Soziales

Viermal mehr wohnungslose Menschen in Berliner Unterkünften

Die Zahl der Menschen, die von den Behörden mit einem Platz versorgt wurden, hat sich zwischen 2013 und 2016 fast vervierfacht.

Betten sind in Berlin in der Kältehilfe für Obdachlose bereitgestellt.

Betten sind in Berlin in der Kältehilfe für Obdachlose bereitgestellt.

Foto: dpa

Berlin. In Berlin gibt es immer mehr Menschen ohne Wohnung: Die Zahl der Hauptstädter, die von den Behörden mit einem Platz zum Leben versorgt wurden, hat sich zwischen 2013 und 2016 fast vervierfacht. Brachten die Ämter 2013 noch 7826 Menschen in Notunterkünften, Heimen oder anderen Quartieren unter, waren es Ende 2016 bereits 30 718, teilte die Senatsverwaltung für Soziales am Freitag mit. Inzwischen schätze er die Zahl der kommunal oder ordnungsrechtlich untergebrachten Menschen auf rund 50 000, sagte Alexander Fischer, Staatssekretär für Arbeit und Soziales (Linke).

Gründe dafür seien der enge Markt für bezahlbare Wohnungen sowie der Zuzug aus EU-Ländern in Krisen. Es gebe auch mehr Obdachlose als früher. Bereits 2016 waren unter den Menschen ohne Wohnung rund 12 000 Flüchtlinge, deren Asylantrag positiv beschieden wurde. So lange sie in Berlin keine Wohnung finden, die sie sich leisten können, sind die Jobcenter und Bezirke für ihre Unterbringung zuständig.

Alle Wohnungslosen seien in diesen Zahlen noch nicht einmal erfasst, sagte Fischer. Es gebe auch Menschen, die ohne eigene Bleibe bei ihrer Familie oder Freunden Unterschlupf fänden oder freiwillig auf der Straße lebten.

Berlin hat die Mittel für die Wohnungslosenhilfe nach Angaben des Sozialsenats in diesem Jahr von 4,2 Millionen Euro auf 8,1 Millionen Euro fast verdoppelt. Damit sollen Notübernachtungen und Hygiene-Angebote ausgeweitet werden. Weitere 1,5 Millionen Euro stehen für Modellprojekte bereit.

"Müssen alle gemeinsam Verantwortung übernehmen"

Berlins Sozialsenatorin Elke Breitenbach (Linke) erklärte dazu am Freitag in einem Pressegespräch: "Alle, die in der Wohnungslosenhilfe Verantwortung tragen, stehen mit dem Rücken zur Wand." Man habe zwar ein gutes Hilfesystem in Berlin, doch die Hilfe komme nicht überall an. Außerdem steige die Zahl der Wohnungslosen stetig. Grund sei vor allem der Mangel an bezahlbarem Wohnraum, aber auch der Zuzug von Flüchtlingen, die oftmals ebenfalls keine Wohnung finden würden und untergebracht werden müssten.

Breitenbach will deshalb zusammen mit Wohlfahrtsverbänden und Bezirken ein Wohnungslosenkonzept erarbeiten. Auftakt ist eine Strategiekonferenz am 10. Januar, auf der die von ihr entwickelten Leitlinien zur Wohnungslosenhilfe mit Experten diskutiert werden sollen. "Wir sind an einem Punkt angelangt, an dem wir alle gemeinsam Verantwortung übernehmen müssen", sagte die Senatorin. Sie will deshalb ein gesamtstädtisches Konzept erarbeiten, um die Obdachlosenhilfe zu verbessern. Außerdem soll eine Obdachlosenstatistik in Zusammenarbeit mit der Alice-Salomon-Hochschule erarbeitet werden. "Momentan können wir nicht sagen, wie viele Menschen tatsächlich auf der Straße leben."

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