Explosiver Brief

Dritte explosive Postsendung - Absender unbekannt

Nach dem Fund der explosiven Sendung in Steglitz fahndet die Polizei in der gesamten Region. Sie warnt vor "brandgefährlichen Tätern".

In einem speziellen Schutzanzug untersuchten die Spezialkräfte die verdächtige Sendung am Freitag an der Schloßstraße

In einem speziellen Schutzanzug untersuchten die Spezialkräfte die verdächtige Sendung am Freitag an der Schloßstraße

Foto: Simone Kuhlmey / picture alliance / ZUMAPRESS.com

Berlin. Am Sonnabend ist auf der Steglitzer Schloßstraße wieder Normalität eingekehrt. Lediglich Reste des rot-weißen Absperrbandes vor der Filiale der Commerzbank erinnerten noch an den Polizeieinsatz vom Vortag: Am Freitagmittag hatte ein Briefträger einen Umschlag mit einem hochexplosiven Gegenstand in der Filiale abgegeben – das Areal wurde abgesperrt, Spezialkräfte waren vor Ort. Knapp 24 Stunden später ist das unter den Passanten aber kaum noch Thema. „Wir waren uns nur unsicher, ob die Bank heute wieder aufhat“, sagt die 17-jährige Larissa. Sorgen würden sie und ihre Freundin Kyra sich nicht machen. Andere Bankkunden, wie Astrid Gerlach, haben zwar davon gehört. „Ich habe beim Reingehen aber gar nicht realisiert, dass es sich um diese Filiale handelt.“

Die explosive Postsendung wurde noch am Freitag ins kriminaltechnische Institut des Brandenburger Landeskriminalamtes in Eberswalde gebracht. Dort wird sie nun von Experten untersucht, mit einem Ergebnis rechnet die Polizei jedoch erst frühestens Anfang der Woche. Für die Ermittler deutet alles darauf hin, dass der Vorfall in Steglitz im Zusammenhang mit den im Dezember 2017 in Potsdam und Frankfurt (Oder) entdeckten Paketbomben steht, mit denen der Logistikkonzern DHL erpresst werden sollte.

„Es gibt Übereinstimmungen bei der Bauart der Zünder und der Zusammensetzung der pyrotechnischen Stoffe“, sagte Torsten Herbst, Sprecher des Brandenburger Polizeipräsidiums am Sonnabend der Berliner Morgenpost. Berichte, wonach es sich bei der in Steglitz entdeckten Substanz um Schwarzpulver handelt, wollte er nicht bestätigen, betonte allerdings, dass die Sendung in Steglitz ebenso wie die in Brandenburg entdeckten Pakete „hochexplosiv“ gewesen sei und im Fall einer Detonation schwerste, wenn nicht gar tödliche Verletzungen hätte hervorrufen können.

220 Hinweise und mehr als 40 verdächtige Pakete

„Irgendwo da draußen rennen ein oder mehrere brandgefährliche Täter immer noch frei herum“, beschrieb Herbst das derzeitig bestehende Risiko für die Bevölkerung. Entsprechend hoch ist der Fahndungsdruck, den die 50-köpfige „Soko Quer“ des LKA Brandenburg aufgebaut hat. 220 Hinweise sind inzwischen eingegangen, jedem einzelnen werde akribisch nachgegangen, betonte Herbst.

Das führt zwangläufig dazu, dass viele Spuren im Nichts endeten. So wurden seit dem Fund in Potsdam am 1. Dezember 40 verdächtige Pakete gemeldet, alle erwiesen sich allerdings als harmlos. In einem Fall war es ein Sex-Spielzeug, ein batteriebetriebener Vi­brator, der die Sprengstoffexperten der Polizei auf den Plan rief. Nach dem neuerlichen Fund hoffen die Ermittler auf weitere Hinweise aus der Bevölkerung, die sie dem Täter näher bringen. Dafür hat die Soko eigens eine Telefonleitung geschaltet. Unter der Nummer 0331- 50 59 50 sind die Ermittler derzeit rund um die Uhr erreichbar.

Die in der Commerzbank an der Steglitzer Schloßstraße von einem Briefträger abgegebene Sendung wird von den Technikern in Eberswalde nicht nur auf ihren explosiven Inhalt untersucht, sondern auch auf eine mögliche versteckte Erpresserforderung. Der in Potsdam entdeckten Paketbombe war eine Nachricht mit einem sogenannten QR-Code beigefügt, der mit einem entsprechenden Handy-Programm im Internet geöffnet werden konnte. Die Botschaft dort enthielt die 10-Millionen-Euro-Forderung an die Adresse der DHL.

Darüber hinaus war aus Ermittlerkreisen zu der Steglitzer Sendung bislang zu hören, dass es offenbar keinen Hinweis auf den Absender gibt. Auch Nägel oder Schrauben, bei einer Detonation tödliche Geschosse, enthielt die Sendung, anders als die Paketbomben in Brandenburg, offenbar nicht.

Alle Sendungen detonierten bisher nicht

Nicht erst seit diesem Freitag stellen sich die Ermittler auch die Frage, warum die Absender in allen drei Fällen zündfähige Sprengsätze verschickten, die nicht detonierten. Fehlende Professionalität der Bombenbastler wird dabei als Grund eher ausgeschlossen. Denkbar ist vielmehr eine Drohung nach dem Motto: „Wir können auch eine Bombe verschicken, die hochgeht, wenn unsere Forderung nicht erfüllt wird“. Torsten Herbst sprach in dem Zusammenhang von reinen Spekulationen, an denen sich die Polizei nicht beteiligen werde.

Auch die Steglitzerin Gina Albrecht bleibt relativ entspannt. „Wir wollten eigentlich schon am Freitag herkommen, aber das ging ja dann nicht“, sagt die 24 Jahre alte angehende Hebamme, kurz nachdem sie in der Filiale Geld abgehoben hat. Den gemeinsamen Shopping-Ausflug mit ihrem Freund Enrico Dudek hätte sie nun einfach auf den Sonnabendnachmittag verschoben. „Das ist natürlich erschreckend, dass hier so etwas passiert.“ Einschüchtern oder sich deswegen in den Alltag einschränken lassen, sei jedoch der falsche Weg. Auch wenn Albrecht wüsste, dass es sich bei der Tat vermutlich nicht um einen Einzelfall handelt.

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