Wie berichtet, verkauft der Sportartikelhersteller Adidas dann in limitierter Auflage von 500 Stück eine Sonderedition seines Sneaker-Modells EQT Support 93. Das Besondere daran: In der Lasche des auf 500 Paar limitierten Modells ist ein Jahresticket der BVG eingenäht. Alles zusammen für 180 Euro. Wer das Ticket nutzt, muss jedoch die Schuhe tragen, außerdem dürfen nur U-Bahn und Busse, nicht die S-Bahn genutzt werden.

Nicht so sehr das BVG-Ticket reizt allerdings die Ersten, die warm eingepackt auf Campingstühlen gegenüber dem Geschäft am Schlesischen Tor ausharren. Der Schuh hat Sammlerwert, er ist etwas Besonderes. Schon weil die Stückzahl limitiert ist. Die Fans gehören zur Sneaker-Community, und die fliegt auch mal nach Barcelona, um ein Angebot zu ergattern, berichten die Wartenden.

„Ich habe eine Jahreskarte, das BVG-Ticket ist nur ein Nebeneffekt“

Damit nicht das Chaos ausbricht, wenn die Wartetraube größer wird, wird informell eine Liste geführt. „Der Erste, der kommt, erstellt sie. Alle paar Stunden gibt es den Check. Der Listenführer kontrolliert, ob alle da sind. Wer nicht da ist, wird rausgestrichen. Die meisten machen das so, für sich selbst, sonst wäre ja absolutes Chaos“, erläutert Luka. Toilettengänge in nahe gelegene Kneipen seien aber erlaubt. Der 30 Jahre alte Weddinger hat sich extra Urlaub genommen. Er ist von Beruf Softwareentwickler. Ihm geht es nicht um das BVG-Jahresticket, er hat eine Jahreskarte.

„Darum geht es den wenigsten, das ist mehr ein Nebeneffekt“, sagt er. Ihm geht es nur um die Schuhe. Sneaker sind seine große Leidenschaft. Er hat 40 Paar. „Und jeder Schuh ist etwas Besonderes“, sagt er. Nicht etwa, dass er sie nicht trägt, das Gegenteil ist der Fall. „Rock them, don’t stock them“, was etwa so viel heißt wie „trag sie, lager sie nicht“ ist sein Motto, das werde in der Sneaker-Community meistens so gehalten. Alicia (15) interessiert sich auch für die Schuhe, aber sie hat am Montag Schule und leistet ihrem Freund Jason (16) nur Gesellschaft. Der sitzt warm eingemummelt auf seinem Campingstuhl und sieht mit den anderen dem Dienstag entgegen. Im Rucksack jede Menge Bananen.

Jason hat sich einen Schnupfen geholt, will aber durchhalten

Allerdings hat sich Jason schon einen dicken Schnupfen geholt. Auch er ist Sneaker-Fan, wie sein Kollege Kevin (16). Beide haben sich freigenommen bei der Arbeit. Jason hat acht Paar Sneaker. „Alle sind aus einer limitierten Edition und hochpreisig“, berichtet er. Als limitierte Ausgabe gelten nach seiner Auskunft Paare, bei denen unter 50.000 in Deutschland hergestellt werden. So habe er ein Paar, das 220 Euro gekostet habe, für das er getragen dann noch um die 600 Euro erhalten könnte.

Für Adidas ist es das erste Mal, dass ein Turnschuh mit einer Jahreskarte verkauft wird. „Wir sind dankbar für die Markentreue und die Leidenschaft der Menschen in Berlin. Die Begeisterung rund um den Sneaker und dessen Entstehungsgeschichte zeigt, welchen hohen Stellenwert wir in der Hauptstadt haben“, sagt ein Unternehmenssprecher am Sonntag auf Anfrage der Berliner Morgenpost. Sie seien sehr zufrieden, wenn das Projekt 500 Menschen glücklich mache. Glücklich macht es auf jeden Fall auch Adidas und die BVG. Für beide Unternehmen ist der Schuh ein Marketing-Gag, der sogar international für Gesprächsstoff sorgt.

Glück erhofft sich dann auch Michel (38) aus Prenzlauer Berg, der ebenfalls zu den ersten Wartenden an der Köpenicker Straße gehört. „Ich will die Kohle, ich bin wegen der Rendite hier“, lacht er. Der arbeitslose Handwerker will mit dem Paar Schuhe sein Glück bei Ebay versuchen und hofft auf hohen Erlös beim Wiederverkauf. Oliver (29) aus Neukölln unterdessen unterstützt die Gruppe mit heißem Tee. Er muss am Montag arbeiten und findet es zu kalt: „Solche Aktionen sind im Frühjahr oder Sommer doch schöner.“

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