Spremberg

Schokoladenträume

Womit Brandenburger Produzenten punkten: Goedele Matthyssen hat Erfolg mit süßen, regionalen Souvenirs

Spremberg. Den Tipp bekam Goedele Matthyssen von ihrem Großabnehmer aus Burg (Spreewald). Der erzählte der gebürtigen Belgierin, die seit 1992 mit ihrem Mann in Spremberg die Confiserie Felicitas führt, vom Jungunternehmer Christian Namysko aus Cottbus. Erst seit Kurzem betreibt Namysko eine Kaffeerösterei in der Lausitzstadt. "Wenn auch die Bohnen nicht aus Brandenburg stammen, so werden sie hier doch verarbeitet und veredelt – und das in besonders hoher Qualität", davon hat sich Matthyssen persönlich überzeugt. Die Geschäftsfrau fackelte daher nicht lange und kreierte mit dem Newcomer unter dem Label "Lausitzer Aromafusion" eine neue "Kaffeelade" und eine Trinkschokolade. Erstmals vorstellen wollen die beiden das Ergebnis ihrer Zusammenarbeit auf der "Grünen Woche" im Januar in Berlin – "und es als Aushängeschild für die Lausitz und das Land Brandenburg einsetzen".

"Ich verstehe mich als Botschafterin Brandenburgs", sagt die Unternehmerin. Weshalb sie in dem Imagefilm, mit dem sie für ihre Schokoladenmanufaktur wirbt, auch gezielt Hinweise auf Sehenswürdigkeiten in der Lausitz gibt: Süße Souvenirs wie die 19 Zentimeter hohe Pückler-Büste und des Fürsten Pyramide aus Schokolade sollen Touristen in die Kulturlandschaft locken. Ihre grüne Schokoladengurke, mit der sie auf das kulinarische Markenzeichen des Spreewaldes verweist, hat es sogar schon ins Kölner Schokoladenmuseum geschafft. Mit dem Lausitzer Wolf aus Schokolade, der im Präsentpäckchen mit dem "Wolfshügel"-Wein eines regionalen Anbieters verschickt wird, hat sie einen bundesweiten Verkaufsschlager gelandet.

Sich selbst zu vermarkten, auch für Mitstreiter zu werben und das Interesse für Brandenburg zu wecken, ist nicht nur Matthyssen ein Anliegen. Firmen wie die Neuzeller Klosterbrauerei oder die Werder Frucht GmbH tun es ihr längst gleich. So macht die vermutlich älteste märkische Manufaktur mit ihrem "Schwarzen Abt" auch auf die Klosteranlage in Neuzelle aufmerksam, wo Mönche bereits 1416 Hopfen und Malz zum süffigen Getränk zu verarbeiten wussten und 2017 wieder Ordensmänner eingezogen sind.

Auch der Brauereichef setzt auf Kooperation

Brauereichef Stefan Fritsche hat sich zudem in der Region umgetan, geschaut, womit Landwirte und Obstbauern in seiner Umgebung punkten – und auf Kooperationen gesetzt. Die Folge: Spargel-, Kirsch- oder Kartoffelbier sind nun fester Bestandteil des Biersortiments aus Neuzelle. Nicht ohne wirtschaftliches Kalkül: "Der Gesamterfolg einer Region wird vom Erfolg aller bestimmt – und das steigert auch wieder den eigenen", sagt Fritsche.

Eine Denkweise, die in Brandenburg nicht selbstverständlich sei, meint der Berliner Thomas Skorloff. Der Inhaber des Spezialitätengeschäftes "Brandenburgerie" sieht Nachholbedarf gerade bei kleinen Produzenten, wenn es um Synergieeffekte oder das gemeinsame Vermarkten einer Region geht. Seit Oktober 2016 hält Skorloff "das Fähnchen Brandenburgs in Prenzlauer Berg hoch". Unter der Devise "natürlich, saisonal, regional" bietet er alles, was Genuss verspricht und in Brandenburg produziert wird, in seinem Laden in der Sredzkistraße an. Und erlebt immer wieder, dass seine Kunden "zwar neugierig, aber vielfach ahnungslos" seien, wenn es um märkische Erzeugnisse geht. "Anfangs bezweifeln viele Konsumenten, dass der hochwertige Apfel-Crémant, der Ziegenkäse, der grobkörnige Senf, Wein, Gin oder Whiskey tatsächlich fast vor ihrer Haustür hergestellt werden."

Der Zeitgeist beflügelt den Trend nach Regionalität

Was Skorloff bemängelt: "Viele Produzenten erkennen aus Neid oder Angst vor Konkurrenz nicht die Chance gemeinsamer, vor allem moderner Marketingstrategien. Sie agieren lieber als Einzelkämpfer." Und das, wo der Zeitgeist ihnen doch in die Hände spiele. "Parallel zur Globalisierung wächst die neue Sehnsucht nach Heimat, der Trend nach Regionalität und Erdverbundenheit", bestätigt der Chef der brandenburgischen Staatskanzlei, Thomas Kralinski. Er sieht die Positivbeispiele: "Viele märkische Unternehmer setzen sich für Schulen, soziale Einrichtungen, Sportvereine und Stiftungen ein und werben mit ihren Produkten für ihr Umfeld." Doch auch Kralinski hofft, dass noch mehr Firmen "Verantwortung für ihre Heimatregion übernehmen". Was Brauereichef Fritsche nicht schwerfällt. "Wer als Zugezogener nach Brandenburg kommt, hat den Vorteil, besonders aufgeschlossen für neue Ideen zu sein", sagt er. Sich im In- und Ausland inspirieren zu lassen, sei heute wichtig. Neue Wege zu gehen und sich gegenseitig zu stützen, ist auch das Konzept der Werder Frucht GmbH. Als Unternehmensgruppe mit 700 Mitarbeiterin und 250 Millionen Euro Jahresumsatz zählt der Produzent und Vermarkter von frischem Obst und Gemüse in Brandenburg zu den Großen der Branche. Den Blick für die "Kleinen" im Geschäft" habe die Unternehmensgruppe dabei nicht verloren, betont Sebastian Schornberg, Mitglied der Geschäftsleitung.

© Berliner Morgenpost 2018 – Alle Rechte vorbehalten.