Berlin

Streit um Pflichtfach Politik

Fachlehrer der Gesellschaftswissenschaften fordern mehr Unterrichtsstunden

Der Streit um ein verpflichtendes Schulfach Politik in der Mittelstufe geht in die nächste Runde: In einem offenen Brief sprechen sich die Fachlehrerverbände für die Fächer Geschichte, Geografie, Ethik, Philosophie sowie der Philologenverband gegen eine von der Verwaltung vorgeschlagene Kontingentlösung aus.

Nach dem Kontingent-Modell würden nach Angaben der Verbände alle Stunden für die Fächer Geschichte, Geografie und Politik gebündelt werden. Die Unterzeichner des offenen Briefs warnen davor, alle Gesellschaftswissenschaften in einem Topf zusammenzufassen und den Schulen freie Hand bei der Ausgestaltung zu lassen: „Die angedachte Kontingentlösung, bei der die Stundenzahl für die Fächer Geografie, Geschichte und politische Bildung summarisch und ohne konkrete Fachzuweisung pro Schuljahr ausgewiesen ist, führt dazu, dass jede Schule selbst entscheiden wird, ob und im welchem Umfang die drei Fächer in welchem Schuljahr unterrichtet werden“, heißt es in dem Brief. Jeder Schulwechsel werde damit erheblich erschwert.

Die Verbände unterstützen dagegen eine Erhöhung der Stundentafel für ein eigenständiges Fach Politik, indem an anderer Stelle gekürzt wird. Wo dafür Stunden weggenommen werden könnten, sagen die Unterzeichner nicht. Eine Kürzung in einem ihrer Fächer schließen sie jedoch kategorisch aus. An den Gymnasien müssten die Gesellschaftswissenschaften um eine halbe Unterrichtsstunde aufgestockt werden, an den Sekundarschulen wäre eine ganze Unterrichtsstunde mehr nötig. „Berlin steht bei der Anzahl der Stunden für Gesellschaftswissenschaften bundesweit an der absoluten Untergrenze“, sagt Dankfried Gabriel vom Fachverband Ethik Berlin.

Seit Jahren fordert der Landesschülerausschuss ein Pflichtfach Politik. Auch die rot-rot-grüne Koalition unterstützt die Forderung. Mehr Unterrichtsstunden wollen die Schülervertreter nicht. Mehrmals haben die Verbände und Schüler hinter verschlossenen Türen getagt. Konsens ist: Ab dem Schuljahr 2018/2019 soll es eine separat ausgewiesene Stunde für das Schulfach Politische Bildung geben, verbunden mit einer eigenen Zeugnisnote. Eigentlich sollte es bereits im vergangenen Herbst eine Einigung geben. Die Bildungsverwaltung verweist darauf, dass verschiedene Möglichkeiten diskutiert würden. Noch im Januar will sich Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) mit dem Landesschülerausschuss dazu treffen.

Bisher ist Politische Bildung in den Klassen 7 bis 10 Bestandteil des Faches Geschichte, macht dort aber nur nein Drittel aus und erscheint deshalb auch nicht auf dem Zeugnis. Die Schülervertreter kritisieren, dass Politik dadurch häufig unter den Tisch fallen würde.