Insolvente Airline

Niki-Verkauf droht nach Fluggastportal-Beschwerde zu platzen

Das Fluggastportal Fairplane will das Insolvenzverfahren der Airline nach Österreich verlagern. Der Niki-Verkauf könnte scheitern.

Ein Flugzeug der Fluggesellschaft Niki

Ein Flugzeug der Fluggesellschaft Niki

Foto: Hauke-Christian Dittrich / picture alliance / Hauke-Christi

Das österreichische Fluggastportal Fairplane könnte den Verkauf der insolventen Air-Berlin-Tochter Niki an die IAG-Tochter Vueling platzen lassen. Fairplane habe Beschwerde gegen das laufende vorläufige Insolvenzverfahren am Amtsgericht Charlottenburg eingereicht, sagte Fairplane-Sprecher Ronald Schmidt am Mittwoch der Berliner Morgenpost. Gleichzeitig sei ein Insolvenzantrag für Niki beim österreichischen Landesgericht Korneuburg gestellt worden.

Fairplane halte ein deutsches Gericht für nicht zuständig, da sich der Hauptsitz der Airline in Wien befinde, erklärte Schmidt. Zudem sehe Fairplane einen Interessenskonflikt, wenn die Verfahren von Air Berlin und Niki in einer Hand lägen, so Schmidt. Das Amtsgericht Charlottenburg teilte mit, am Donnerstag entscheiden zu wollen, ob es der Beschwerde stattgibt oder das Verfahren an das Landgericht Berlin weiterleitet.

Der Verkauf droht zu Platzen

Ein Stopp des Verfahrens in Deutschland könnte weitreichende Folgen haben. Erst in der vergangenen Woche teilte der Luftfahrtkonzern IAG mit, Niki mit seiner spanischen Tochter Vueling für 20 Millionen Euro kaufen zu wollen. Zuvor hatte der Billigflieger auch zugesagt, zunächst den Betrieb weiter zu finanzieren. Dafür stellt Vueling bis zu 16,5 Millionen Euro bereit. Der Deal droht zu platzen, sollte das Amtsgericht Charlottenburg der Fairplane-Beschwerde stattgeben und das reguläre Insolvenzverfahren in Österreich eröffnet werden.

Ein Sprecher des vorläufigen Niki-Insolvenzverwalters Lucas Flöther warnte vor diesem Schritt. Zwar hätte das österreichische Verkehrsministerium erst am Dienstag die Betriebserlaubnis von Niki verlängert, aber nur unter der Voraussetzung, dass Vueling den Betrieb weiter finanziere, so der Sprecher. Springe die IAG-Tochter ab, gingen auch Start- und Landerechte verloren. "Dann gibt es nichts mehr zu verkaufen."

Fairplane: In Österreich könnten Passagier-Ansprüche besser durchgesetzt werden

Fairplane begründete den Schritt auch damit, dass mit einem Verfahren in Österreich die Ansprüche Tausender geschädigter Passagiere besser durchgesetzt werden könnten. Fairplane habe Forderungen von Niki-Fluggästen von mehr als einer Millionen Euro vorliegen, sagte Sprecher Schmidt. Wo das Insolvenzverfahren stattfinde, sei völlig unerheblich, betonte hingegen ein Sprecher von Insolvenzverwalter Flöther. Jedes Niki-Ticket sei über das Buchungssystem von Air Berlin erworben worden.

Etwaige Forderungen von Niki-Fluggästen müssten deshalb bei Air Berlin angemeldet werden. Kunden, die nach dem 15. August gebucht haben, bekommen ihr Geld ohnehin zurück: Nach der Air-Berlin-Pleite waren die Ticketgebühren auf ein Treuhandkonto geflossen.

Bereits im Sommer gab es ein Insolvenzbegehren gegen Niki

Ein erster Insolvenzantrag gegen Niki war bereits im Sommer von einem Reisebüro gestellt worden. Nachdem Niki die Zahlung beglichen hatte, lehnte ein Gericht das Verfahren allerdings ab. Jetzt muss das Amtsgericht Charlottenburg über den weiteren Verlauf des Niki-Insolvenzverfahrens entscheiden. Das sei komplex, sagten Rechtsexperten. Das Gericht müsse zwischen verschiedenen Sichtweisen abwägen: Einerseits sei Wien der Sitz von Niki. Andererseits seien für die Air-Berlin-Tochter wesentliche Entscheidungen in Berlin gefällt und sogar Flugzeuge in der deutschen Hauptstadt stationiert worden. Ticketbuchungen seien zudem über Air Berlin gelaufen.

Derweil geht ein kleiner Teil der insolventen Air Berlin nun doch an Thomas Cook. Die Briten übernehmen das Tochterunternehmen Air Berlin Aviation GmbH, wie Air Berlin am Mittwoch mitteilte. Die Gesellschaft befindet sich noch in Gründung und besitzt bislang keine Flugzeuge. Sie soll aber in Kürze eine Genehmigung für den Flugbetrieb erhalten und sechs Flugzeuge an den Start bringen, die im Sommerflugplan für die deutsche Thomas-Cook-Airline Condor unterwegs sein sollen. Thomas Cook überweist nach Angaben eines Insiders einen mittleren einstelligen Millionenbetrag.

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