Rösler in Spandau

Berlins älteste Bäckerei ist Herthas Brötchenlieferant

Seit 140 Jahren wird in der Familie Rösler gebacken. Der Betrieb aus Spandau ist Berlins älteste Bäckerei.

Für Geschäftsführer Andreas Rösler (l.) arbeiten 60 Angestellte

Für Geschäftsführer Andreas Rösler (l.) arbeiten 60 Angestellte

Foto: Massimo Rodari

Berlin. Das Schwarzwälder Landbrot duftet verführerisch. Handgemachte Dominosteine und Honigkuchen sind appetitlich aneinandergereiht. Bleche voller Leckereien, gefüllt mit Eclair, Bienenstich und Eierschecke, stechen gleich ins Auge. Der Klassiker der Bäckerei Rösler – Apfel-Bauern-Kuchen – geht sowieso immer. Die ältesten verwendeten Rezepte stammen aus dem Jahr 1890. Doch das Familienunternehmen gibt es noch viel länger. Mit stolzen 140 Jahren sind die Röslers Berlins älteste Bäckerei. "Gegründet wurde der Betrieb 1878 von meinem Urgroßvater Leopold im heute polnischen Schwiebus", erzählt Bäckermeister und Geschäftsführer Andreas Rösler. Mit 60 Angestellten verarbeitet er im Jahr rund 180 Tonnen Mehl. Das herrliche Ergebnis sind 23 Brotsorten und etwa 80 verschiedene Kuchen. Gerade holten die Röslers Goldmedaillen für ihre Mohn- und Rosinenstollen in einem Wettstreit der Deutschen Landwirtschaftsgesellschaft. Ende 2017 sorgte ein 44 Meter langer Rekord-Christstollen zur Eröffnung des Spandauer Weihnachtsmarktes für Aufsehen.

Seine typischen Berliner Schrippen dürften auch viele Fußballfans kennen – ohne es zu wissen. Denn der Traditionsbetrieb beliefert bis zu 40 Imbissstände im und am Olympiastadion mit Brötchen. Bei einem normalen Bundesligaspiel von Hertha BSC seien das um die 15.000 Schrippen. Bei Europapokalspielen oder anderen wichtigen Events kommen noch einmal bis zu 8000 Stück der Backware dazu. "Die Brötchen schneiden wir sogar alle auf", betont der Bäckermeister. Hertha-BSC-Fan sei er allerdings nicht, schmunzelt Rösler, dessen Stammhaus an der Falkenseer Chaussee nur einen Katzensprung von der brandenburgischen Landesgrenze entfernt liegt.

Einige Zutaten und Früchte für Obstkuchen kommen aus der Mark, die Kundschaft unter anderem aus Hennigsdorf und Falkensee. Er sei sozusagen der Falkenseer Bäcker, aber eben in Spandau, scherzt der Mittfünfziger.

Zu Röslers Pensum zählt auch das Ehrenamt als Richter am Arbeitsgericht sowie die Tätigkeit als Meisterprüfer seiner Branche. Fit hält sich der Spandauer durch Mittags- und Abendschlaf. Dass sein Wecker mitten in der Nacht klingelt, sieht man Andreas Rösler nicht unbedingt an. Besonders müde wirkt er im Gespräch nicht. Ganz im Gegenteil: Das Unikum plaudert frei von der Leber weg über seinen abwechslungsreichen Beruf, die eigene Verantwortung fürs Handwerk und von Spekulatiuskeksen, die im eigenen Haus immer noch wie anno dazumal hergestellt würden.

Dinkel- und Chiabrot nur, weil es sein muss

Das Geheimnis seines Backerfolges: "Wir stellen nur das her, was wir auch selber essen würden." Auf dem leckeren Brot vom Vortag dürfe man sich als Bäcker nicht ausruhen, mahnt der Familienvater. Große Experimente sind bei den Röslers tabu. "Ich wüsste auch nicht, was ich anders machen sollte", zuckt der Chef mit den Schultern. Zwar gebe es in den acht Filialen mittlerweile auch Dinkel- und Chiabrot, doch Anbiederung an den Zeitgeist ist offenbar nicht Röslers Ding.

Was gibt's noch zu berichten von der ältesten Bäckerei Berlins? Dass Röslers Vater Ortwin mit seinen 87 Lebensjahren immer noch im Betrieb mitmischt, die Firma auch eigene Nudeln herstellt und Sohn Tobias kürzlich die Meisterprüfung bestand. Damit tritt wohl irgendwann die fünfte Generation der Bäckerei Rösler an.

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