Entchristianisierung

Nur noch 25 Prozent Christen in Berlin

Die beiden großen christlichen Kirchen verlieren in der Hauptstadt weiter an Boden. Dagegen steigt die Zahl der Muslime in Berlin.

Die beiden großen christlichen Kirchen verlieren in Berlin weiter an Bedeutung

Die beiden großen christlichen Kirchen verlieren in Berlin weiter an Bedeutung

Foto: Friso Gentsch / dpa

Nur noch ein Viertel der Berliner Einwohner gehört einer der beiden großen christlichen Kirchen an. Die evangelische Kirche kam Ende 2016 auf einen Anteil von 15,9 Prozent an der Bevölkerung. Bei den Katholiken waren es neun Prozent. Das geht aus einer am Donnerstag veröffentlichten Antwort des Senats auf eine parlamentarische Anfrage der Linken hervor. Vor zehn Jahren lag der Anteil der evangelischen und katholischen Kirchenmitglieder noch zusammen bei 30 Prozent.

Die Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO) hatte Ende 2016 trotz des Zuwachses der Hauptstadt auf knapp 3,7 Millionen Einwohner nur noch 584.731 Mitglieder. Zehn Jahre zuvor gab es noch fast 700.000 Protestanten (20,5 Prozent der Einwohner). Im Erzbistum Berlin lag die Zahl der Katholiken vor einem Jahr bei 331.431. In den vergangenen Jahren blieb diese Größenordnung weitgehend konstant. Im Vergleich zu 2007 gab es sogar einen Zuwachs von 13.000 Menschen. Möglicherweise profitierte die katholische Kirche von Menschen aus katholischen Ländern wie Polen, Spanien, Frankreich und Italien, die nach Berlin kamen.

Bei der Evangelischen Kirche gibt es immer weniger Taufen und Eintritte in die Kirche. 2016 waren es knapp 4000, vor zehn Jahren noch 5700. Gleichzeitig verließen 2016 knapp 8700 Menschen die Kirche, weil sie starben oder austraten. Bei den Katholiken gibt es jedes Jahr etwa 2000 Taufen oder Eintritte. Die Todesfälle und Austritte lagen zuletzt hingegen bei etwa 5000 – kompensiert wurde der Verlust wohl durch Zuzüge nach Berlin.

Die Zahl der Muslime in Berlin ist schwieriger festzustellen, weil es im Islam keine klassische Kirchenmitgliedschaft gibt, die über die Registrierung beim Finanzamt und das Zahlen von Kirchensteuern erfasst wird. Geschätzt wird, dass etwa neun Prozent Muslime in der Hauptstadt leben – mit wachsender Tendenz.

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