Bildung

Staatssekretärin: Besuch in KZ-Gedenkstätte Pflicht für alle

Die Berliner Staatssekretärin Sawsan Chebli hat vorgeschlagen, einen Besuch im Konzentrationslager für jedermann zur Pflicht zu machen.

Die Berliner Staatssekretärin Sawsan Chebli.

Die Berliner Staatssekretärin Sawsan Chebli.

Foto: Wolfgang Kumm / dpa

Der Besuch einer KZ-Gedenkstätte soll für Deutsche und Migranten gleichermaßen zur Pflicht werden. Das hat die Berliner Staatssekretärin Sawsan Chebli (SPD) vorgeschlagen. „Ich fände es sinnvoll, wenn jeder, der in diesem Land lebt, verpflichtet würde, mindestens einmal in seinem Leben eine KZ-Gedenkstätte besucht zu haben. Das gilt auch für jene, die neu zu uns gekommen sind“, sagte Chebli der „Bild am Sonntag“. Besuche eines früheren Konzen­trationslagers sollten zum Bestandteil von Integrationskursen werden.

Zur dritten Generation muslimischer Einwanderer sagte Chebli, selbst Muslimin und Tochter palästinensischer Flüchtlinge: „Sie tut sich deutlich schwerer mit der Identifikation mit Deutschland als meine. Das hat nicht nur, aber auch etwas mit Diskriminierungs- und Ablehnungserfahrungen zu tun.“ Wenn sich der „emotionale Rückzug“ dieser jungen Menschen verfestige, sei das problematisch, so die 39-Jährige. Deutsche Identität solle sich nicht in Abgrenzung zu anderen definieren. „Wir brauchen eine positive Definition, die alle einschließt.“

Chebli hatte zuletzt im Dezember Muslime aufgefordert, sich gegen Antisemitismus zu engagieren. Deutsche Muslime seien Teil der deutschen Gesellschaft, die noch lange nicht damit fertig sei, die Verbrechen der NS-Zeit aufzuarbeiten. Als Deutsche hätten Muslime damit eine Verantwortung, gegen Schlussstrich-Debatten und Vergessen einzustehen.

Verwunderung bei Senatskanzlei

Mit ihrem per Zeitungsinterview am Sonntag unterbreiteten Vorschlag sorgte Chebli, die als Bevollmächtigte des Landes Berlin beim Bund und Staatssekretärin für Bürgerschaftliches Engagement und Internationales direkt in der Berliner Senatskanzlei angesiedelt ist, indes für Verwunderung. Der Pflichtbesuch einer KZ-Gedenkstätte sei bisher nicht Thema im Senat gewesen und mit der Senatskanzlei nicht abgesprochen, sagte Björn Böhning, Chef der Berliner Senatskanzlei am Sonntag auf Nachfrage der Berliner Morgenpost. „Deshalb kann ich dazu auch nicht mehr sagen“, so Böhning weiter.

Sawsan Chebli wurde 1978 in Berlin geboren, sie wuchs als zweitjüngstes von 13 Kindern in Moabit auf. Erst mit 15 Jahren bekam Chebli den deutschen Pass. Die Eltern waren Analphabeten, Chebli gehörte beim Abitur zu den Jahrgangsbesten. Sie studierte Politik, trat mit Anfang 20 in die SPD ein.

Zuletzt hatte die Berliner Politikerin im Oktober 2017 bundesweit von sich Reden gemacht, als sie sich in die bis heute andauernde Sexismus-Debatte einschaltete. „Unter Schock: Sexismus“, hatte sie auf ihrer Facebook-Seite geschrieben. Ein ehemaliger Botschafter habe sie bei einer Diskussionsveranstaltung nicht als Staatssekretärin erkannt und dies damit erklärt, er habe keine so junge Frau erwartet. „Und dann sind Sie auch so schön“, soll er zu ihr gesagt haben. Später sagte sie, sie habe mit dem Post eine Debatte anstoßen wollen.