Einigung

Berlin bekommt doch noch ein neues Herzzentrum

Deutsches Herzzentrum und die Charité wollen ihre herzmedizinische Kompetenz nun doch bündeln. Der Neubau soll in Moabit stehen.

So könnte der Neubau für das Universitäre Herzzentrum aussehen

So könnte der Neubau für das Universitäre Herzzentrum aussehen

Foto: Charité

Berlin. Nun also doch: Berlin bekommt ein Universitäres Herzzentrum. Dazu vereinen die Charité und das Deutsche Herzzentrum Berlin (DHZB) ihre Einrichtungen der Herz-Kreislauf-Medizin zu einer wissenschaftlichen, klinischen, rechtlichen und wirtschaftlichen Einheit. Diese Leuchtturmeinrichtung soll eine optimale Patientenversorgung gewährleisten, aber auch bei Forschung und Lehre für eine internationale Spitzenstellung Berlins sorgen. Der Regierende Bürgermeister und Wissenschaftsenator Michael Müller (SPD), Charité-Vorstandschef Karl Max Einhäupl und der Ärztliche Direktor des DHZB, Volkmar Falk, haben die Errichtung des Universitären Herzzentrums am Mittwoch bekannt gegeben. Müller sprach von einem „guten Tag für die Stadt, die Berliner und Berlinerinnen und für die Wissenschaft“.

Vor Weihnachten schienen die Verhandlungen gescheitert

Vor wenigen Wochen sah alles noch ganz anders aus. Kurz vor Weihnachten erklärten die Beteiligten die Verhandlungen zu dem Fusionsprojekt für gescheitert und damit für beendet. Es sei „zuletzt keine Einigung in den verbliebenen Fragen der Gesellschafterstruktur erzielt worden“, teilte Wissenschaftsstaatssekretär Steffen Krach (SPD) mit. Der entscheidende Streitpunkt war, wer beim Wirtschaftsplan des gemeinsamen Herzzentrums im Konfliktfall letztlich das Sagen hat. Darauf beharrte die Charité als landeseigener Mehrheitsgesellschafter und wurde in dieser Haltung auch vom Senat unterstützt. Das Deutsche Herzzentrum, eine Stiftung bürgerlichen Rechts, mochte diese Entscheidungsstruktur nicht akzeptieren.

Am Mittwoch übernahm Charité-Chef Einhäupl die diplomatisch heikle Aufgabe, den Sinneswandel zu erläutern. „Wir sind an den Feiertagen alle noch mal in uns gegangen und haben uns gefragt, ob wir diese Chance leichtfertig vergeben können“, sagte er. Die Antwort lautete natürlich „Nein“ und so fanden zwischen Weihnachten und Neujahr weitere Verhandlungsrunden statt, die Staatssekretär Krach moderierte. Einhäupl sprach in diesem Zusammenhang von einem „Weckruf“. Der zeitigte, obendrein noch zügig, positive Wirkung. Einhäupl sprach von einem nun „unumkehrbaren Prozess“.

Gordischen Knoten gelöst

Es wurde festgelegt, dass das Universitäre Herzzentrum in der Rechtsform einer gemeinnützigen GmbH mit eigener Geschäftsführung und eigenem ärztlichen Direktor aufgebaut werden soll. Die Charité hält 51 Prozent der Gesellschafteranteile, das DHZB 49. Der Wirtschaftsplan kann gemäß dieser Mehrheitsverhältnisse entschieden werden, für die Investitionsplanung wird aber ein einstimmiger Beschluss vorgeschrieben – das ist der entscheidende Kompromiss, der offenbar den gordischen Knoten gelöst hat. Nach Informationen der Berliner Morgenpost soll die Senatswissenschaftsverwaltung als Schlichter fungieren, sollte es bei der Investitionsplanung zu einem Konflikt kommen.

Das neue Herzzentrum wird also ein Universitätsklinikum, in dem Charité und DHZB ihre herzchirurgische und kardiologische Expertise ebenso bündeln wie ihre Kapazitäten. „Schwerpunktstandort“ wird der Campus Virchow der Charité in Wedding sein, auf dem auch das DHZB seit 30 Jahren beheimatet ist. Herzmedizinische Behandlungen sollen auch weiterhin an den Charité-Standorten Mitte und Benjamin Franklin (Steglitz) möglich sein, die Herzchirurgie aber komplett nach Wedding wechseln. Insgesamt soll das neue Zentrum über mindestens 500 Patientenbetten verfügen und mehr als 1800 Mitarbeiter beschäftigen. Bislang haben Charité und DHZB rund 400 Betten in der Herzmedizin.

In Wedding ist ein Neubau geplant. Das im ersten Bauabschnitt errichtete Gebäude soll mit fünf OP-Sälen und fünf Herzkatheterlaboren ausgerüstet werden und die gesamte Kardiologie für Erwachsene sowie einen kleinen Teil der Herzchirurgie für Erwachsene aufnehmen. Außerdem wird dort die neue Zentrale Notaufnahme des Virchow-Klinikums einschließlich Rettungshubschrauber-Landeplatz auf dem Dach eingerichtet. Die Kosten für den ersten Bauabschnitt werden auf 110 Millionen Euro geschätzt, davon zahlt das Land Berlin 90 Millionen Euro, das Herzzentrum 20 Millionen.

Gesamtes Projekt dauert sieben bis zehn Jahre

Im zweiten Bauabschnitt sollen dann das Gros der Herzchirurgie für Erwachsene sowie Kardiologie und Herzchirurgie für Kinder untergebracht werden, außerdem die Räume für Forschung und Lehre. Dafür wurden bislang rund 90 Millionen Euro veranschlagt. Volkmar Falk, wie auch andere Experten, sehen die Gesamtkosten für das Projekt aber eher bei 250 bis 300 als bei 200 Millionen Euro. Falk hofft, dass der erste Bauabschnitt in fünf Jahren vollendet ist, das gesamte Zentrum in sieben bis zehn Jahren.

Dann soll Berlin über ein Universitäres Herzzentrum verfügen, das, so erklärte Karl Max Einhäupl, vielleicht nicht das größte in Deutschland ist, aber das innovativste. Die Herzmedizin stehe vor großen Herausforderungen, etwa bei Personalisierung und Digitalisierung der M

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