Kurfürstendamm

Überfall auf Juwelier: Polizei sucht Verdächtige mit Fotos

Nach dem Überfall auf den Edel-Juwelier „Chopard" am Kurfürstendamm hat die Polizei Fahndungsfotos von Verdächtigen veröffentlicht.

Die Generalstaatsanwaltschaft veröffentlichte via Twitter ein Foto des Tatverdächtigen

Die Generalstaatsanwaltschaft veröffentlichte via Twitter ein Foto des Tatverdächtigen

Foto: Generalstaatsanwaltschaft Berlin/Twitter

Berlin. Keine 24 Stunden nach einem Überfall auf den Edel-Juwelier „Chopard“ am Kudamm, veröffentlichten die Generalstaatsanwaltschaft und die Berliner Polizei am Freitagnachmittag Bilder aus einer Überwachungskamera des Geschäftes. Zeitgleich mit der Anordnung für eine Öffentlichkeitsfahndung wurde auch ein Haftbefehl gegen den auf dem Foto abgebildeten und deutlich erkennbaren Mann erlassen. Es werde intensiv nach ihm gefahndet, heißt es bei der Polizei. Bisher seien zehn Hinweise eingegangen, die jetzt geprüft würden, sagte ein Polizeisprecher am Sonnabendvormittag.

Auf dem Foto ist zu sehen, wie eine Verkäuferin einem gut gekleideten Mann mittleren Alters mit Glatze die Geschäftstür aufhält. Er trägt einen dunklen, gut geschnittenen Mantel. Nur Sekunden später trat ein anderer Mann in die geöffnete Tür. Er trägt entweder eine Motorradmaske oder eine Skimaske, sodass von seinem Gesicht nur sehr wenig zu erkennen ist. Gekleidet ist er mit einem dunklen Anorak. In der rechten Hand hält er offenbar eine Schusswaffe.

Mann zertrümmert mit Hammer Schmuckvitrinen

Am Donnerstagnachmittag gegen 16.20 Uhr hatten drei bislang noch unbekannte Männer das Juweliergeschäft an der Ecke Wielandstraße überfallen. Einer der Täter täuschte am Eingang des Geschäftes vor, ein Kunde zu sein. Ein Sicherheitsmitarbeiter, der vor der Tür stand, signalisierte, dass der Kunde in das Geschäft gehen kann. Anschließend öffnete eine Mitarbeiterin die Ladentür. Offenbar in diesem Moment wurde der Sicherheitsmitarbeiter von einem zweiten Mann mit einem Hammer von hinten niedergeschlagen. Bei dem Angriff wurde der 43-Jährige schwer verletzt und ging zu Boden.

Nach Angaben der Polizei betraten die beiden Täter hintereinander die Verkaufsräume. Während der Mann mit dem Hammer mehrere Glasvitrinen zertrümmerte und eine größere Anzahl Uhren raubte, blieb der zweite Täter mit einer Schusswaffe in der Hand an der Tür stehen. Ein dritter Unbekannter soll sich auf dem Bürgersteig des Kurfürstendamms an der Ecke Wielandstraße aufgehalten haben. Dieser soll, so die Polizei, nur wenig später seinen beiden Komplizen in dem Geschäft ein Zeichen gegeben haben.

Nach dem Überfall befragte Zeugen gaben später zu Protokoll, dass die Täter zu Fuß Richtung Wielandstraße und Walter-Benjamin-Platz flüchteten. Mit einem speziell geschulten Personenspürhund, einem sogenannten Mantrailer, verfolgten die Ermittler die Spur der drei Täter. Ob die Flüchtenden an einem anderen Ort in ein Fluchtfahrzeug stiegen, ist Gegenstand der laufenden Ermittlungen.

Am Donnerstag und am Freitag werteten die Ermittler die Bilder der Videoüberwachung aus, suchten nach Fingerabdrücken und befragten Zeugen. Vom Juwelier sei eine Liste der gestohlenen Uhren angefordert worden, sagte ein Sprecher der Polizei. Damit wolle man den Verkauf der teuren gestohlenen Uhren erschweren. Zu dem Wert der gestohlenen Luxus-Uhren werde man sich aus ermittlungstaktischen Gründen nicht äußern. Der Wachmann wurde mit schweren Schulterverletzungen zur stationären Behandlung in ein Krankenhaus gebracht. Nach Angaben einer Mitarbeiterin der Sicherheitsfirma am Freitagmittag befinde er sich aber auf dem Weg der Besserung und konnte die Klinik auch am Freitag wieder verlassen. Der Geschäftsführer und zwei Mitarbeiterinnen blieben unverletzt.

Es gibt die Vermutung, dass hinter dem Überfall erneut eine Bande stecken könnte. Die Ermittlungen haben Mitarbeiter des Landeskriminalamtes (LKA) übernommen, die auf Organisierte Kriminalität spezialisiert sind. In den vergangenen Jahren hatten unter anderem kriminelle arabische Clans mehrfach Luxusgeschäfte rund um den Kudamm überfallen. Der Uhrenraub am Donnerstagnachmittag am Kudamm erinnert an den Überfall auf das KaDeWe. Fast auf den Tag genau vor drei Jahren, am 20. Dezember 2014, hatten fünf Maskierte in der Schmuckabteilung des Luxus-Kaufhauses Tränengas versprüht, mit Hämmern und Äxten Vitrinen zerstört und Uhren, Halsketten sowie Ohrringe geraubt.

Binnen 79 Sekunden erbeuteten die Täter Schmuck im Wert von mehr als 800.000 Euro. Die Beute ist bis heute verschwunden. Fast alle der Täter wurden gefasst und mehrere auch bereits verurteilt. Sie gehören alle zu einer arabischen Großfamilie. Unter ihnen sind zwei Brüder, deren Vater erst vor einigen Tagen zu sechs Jahren und elf Monaten Haft verurteilt wurde – wegen Beihilfe zum schweren Raub.

Raubkommissariat nimmt Hinweise entgegen

Nach dem Überfall auf das Juweliergeschäft „Chopard“ am Donnerstag bittet das Landeskriminalamt die Berliner um Mithilfe. Die abgebildeten Männer sind dringend tatverdächtig, an dem Raubüberfall beteiligt gewesen zu sein. Gegen den unmaskierten Tatverdächtigen wurde am Freitag ein Haftbefehl erlassen. Nach ihm wird intensiv gefahndet. Hinweise zu den Personen nimmt das ermittelnde Raubkommissariat unter 4664 944 201 oder jede andere Polizeidienststelle entgegen.

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