Gentrifizierung

Kreuzberger „Privatclub“ droht die Schließung

Angeblich haben die Samwer-Brüder das Gebäude an der Skalitzer Sraße gekauft und die Miete verdoppelt. Der Club steht vor dem Aus.

Der "Privatclub" an der Skalitzer Straße

Der "Privatclub" an der Skalitzer Straße

Foto: Massimo Rodari

Berlin. Wieder steht ein etablierter Berliner Musikclub vor dem Aus. Wie der „Tagesspiegel“ berichtet, sollen die Internet-Unternehmer Marc und Oliver Samwer (Rocket Internet) das frühere Postgebäude an der Skalitzer Straße 85 gekauft haben. Die Miete sei von 11 Euro pro Quadratmeter auf 22 Euro verdoppelt worden, sagte Club-Betreiber Norbert Jackschenties dem Blatt. Sein Fazit: „Wir werden verdrängt.“

Der Privatclub war vor fünf Jahren in das Gebäude zwischen Görlitzer Bahnhof und Schlesischem Tor gezogen und avancierte schnell zu einer festen Größe im Kreuzbeger Nachtleben. Viele lokale, noch unbekannte Bands standen und stehen dort auf der Bühne.

Erst Mitte des vergangenen Jahres soll der Mietvertrag um fünf weitere Jahre verlängert worden sein. Nun fordern die Samwer-Brüder offenbar Nachverhandlungen. Club-Chef Jackschenties betont, die neuen Eigentümer hätten ihm deutlich gemacht, „dass man uns an diesem Standort nicht mehr haben will“. Dem Bericht zufolge sei das Obergeschoss bereits an ein Start-up vermietet worden. Die neuen Mieter sollen sich über fehlenden Lärmschutz beklagt haben. Laut Bericht sollen deswegen nur noch maximal zwei Veranstaltungen pro Woche erlaubt sein. „Das geht nicht, wirtschaftlich schon gar nicht“, sagt Jackschenties.

Inzwischen hat sich Bezirksbaustadtrat Florian Schmidt (Grüne) eingeschaltet. Er fordert einen Runden Tisch und beklagt. „Es ist erschreckend, wie die Samwer-Brüder oder andere Tech-Unternehmen die Stadt kaufen und angestammte Nutzer gekündigt werden.“

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