Ehrung

Rammstein sind „vorbildliche Denkmalschützer“

Kultursenator Klaus Lederer ehrt die Band bei der Verleihung der Ferdinand-von-Quast-Medaille.

Till Lindemann von Rammstein bei einem Konzertauftritt (Archivbild)

Till Lindemann von Rammstein bei einem Konzertauftritt (Archivbild)

Foto: dpa Picture-Alliance / / picture alliance / Photoshot

Sie sind bekannt für ihre brachiale Musik und feurigen Shows, doch scheinbar liegt der Berliner Rockband Rammstein auch viel am Denkmalschutz. Für die Sanierung und Umnutzung der über 100 Jahre alten Gebäude der VEB Bergmann-Borsig im Industriepark Pankow wurde die Band nun mit dem Berliner Denkmalpreis ausgezeichnet. Diesen verlieh Montagabend im Roten Rathaus der Senator für Kultur und Europa, Klaus Lederer (Die Linke).

Das Staunen über die Bekanntgabe der Band als Preisträger habe er erwartet: „Wir dachten uns schon, dass damit keiner rechnen würde. Doch Rammstein machen nicht nur verdammt gute Musik, sie haben auch als vorbildliche Denkmalschützer zu gelten“, sagte Lederer.

Überraschungsgast ist Keyboarder Christian Lorenz

Auch die Laudatorin Cornelia Reetz von der Denkmalschutzbehörde, die die Band für die Auszeichnung vorgeschlagen hatte, hob die Bereitschaft der Musiker hervor, die Sanierung denkmalgerecht umzusetzen und die dadurch entstehenden Kosten zu tragen.

Überraschungsgast im Wappensaal des Roten Rathauses war Keyboarder Christian „Flake“ Lorenz. Er begleitete den ursprünglich allein angekündigten Manager der Band, Stefan Mehnert. Statt Goldener Platten und internationaler Musik-Auszeichnungen nahm man diesmal nun die Ferdinand-von-Quast-Medaille entgegen.

Der Industriepark Pankow in Wilhelmsruh hat Geschichte. Bereits 1907 errichtete Sigmund Bergmann dort auf einem 76.000 Quadratmeter großen Gelände seine Elektrofabrik, in der elektrische Lokomotiven und Dampfturbinen hergestellt wurden. Nach dem Zweiten Weltkrieg entstand aus dem stark zerstörten Werk der Standort der VEB Bergmann-Borsig, des bedeutendsten Herstellers von Energieanlagen in der DDR.

Noch zwei weitere Projekte ausgezeichnet

„Die meisten Denkmäler sind in Privatbesitz“, sagt Anja Scholtyssek von der Senatskulturverwaltung. Das sei gut so, denn „die Eigentümer sorgen für den Erhalt der Bau- und Gartendenkmale“. Für den Mehraufwand werden die Besitzer vom Senat im Rahmen der finanziellen Möglichkeiten unterstützt. Der Mammutanteil von Sanierungs- und Umbauarbeiten muss jedoch privat getragen werden.

Einige Baudenkmale, wie das Stadtbad Oderberger Straße, werden nach ihrer Sanierung weiter für das genutzt, wofür sie ursprünglich einmal gebaut wurden. Die Gebäude der VEB Bergmann-Borsig dagegen werden inzwischen anders bespielt: Die Musiker nutzen beispielsweise das ehemalige Blechwalzwerk als Lagerhalle für ihr Equipment. Auch die Büros der Rammstein GbR und Merchandising OHG befinden sich in einem der rot verklinkerten Gebäude der Elektrofabrik. Grund für die Standortwahl lieferte die Veranstaltungstechnikfirma Black Box Music GmbH, die auch ihren Sitz auf dem ehemaligen VEB Bergmann-Borsig Gelände hat. Sie stellt der Band eine Halle für Proben.

Neben Rammstein zeichnete Lederer noch zwei weitere Projekte aus. Eine Medaille ging an den Bürgerverein Hansaviertel e.V. für sein langjähriges Engagement für das Hansaviertel als Kernstück der internationalen Bauausstellung in Berlin 1957.

Neues Leben im Stadtbad Oderberger Straße

Die dritte Auszeichnung erhielten Barbara und Hans-Dieter Jaeschke, die das lange leerstehende Stadtbad Oderberger Straße in Prenzlauer Berg denkmalgerecht saniert und im Oktober vergangenen Jahres wieder eröffnet hatten. In seiner Rede begrüßte Lederer ausdrücklich, auf wie unterschiedliche Weise sich die diesjährigen Preisträger für den Denkmalschutz einsetzt haben. „Alle Denkmale erzählen etwas von der Geschichte Berlins.“ Besonders, dass sich Bürgerinnen und Bürger für den Erhalt einsetzten, sei großartig.

Der undotierte Berliner Denkmalpreis wird seit 1987 in Form der Ferdinand-von-Quast-Medaille verliehen. Er würdigt Menschen und Institutionen, die sich um die Denkmalpflege in der Hauptstadt verdient gemacht haben.

© Berliner Morgenpost 2018 – Alle Rechte vorbehalten.