Prozess in Berlin

Larissa Haase und die Prügelei auf dem Kreuzfahrtschiff

Geldstrafe für DSDS-Sternchen, die auf der Aida andere Passagiere anpöbelte und schlug. Im Prozess legte sie ein Geständnis ab.

Die Angeklagte Larissa Melody Haase und ihr Verteidiger im Kriminalgericht

Die Angeklagte Larissa Melody Haase und ihr Verteidiger im Kriminalgericht

Foto: Michael Mielke

Ob Larissa Melody Haase die Sache als peinlich empfindet, ist nicht zu erkennen. Die 22-Jährige ist stark geschminkt. Im Gerichtsflur trägt sie auch noch eine Sonnenbrille. Zwei Fernsehsender haben Kamerateams geschickt. Viele junge Leute sind als Zuschauer gekommen. Haase ist so etwas wie ein Star, heißt es. Sie sei bekannt durch RTL-Sendungen wie DSDS („Deutschland sucht den Superstar“) und „Adam sucht Eva“.

Am Dienstag hat Haase im Saal 370 des Moabiter Kriminalgerichtes eine andere Rolle. Sie ist die Angeklagte, die am Ende zu einer Geldstrafe von 3600 Euro verurteilt wird. Wegen Körperverletzung, Beleidigung und sexueller Belästigung. Alles geschehen am 10. Februar 2017 gegen ein Uhr nachts auf einem Aida-Kreuzfahrtschiff, das vor Rotterdam ankerte. Tatort war eine Diskothek. Ein Fahrgast sang laut ein Lied mit. Den Ermittlungen zufolge handelte es sich um den Song „Hulapalu“ des Österreichers Andreas Gabalier. Haase soll sich dadurch belästigt gefühlt haben. Sie selbst weiß davon nur noch ansatzweise, sie war stark betrunken. Jedenfalls attackierte sie zunächst den singenden Fahrgast, anschließend dessen Frau, die ihm helfen wollte, und zwei junge Mitarbeiterinnen des Schiffes, die Haase beruhigen wollten. Von Schlägen, Kratzern, Würgen, einem Tritt gegen ein Schienbein und einem ausgerissenen Haarbüschel wird im Anklagesatz berichtet. Erwähnt werden zudem äußerst zotige Schimpfworte und Haases plötzliche Hinwendung zu einer zuschauenden 16-Jährigen: Haase rieb sich an ihr und fasste sie an die Brust.

Anwalt: Mandantin habe „nur noch Erinnerungsinseln“

Weil Haase zu dieser Zeit offiziell in Berlin wohnte, wird in Moabit verhandelt. Vor dem Prozess zitierte eine Boulevardzeitung Haases Anwalt mit den Worten, dass „die Vorwürfe völlig aus der Luft gegriffen“ seien. „Meine Mandantin wurde Opfer einer Intrige.“ Im Prozess selbst stellt sich die Sache dann doch etwas anders dar. Offenkundig hat es sich Haase angesichts zu befürchtender Zeugenaussagen anders überlegt – zumindest in diesem Moment. Ihr Verteidiger trägt eine Erklärung vor und bestätigt die Vorwürfe. Seine Mandantin sei sehr betrunken gewesen und habe „nur noch Erinnerungsinseln“, sagt er.

Haase bestätigt vor Gericht, dass dies ihre Erklärung ist. Umso größer die Überraschung, als sie kurz nach der Urteilsverkündung im Gerichtsflur erklärt, dass die Geschichte so gar nicht stimme. Sie habe das angeblich alles nur zugegeben, um die Sache schnell zu beenden. Doch für Korrekturen ist es zu spät. Haase und auch die Staatsanwältin hatten schon im Gerichtssaal darauf verzichtet, Berufung einzulegen. Das Urteil ist damit rechtskräftig.