Reiseführer

Ungewohnte Blicke in Berlins Vergangenheit

Ein neuer Reiseführer führt an 40 legendäre Orte der Hauptstadt. Im Fokus steht auch das Alltagsleben der Berliner.

Foto: Via Reise Verlag

Reiseführer für Berlin gibt es viele. Die meisten davon haben eine kurze Halbwertzeit, weil die Stadt ständig im Wandel ist und die Liste der angesagten Plätze daher ständig neu geschrieben werden muss. Anders ist das bei dem neuen Begleiter im Taschenformat "Legendäres Berlin", geschrieben von der Journalistin Elisabeth Schwiontek. Er bietet keine Hotel- oder Restauranttipps, dafür führt er auf die Spuren der Vergangenheit. 40 Orte in der Stadt werden hier präsentiert, viele sind bekannt, aber es werden auch etwas weniger Plätze und ihre Geschichte beschrieben. Im Fokus stehen nämlich nicht nur die großen Ereignisse, die die Stadt geprägt haben, sondern auch das Alltagsleben der Menschen, das sich meist woanders abspielte als die große Politik.

So wird der Schlossplatz als Brennpunkt deutscher Geschichte, der Molkenmarkt als mittelalterliches Zentrum oder der Potsdamer Platz als Symbol des Umbruchs genauso dargestellt wie das Haus, in der die Kommune 1 entstand, das erste besetzte Haus in Kreuzberg, das Lokal, in dem Alfred Döblin die Stadt beobachtet hat oder der Plänterwald, wo einst der größte Vergnügungspark der DDR stand.

Nützlich, wenn auswärtiger Besuch ins Haus steht

Als Berliner kennt man das alles ja irgendwie, meist aber weiß man doch nur die Hälfte. Daher ist der Band auch für Alteingesessene nützlich, um noch mal kompakt nachzulesen, was wo geschah, vielleicht, bevor der Besuch aus anderen Teilen der Republik einfällt und mit Informationen versorgt sein will.

Zu jedem der beschriebenen 40 Orte gibt es auch Fotos, jeweils von gestern und heute. Manchmal ist es frappierend, wie wenig sich verändert hat, in den meisten Fällen aber sind die Plätze von einst heute kaum wiederzuerkennen. Und bei einigen Sehenswürdigkeiten weiß man noch gar nicht, wie sie sich mal entwickeln werden.

Das Tacheles ist so ein Beispiel: Eröffnet wurde es 1908 als Kaufhaus, später war es Haus der Technik, nach dem Fall der Mauer wurde es zum Treffpunkt alternativer Kunstszene und schließlich wurde all dem 2012 mit der Räumung ein Ende gesetzt. Nun sollen Büros, ein Hotel und Wohnungen entstehen. Die Sanierungsarbeiten haben begonnen, aber fertig ist noch nichts. Auch dieses Quartier ist im Wandel. Doch die Geschichte dieses Ortes bleibt, und daher behält auch der Reiseführer seine Gültigkeit. Das neue Bild, das sich einmal ergibt, lässt sich dann ja bei der Spurensuche ergänzen.

"Berlin – Orte, die Geschichte machten", via reise verlag, 12,95 Euro

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