Berlin

Auftakt im Prozess um Gewalt auf dem Alexanderplatz

Angeklagte sollen bewusstlosen Mann getreten haben

Tomasz B. und Grzegorz R. machen am Freitag vor einer Moabiter Schwur­gerichtskammer von ihrem Schweigerecht Gebrauch. Das ist in diesem Fall für die Beweisaufnahme vermutlich keine große Einbuße. Mit hoher Wahrscheinlichkeit wussten die beiden wegen gefährlicher Körperverletzung angeklagten Männer ohnehin nicht mehr, was sie am 13. Mai vergangenen Jahres auf dem Alexanderplatz taten. Bei dem 44-jährigen Tomasz B. wurden nach der Festnahme 3,02 Promille Blutalkohol gemessen. Bei dem 30-jährigen Grzegorz R. waren es sogar 4,87 Promille.

Die Staatsanwaltschaft wirft den beiden aus Polen stammenden Männern vor, an jenem 13. Mai am "Brunnen der Völkerfreundschaft" mit einem anderen Mann zunächst in einen heftigen Streit geraten zu sein. Im Laufe der sich steigernden Auseinandersetzung hätten sie den Widersacher "mit der flachen Hand gegen den Körper und das Gesicht" geschlagen. Als der Mann "wehrlos und bewusstlos am Boden lag", sollen sie ihm "mit ihren beschuhten Füßen mehrere gezielte Tritte gegen das Gesicht und den Kopf" gegeben haben. Das Opfer erlitt eine Nasenbeinfraktur, mehrere Prellungen und blutete stark aus Mund und Nase. Es musste ins Krankenhaus gebracht und dort stationär aufgenommen werden.

Eine Frau alarmierte damals die Polizei. Er habe den Verletzten reglos am Boden liegen sehen, "mit dem Kopf in einer Blutlache", sagte am Freitag ein als Zeuge geladener Polizist. Jemand habe ihn schon mit einer Decke bedeckt. Der Mann habe gestöhnt, aber nicht gesprochen.

Der Fall war zunächst vor dem Amtsgericht gelandet, wurde dort von dem zuständigen Richter aber an ein Schwurgericht weitergereicht. Er ging davon aus, dass geprüft werden müsse, ob es sich angesichts der brutalen Tritte gegen den Kopf auch um ein versuchtes Tötungsdelikt handeln könnte. Gegen Tomasz B. gibt es noch eine zweite Anklage. Er soll zwischen Januar und März 2017 vier Mal in Supermärkten und Discountern Alkoholika gestohlen haben. Offenbar wurde er in diesen Fällen jedesmal erwischt und jedesmal auch wieder auf freien Fuß gesetzt. Der Prozess wird am 19. Januar fortgesetzt.

© Berliner Morgenpost 2018 – Alle Rechte vorbehalten.