Festtage

Mein Traum ist... Was sich Berliner zu Weihnachten wünschen

Frank Hoedt (54) ist Einsatzleiter der Feuerwache Suarezstraße in Charlottenburg. Am Abend des Anschlags am Breitscheidplatz war er der erste Retter vor Ort

Frank Hoedt (54) ist Einsatzleiter der Feuerwache Suarezstraße in Charlottenburg. Am Abend des Anschlags am Breitscheidplatz war er der erste Retter vor Ort

Foto: Reto Klar

Wir stellen Berliner vor, die uns ihre Wünsche und Visionen anvertraut haben. Manche sind sehr persönlich, manche lustig, manche ernst.

Es ist Weihnachten, endlich! Der Baum ist geschmückt, alle Geschenke sind eingepackt, das Fest kann beginnen. Aber Moment mal, war da nicht noch etwas? Was wünschen Sie sich denn eigentlich, so ganz persönlich? Haben Sie vielleicht auch einen dieser ganz großen Träume, den Sie niemandem anvertrauen, weil Sie denken: Das kann sowieso niemand erfüllen? Gesundheit zum Beispiel kann man ja eigentlich nicht verschenken. Genauso wenig das Glück schlechthin. Und Frieden erst? Nein?

Doch, wir möchten da ernsthaft widersprechen. Auch ganz große Dinge dürfen gewünscht werden und können in Erfüllung gehen. Es sind sogar genau diese großen Träume, Visionen und Ideen, die es überhaupt erst möglich machen, dass die Welt manchmal wenigstens etwas besser wird.

Hier stellen wir Ihnen Berliner vor, die uns ihre Wünsche und Visionen anvertraut haben. Manche sind sehr persönlich, andere global, manche lustig, manche sehr ernst. Unser Fotochef Reto Klar hat sie jeweils mit einem „goldenen Kissen“ in Szene gesetzt – als Einladung zum Träumen, aber auch als Symbol dafür, dass Visionen und Träume eben auch greifbar werden können. Sie werden wahr, wenn wir genug Mut und Vertrauen aufbringen, sie umzusetzen. Wir wünschen Ihnen viel Freude beim Anschauen und Lesen. Und ein friedliches Weihnachtsfest!

Mein Traum ist... ...dass unsere Gesellschaft kinderfreundlicher wird.

„Ich wünsche mir, dass wir endlich lernen, friedlich miteinander zu leben. Und gerade für unsere Gesellschaft hoffe ich auf mehr Verständnis und Unterstützung für Kinder und Eltern. Im Oktober ist mein Sohn Rajon geboren – zwei Tage nach dem fünften Todestag meines Bruders Jonny. Seit ich Mutter bin, nehme ich unsere Gesellschaft nochmal ganz anders wahr. Ich bin zum Beispiel viel empathischer. Ich kann noch viel weniger verstehen als früher, dass es Menschen gibt, die bösartig und gewalttätig sind. Außerdem merke ich, wie viel wir noch tun müssen, damit unsere Gesellschaft tatsächlich kinderfreundlich wird. Es fängt schon bei der Geburt an – bekomme ich eine Hebamme, einen Termin im passenden Krankenhaus? Dann war es nicht einfach, einen Kinderarzt zu finden, der noch Patienten aufnahm. Als nächstes wird es um einen Kitaplatz gehen, die richtige Schule... Eltern müssen um Dinge kämpfen, die eigentlich selbstverständlich sein sollten, gerade in Deutschland. Kinder sind unsere Zukunft. Ich finde, es sollte selbstverständlich sein, dass sie keinen unnötig komplizierten Start ins Leben haben.“ Tina K. (33) verlor 2012 ihren Bruder Jonny K. (20). Er wurde auf dem Alexanderplatz totgeschlagen, weil er einem Freund helfen wollte. Sie engagiert sich heute mit ihrem Verein „I am Jonny“ für Gewalt-Prävention an Schulen.

Unser Traum ist... das Theater zu den Menschen zu bringen.

Das Theater der Erfahrungen in Schöneberg hat keine eigene Bühne – es kommt vielmehr zu den Menschen. Zum Beispiel in Kitas, Seniorenheime oder auch ins Hospiz. Die Idee des Laientheaters, das es seit 37 Jahren gibt: Mehr Theater in den Alltag von Menschen zu bringen, die sonst wenig Kontakt oder Gelegenheit haben, kulturelle Angebote wahrzunehmen. Ursprünglich war es ein Mitmach-Angebot für Senioren, entsprechend heißen die Ensembles heißen „Bunte Zellen“ und „Spätzünder“, der „Ostschwung“ kam in den 90er-Jahren dazu. Inzwischen sind unter den 50 Amateurschauspielern auch viele Jüngere. Viele Stücke erarbeiten die Darsteller selbst – aus den eigenen Lebenserfahrungen, daher der Name des Theaters. „Hier brauchen wir keine Rollen zu spielen wie sonst oft im Leben“, sagt Gonda Weise, die auf dem Foto als „schlaflose Frau“ aus dem Stück „Schlaflos in Berlin“ zu sehen ist. Heidi Ulrich verkörpert den „Wein“ der „Berliner Pflanzen“. Karin Fischer ist der „Alte Fritz“ und Ilka Inwinkl die „Küchenfee“. Haci Cirik spielt sich selbst – er ist Saz-Spieler und Liederbuchautor. Mehr zum Theater: theater-der-erfahrungen.nbhs.de

Mein Traum ist... dass sich alle Menschen für mehr Frieden einsetzen.

„Wir brauchen wieder eine richtige Friedensbewegung. Ein wichtiger Teil davon ist Frieden unter den Religionen, aber auch innerhalb der Religionen. Insbesondere im Islam werden wir täglich Zeugen von tödlichen innerreligiösen Konflikten, die mich zutiefst traurig machen. Das ist wirklich eine absurde Verzerrung meines Glaubens. Alle gläubigen Menschen sollten zusammenkommen, um Gemeinsamkeiten zu entdecken, statt immer und immer wieder nur die Unterschiede zu betonen. Wichtig ist mir aber nicht nur der Frieden zwischen den Religionen, sondern auch echte Glaubensfreiheit, denn auch Atheisten sollen in Frieden leben können ohne als Ungläubige beleidigt, bedroht und ausgegrenzt zu werden. Das mag noch ein langer Weg sein, aber mein Leitsatz war schon immer frei nach Che Guevara: ,Sei realistisch, fordere das Unmögliche.' Außerdem wünsche ich mir, dass sich die Welt endlich entschlossener für die Frauenrechte einsetzt. Ohne die Gleichberechtigung der Frau ist Demokratie und Gerechtigkeit nicht machbar. Das gilt für Deutschland genauso wie für alle anderen Länder der Welt. Nicht nur die Politiker und Politikerinnen sind gefragt, dies umzusetzen, sondern alle Menschen und insbesondere die Männer. Nachdem ich dieses Jahr die Ibn-Rushd-Goethe-Moschee gegründet habe, sind die meisten Anfeindungen dadurch ausgelöst worden, dass Männer und Frauen im Gebet gleichberechtigt sind. Die Rechte der Frauen in dieser Welt ist eine der zentralen Fragen unserer Zeit. Wir brauchen mutige Frauen und Männer, um dies anzugehen.“ Seyran Ates, Rechtsanwältin, Autorin und Gründerin der Ibn-Rushd-Goethe-Moschee.

Mein Traum ist... Kinder rechtzeitig vor Gewalt zu schützen.

„Meine Vision ist, dass wir in der Rechtsmedizin eines Tages keine Kinder mehr obduzieren müssen, die durch Gewalt und Verwahrlosung ums Leben kamen. Nach wie vor sterben in Deutschland jede Woche mehrere Kinder durch Gewalt. Oft waren zuvor viele Institutionen und professionelle Helfer mit dem Kind befasst. Oft über lange Zeit. Im Nachhinein lese ich in den Akten genau, an welcher Stelle der Punkt verpasst wurde, an dem man Kind noch hätten retten können, indem man es aus der Familie nimmt. Ich weiß, dass viele Kinderschützer vehement dagegen sind, Kinder von ihren Familien zu trennen. Aber hätte man es in eben diesen Fällen getan, würden diese Kinder noch leben. Mein eigentlicher Traum ist aber ein präventiver Kinderschutz. Ich möchte, dass unser Kinderschutz-System rechtzeitig greift. Dass also nicht immer erst reagiert wird, wenn ein Kind schon durch schwere Verletzungen auffällt, durch Verwahrlosung, wenn es sehr leidet. Das Ziel muss doch sein, dass vorher schon etwas passiert. Dafür müssen alle Beteiligten in der Lage sein, die Risiken für Gewalt frühzeitig zu erkennen und dann auch konsequent etwas zu unternehmen. Das gilt für Ärzte, Lehrer, Erzieher, Polizisten, die Mitarbeiter der Jugendämter. Viele Beteiligte wollen nicht wahr haben, dass familiäre Gewalt überall vorkommt – in ganz Deutschland und auch in allen sozialen Schichten.“ Michael Tsokos (50), Leiter der Rechtsmedizin an der Charité und Buchautor.

Mein Traum ist... ... dass Physik Lieblingsfach aller Grundschüler wird.

Ein Foto mit der Kanzlerin machte die Ingenieurin Maren Heinzerling (79) dieses Jahr berühmt: Die beiden Frauen hielten sich an den Händen und wirbelten im Kreis. Was aussah wie ein Tanz, war ein physikalisches Experiment zur Fliehkraft. Merkel, selbst Physikerin, war mit sichtlicher Begeisterung bei der Sache, was zweierlei bewies: Zum einen die Faszination der Physik. Und zweitens die Fähigkeit von Maren Heinzerling, Menschen zum Mitmachen zu begeistern, wenn es um Naturwissenschaften geht. Das Experiment fand bei der Verleihung des Nationalen Integrationspreises der Bundeskanzlerin statt, für den Heinzerling mit ihrem Projekt „Zauberhafte Physik mit Sprach- und Sachkisten“ nominiert war.

Heinzerling engagiert sich seit Jahrzehnten für den naturwissenschaftlichen Nachwuchs. Sie studierte von 1958 an als einzige Frau in ihrem Jahrgang Maschinenbau, war an der Entwicklung des ICE und des Transrapid beteiligt und verkaufte Nahverkehrssysteme in Asien. Als begeisterte Ingenieurin konzipierte sie 1990 den Vorläufer des „Girls’ Day“, um Mädchen für technische Berufe zu gewinnen. Dafür erhielt sie das Bundesverdienstkreuz. 2013 rief sie das Projekt mit den Sprach- und Sachkisten ins Leben, um Grundschulkinder über den Deutschunterricht an die Physik heran zu führen: Die Kinder lesen eine altersgerecht formulierte Versuchsanweisung und bauen danach mit einfachen Materialien aus dem Haushalt ein Experiment zusammen. Das Besondere sind die Lesetexte, durch die Kinder sinnerfassendes Lesen üben und selbstständig arbeiten können. Für Flüchtlingskinder hat Heinzerling die ohnehin schon einfachen Texte noch mal vereinfacht und teilweise durch Skizzen ersetzt. „Deutsch lernen mit Physik“ macht Schülern viel Spaß und vermittelt die Sprache auf eine höchst spannende Weise. In diesem Jahr wurde Maren Heinzerling ausgezeichnet mit der Berliner Ehrennadel für soziales Engagement, dem Hauptstadtpreis für Integration und Toleranz sowie mit dem Deutschen Bürgerpreis für ihr Lebenswerk. Auf dem Foto: Heinzerling mit der Willkommensklasse WKI der Schinkel-Grundschule, Charlottenburg.

Mein Traum ist... ... meine Freiheit und ein warmes Zuhause.

„Mit 16 bin ich von zuhause weg, zwei- bis dreimal die Woche schlafe ich unter einer Brücke. Eine Weile hatte ich auch einen Schlafplatz in einem Wohnheim. Die Leute hier sind ganz okay. Mein Traum? Momentan ist mir meine Freiheit am wichtigsten. Von jetzt auf gleich kann ich überall hin, ich habe keine Termine, an ich mich halten muss. Aber irgendwann möchte ich auch ein Zuhause haben, eine Zuflucht. Will das nicht jeder? Eine geheizte Wohnung, ein warmes Bett. Und eine Beruf. Meine Freiheit zu behalten und trotzdem ein Zuhause und einen Beruf zu haben, das wäre mein Traum.“ Angelo (21), Straßenkind aus Hamburg.

Mein Traum ist... mehr Aufmerksamkeit und Hilfsbereitschaft gegenüber Obdachlosen.

„Auf dem U-Bahnhof Alexanderplatz mitten in mir mit zwei Freundinnen eine Geschichte passiert, die uns traurig und wütend macht. Wir sahen eine Frau, die sich über einen reglosen, offenbar obdachlosen, älteren Mann beugte. Wir fragten, ob wir helfen könnten. Wir haben ihm zu trinken und zu essen gegeben. Der Mann blieb aber schwach, kurz vor der Bewusstlosigkeit. Er sprach und verstand kein Deutsch. Die Frau musste dann weg und bat uns, wir sollten uns weiter um den Mann kümmern. Zuerst baten wir zwei Polizisten um Hilfe. Er habe ja keine Straftat begangen, sagte sie, wir könnten ja den Notarzt rufen. Also haben wir die 112 gewählt. Als nach 30 Minuten immer noch keine Sanitäter kamen, versuchten wir es bei Sicherheitskräften. Diese meinten nur, wir sollten uns nicht von älteren Männern „anmachen“ lassen, was wir echt unpassend fanden. Der Mann war fast bewusstlos. Es dauerte fast eine Stunde, bis dann doch endlich Sanitäter kamen. In der Zeit eilten hunderte Erwachsene vorbei. Viele blieben stehen und guckten. Nicht einer fragte, ob Hilfe nötig sei. Die Sanitäter kümmerten sich dann endlich um den Mann. Er war übrigens nicht alkoholisiert. Wir sind erschüttert über die große Gleichgültigkeit gegenüber dem Hilflosen. Mein Traum ist, dass Erwachsene mit Aufmerksamkeit und Hilfsbereitschaft gegenüber Obdachlosen zeigen. Und dass sie auch Jugendliche ernst nehmen, wenn sie sagen, dass jemand Hilfe braucht.“ Leila, 16, Schülerin.

Unser Traum ist... mehr Mitbestimmung für Jugendliche.

„Man müsste sich auf die Straße stellen und wie Pippi Langstrumpf einfach laut herausschreien: ‘Straßenkinder haben auch Rechte!’ Unser Traum ist, dass nicht immer über den Kopf von Kindern und Jugendlichen hinweg entschieden wird, wenn es Probleme gibt. Wir wünschen uns, dass sie so viel Gehör finden, dass sie gar nicht erst auf die Idee kommen, zu Hause abzuhauen. Wenn Kinder und Jugendliche von sich aus bei Jugendämtern oder dem Jobcenter Hilfe suchen, werden sie oft gar nicht ernst genommen. Oder man fragt sofort die Eltern. Aber die sind sie ja oft selbst Teil des Problems! Viele Jugendliche werden auch so oft zwischen Einrichtungen hin- und hergeschoben, bis sie irgendwann lieber auf der Straße leben.“ Linus (19) und Nicky (20) arbeiten im Bundesfreiwilligendienst als „Lobbyisten“ für Straßenkinder beim Verein „Karuna e.V. – Zukunft für Kinder in Not“.

Mein Traum ist... dass Weihnachten schön wird.

Kekse backen und basteln im Advent – für viele ist es ein lieb gewonnenes Adventsritual seit Kinderzeiten. Aber was, wenn man niemanden hat, der mit einem backt? Keine Familie? Oder gar nicht weiß, wie das geht? Auszubildende eines Lebensmittelmarktes besuchten am Nikolaustag die kleinen Bewohner des Kinderheims Elisabethstift in Hermsdorf (Reinickendorf) zum gemeinsamen Basteln und Backen. Dazu brachten sie nicht nur Zutaten mit, sondern natürlich auch den Nikolaus. Gemeinsam wurde der Teig mit den Händen geknetet und Sterne und Monde ausgestochen. Für die Kinder ein großer Spaß, Naschen war erlaubt – und Toben auch. Dann hatte der Nikolaus das Wort. Die Azubis, die beim Netto Marken-Discount lernen, versuchten, im Gewimmel den Überblick zu behalten und ließen sich vom Backfieber anstecken. Die Idee hinter der Aktion: Heimkinder und Auszubildende sollten sich kennenlernen. „Damit sie wissen, dass es auch außerhalb des Heims Menschen gibt, die an sie denken“, sagt Auszubildende Cigdem (21). Einen Wunsch haben die Kinder ebenso wie die jungen Erwachsenen: „Dass Weihnachten schön wird“, sagen die Keksbäcker Lisa-Marie, Celina, Jordan (alle 10) und Dominic (7).

Mein Traum ist... dass Neukölln ein Stadtteil für Künstler bleibt.

„Ich würde wünsche mit, dass ich in Neukölln bleiben kann. Dass ich nicht obdachlos werde, Cherie! Gut, das wird hoffentlich nicht passieren, aber es wird immer schwieriger für Künstler und Leute wie mich, in Neukölln zu wohnen und zu arbeiten. Seit elf Jahren habe ich mein Galerie-Studio St.St. in der Sanderstraße. Dort spiele ich Theater und stelle meine Bilder aus. Noch bin ich da, aber viele andere Läden in der Nähe mussten aufgeben. Manchen wurde die Miete um 200 Prozent erhöht. Stattdessen machen jetzt schicke und coole Läden auf, plötzlich ist es hier wie in New York. Ich war neulich auch in New York, 2016 habe ich dort meine Bilder und meine Show vorgestellt. Das war wunderbar. Aber ich möchte in Neukölln bleiben. Als wir vor 32 Jahren herzogen, wohnten hier ganz unterschiedliche Menschen. Jetzt wird alles immer einheitlicher.“ Juwelia, bürgerlich Stefan Stricker, geboren 1963 in Korbach (Hessen), ist Maler und Travestiekünstler. In Rosa von Praunheims jüngstem Film “Überleben in Neukölln” spielte er die Hauptrolle, er schrieb und singt die Texte.

Mein Traum? ... einen richtigen Bösewicht spielen.

„Theater fasziniert mich, weil es keine Moral hat. Es ist so wie das richtige Leben. Aber Schauspieler mit Trisomie 21 bekommen eben meistens nur Rollen als Film-Figuren mit Trisomie 21. Und immer nur als positive Charaktere! Mich ärgert, dass sie nie böse Menschen spielen. Oder richtige Arschlöcher. Das möchte ich ändern.

Mich faszinieren zum Beispiel die antiken Heldenrollen. Neoptolemos und sein Vater Achilles, mit dem ich mich ‘narbens-verwandt’ fühle. Ich habe nämlich eine Brandnarbe über der Achillessehne. Ich wäre auch gern mal James Bond! Und einen richtigen Bösewicht möchte ich auch mal verkörpern. Zurzeit stehe ich im RambaZamba Theater als „Siegfried“, der Drachentöter, in den „Nibelungen“ auf der Bühne (siehe Foto). Das Stück war meine Idee, ich habe das angezettelt. Mich fasziniert darin das Verhalten des Menschen in der Aggression. Mich interessieren Monster, Bestien, wilde Tiere. Außerdem spiele ich den „Neoptolemos“ in „Philoktet“ nach Sophokles. Ich hatte auch schon eine der Hauptrollen in der Beckett-Inszenierung „Endspiel“ und in den „Räubern“ nach Schiller. Dreimal bin ich schon mit RambaZamba im Berliner Ensemble aufgetreten. Ganz ehrlich: Mein Traum wäre, dass Hollywood anruft. Oder der Broadway. Ja, dort möchte ich gern eines Tages spielen.“

Jonas Sippel (23) spielt am inklusiven RambaZamba Theater, seit er 17 ist. Im vergangenen September beeindruckte er als Mordverdächtiger im ZDF-Krimi „Kommissarin Lucas“. Er steht auch im Januar beim RambaZamba in Prenzlauer Berg (Kulturbrauerei) auf der Bühne, Info: www.rambazamba-theater.de

Meine Vision ist... die Digitalisierung zu Wohle der Menschen einsetzen.

„Meine Vision ist eine Digitalisierung zum Wohle der Menschen. Bei uns wird über die digitale Entwicklung oft nur im Zusammenhang mit Datenschutz gesprochen, viele haben Bedenken. Dabei bedeutet sie für uns alle eine positive Herausforderung, uns weiterzuentwickeln. Die Digitalisierung macht es möglich, dass wir mit sehr vielen Menschen aus den unterschiedlichsten Ecken der Welt etwas gemeinsam erreichen. Mittlerweile verstehen wir uns dadurch weltweit als eine Menschheit. Angebote wie das, was wir bei Betterplace machen, sprechen den gesamten sozialen Sektor an. Gemeinnützige Hilfsprojekte können über Betterplace Geldspenden sammeln und ehrenamtliche Helfer finden. Jeder kann digitale Medien für seine Themen nutzen und sehen, dass Digitalisierung keine Bedrohung ist, sondern eine riesige Chance.“ Joana Breidenbach (52), Gründerin des Betterplace.lab, das sozial-digitale Trends vorstellt, die Menschen weltweit helfen sollen, sowie der gemeinnützigen Spendenplattform Betterplace.org

Unser Traum ist... reisen ohne Angst vor Terror.

„Wir wünschen uns, dass man eines Tages wieder ohne Angst die Welt bereisen kann. Wir kommen aus Italien, sind Freunde und für vier Tage in Berlin. Es ist eine wunderbare Stadt. So viel Geschichte, tolle Architektur, nette Menschen – und alles so sauber! Morgen wollen wir uns anschauen, wo die Mauer verlief und den Reichstag besuchen. Anfangs haben wir überlegt, ob Berlin gefährlich sein könnte. Die Bilder des Attentats vom Breitscheidplatz waren uns noch gut in Erinnerung. Aber dann haben wir uns gesagt: Wir sind ja auch nach Paris gefahren, einige Wochen nach den Attentaten dort. Wenn man zu Hause bleibt, bedeutet das letztlich einen Sieg für die Terroristen. Wir sind sehr froh, jetzt hier zu sein.“ Oriana, Davide, Melania, Giuseppe aus Sizilien und Mailand.

Unser Traum ist... unsere Leidenschaft, die Musik.

„Vor sechs Monaten haben wir alles auf eine Karte gesetzt – auf unsere Musik“, sagen die „Herbstbrüder“ Markus Bremm (31) und Cihan Morsünbül (34). Wer sie einmal gehört hat, merkt schnell: Die „Herbstbrüder“ sind keine gewöhnlichen Straßenmusiker. Sie stehen mal am Alexanderplatz oder auch an der Schloßstraße in Steglitz, singen auf Deutsch zu eingängigen Melodien, ein bisschen melancholisch und einfach schön. Es geht um Gefühle, die jeder kennt. „Bist du noch hier?“, heißt einer ihrer Songs, „Zweisam allein“ oder auch: „Ich weine“. Im Gitarrenkoffer liegt ihre erste CD, fünf Euro für fünf Songs. Immer wieder kommen Fans, um eine zu kaufen. Nicht wenige kennen die beiden aus der Castingshow „Voice of Germany“ im Jahr 2015. Markus Bremm war damals noch Assistent in einer Musikproduktionsfirma, Cihan Morsünbül ist Erzieher. Zwar schafften sie es damals nicht ins Finale, beschlossen aber danach, gemeinsam weiter Musik zu machen. Markus gab seinen Job auf, Cihan arbeitet noch einen Tag in der Woche in einem Jugendclub in Wedding. Ihre Songs schreiben und texten sie selber, man findet sie auf Facebook, Spotify oder Instagram. Ihr Traum, sagen die beiden: „Unserer Leidenschaft leben zu können – die Musik.“

Unser Traum ist... ... dass wir alle gleichberechtigt leben können.

Als Bodo Mende und Karl Kreile (beide 60) sich am 1. Oktober dieses Jahres im Rathaus Schöneberg das Jawort gaben, ging ihr Hochzeitsfoto um die Welt – sogar in den USA und Japan berichteten die Medien über das erste gleichgeschlechtliche Paar, das in Berlin gleichberechtigt mit heterosexuellen Paaren geheiratet hatte. 38 Jahre sind sie schon ein Paar. Seit 2001 lebten sie in einer eingetragenen Partnerschaft. Die beiden arbeiten im öffentlichenDienst, Karl Kreile ist Finanzbeamter, Bodo Mende Referatsleiter in der Senatskanzlei. Im Beruf seien sie wegen ihrer Homosexualität nie diskriminiert worden, sagen die beiden. Und ihr Traum? „In Deutschland wir haben es jetzt geschafft, homosexuelle Paare werden vom Staat nicht mehr als Bürger zweiter Klasse behandelt. Aber das heißt nicht, dass wir auch gesellschaftlich alles erreicht haben. Immer noch gibt es Bereiche, in denen Menschen wegen ihrer Homosexualität diskriminiert werden. In manchen Ländern werden sie verurteilt oder gar getötet. Wir wollen, dass sich das weltweit ändert. Unser Traum ist, dass Lesben, Schwule und Transpersonen überall gleichberechtigt leben können. Und mehr noch: Dass es allgemein als wünschenswert und als Bereicherung gilt, wenn es einen ganzen Strauß an verschiedenen Möglichkeiten und Lebensformen gibt.“

Mein Traum ist ... endlich genug Kollegen für Feuerwehr, Polizei und alle helfenden Berufe.

„Bei meinen Einsätzen erlebe ich immer wieder, dass Menschen nicht geholfen werden kann, weil Personal fehlt. Nicht nur bei der Feuerwehr, auch bei der Polizei und in Krankenhäusern passiert das. Wir Deutschen tun viel in der weiten Welt, wir leisten anderen Ländern finanzielle Hilfe, etwa bei Katastrophen oder Hungersnöten. Aber vor unserer eigenen Haustür machen wir unsere Hausaufgaben nicht. Es reicht nicht aus, nach Anschlägen wie jenem am Breitscheidplatz einmalig mehr Geld zur Verfügung zu stellen. Was wir brauchen, ist die nachhaltige Förderung und Ausbildung von Nachwuchs – und angemessene Gehälter. Berlin ist bundesweit das Schlusslicht bei den Gehältern von Feuerwehrleuten und Polizei. Ich finde es wichtig, diese Berufe so attraktiv zu machen, dass wir uns auch künftig darauf verlassen können, dass Menschen in Notlagen rechtzeitig und angemessen geholfen wird.“

Frank Hoedt (54) ist Einsatzleiter der Feuerwache Suarezstraße in Charlottenburg. Am Abend des Anschlags am Breitscheidplatz war er der erste Retter vor Ort.

Unser Traum ist... eine richtige Wohnung.

Bahara und Javaher aus Afghanistan sind Freundinnen und beide fünf Jahre alt. Sie gehen in die Vorschule in Jona’s Haus in Staaken. „Hier spielen wir, malen mit Wasserfarbe, basteln, kneten und tanzen. Und wir lernen Deutsch.“ Was sie werden wollen, wenn sie groß sind? Bahara: „Polizistin!“ Javaher: „Ich auch!“ Seit zwei Jahren leben die Mädchen mit ihren Familien in Deutschland, sie sprechen inzwischen akzentfrei Deutsch. Sie alle wünschen sich, dass sie mit ihren Familien aus dem Flüchtlingsheim in richtige Wohnungen umziehen können, sagen ihre älteren Schwestern, die die Kleinen zur Schule begleiten (sie sind nicht im Bild). Die großen Schwestern sind 16 und haben vor, Medizin zu studieren. „Um wirklich in Deutschland anzukommen, wäre es einfach schön, wenn wir irgendwann aus dem Flüchtlingsheim in eine ganz normale Wohnung umziehen könnten.“

Mein Traum ist... eine Ausbildung zum Sozialassistenten zu machen.

„Ich komme aus dem Libanon und arbeite im Bundesfreiwilligendienst in 'Jona's Haus' in Spandau, einem Betreuungs- und Freizeitangebot für Kinder und Jugendliche aus Staaken. Ich betreue Kinder, spiele mit ihnen, oft übersetze ich auch für sie und ihre Familien, denn viele sind wie ich aus der Heimat geflüchtet. Dabei habe ich gemerkt, dass zu übersetzen meist auch bedeutet, zwischen den Kulturen zu vermitteln. Wenn man dieselbe Geschichte hat, kann man sich besser einfühlen. Als ich vor zwei Jahren in Berlin ankam, musste ich zuerst auf der Straße vor dem überfüllten Lageso schlafen, bis ich eine Nummer bekam, um meinen Asylantrag zu stellen. Inzwischen habe ich es immerhin in den Bundesfreiwilligendienst geschafft. Mein größter Wunsch: Ich bin zwar ausgebildeter Kfz-Mechaniker und IT-Techniker, aber ich möchte gern noch eine Ausbildung als Sozialassistent machen, um Menschen zu helfen, die wie ich als Flüchtlinge gekommen sind. Das finde ich viel wichtiger, als Autos zu reparieren. Dafür bräuchte ich allerdings einen geregelten Aufenthaltsstatus.“ Habib, 26, Flüchtling aus dem Libanon und "Bufdi" in Spandau.

Mein Traum ist... das Humane muss zurück in die Humanmedizin.

"Die häufigste Frage im Himmel könnte lauten: Warum wart ihr auf Erden so ernst, was habt ihr geglaubt, worum es hier geht? Die häufigste Frage auf der Erde lautet: Zahlt das die Kasse?

Vor 25 Jahren bin ich von der Klinik zur Komik, vom Krankenhaus zum Kabarett gewechselt, weil mir klar wurde: Der größte Hebel zur Gesundheitsförderung liegt in der Hand der Menschen – nicht der Ärzte. Es gibt keine Tablette, keine Operation, kein künstliches oder gespendetes Organ, das annähernd so wirkungsvoll ist wie ein gesunder Lebensstil. Mir wurde über die Jahre auch klar, dass es für das Verhindern von Krankheiten kein Geschäftsmodell gibt. Solange jemand gesund ist und bleibt, verdient keiner etwas an ihm. Deshalb versuche ich zu vermitteln, was es an neuen und relevanten Themen für ein glückliches Leben gibt, sei es über Fernsehen, Radio, Zeitschriften, Bücher oder mit meinem aktuellen Bühnenprogramm ,Endlich' in dessen himmlischer Kulisse das Foto entstand.

Ich träume davon, dass wir Gesundheit nicht mit Angst verbinden, sondern mit Lebensfreude! Mit Wissen über unseren wunderbaren Körper, das im Kindergarten und der Schule schon spielerisch vermittelt wird. Ich träume davon, dass wir die Menschen schützen, die sich nicht selbst schützen können, dass Rauchen in Autos verboten ist, wenn Kinder hinten drinsitzen, und dass auf jeder Flasche mit Alkohol steht: kein Tropfen in der Schwangerschaft. Warum kann man nicht Zucker viel höher besteuern, wenn klar ist, dass die gesüßten Limonaden ganze Generationen zur Fettleibigkeit verleiten? Und dass wie in Schweden rund um Schulen Getränkeautomaten tabu sind? Die gesunde Entscheidung muss die leichtere sein. Deshalb unterstütze ich die Stiftung Lesen und ,Klasse 2000', ,Be smart don’t Start' und mit meiner Stiftung ,Humor Hilft Heilen' das Trainingsprogramm ,Gemeinsam Leben lernen' sowie die Musiktherapeutin in der Kinderklinik der Charité. Alles kleine Beiträge und Zeichen, dass es anders geht. Und ich träume davon, dass in Kliniken mehr gelacht wird – mit unseren Klinikclowns, mit motivierten und fair bezahlten Pflegekräften, die wir durch die Workshops unterstützen, ihren Humor nicht zu verlieren. Lachen ist und bleibt die beste Medizin. Und wer keinen Sinn für Humor hat – welchen dann?" Eckart von Hirschhausen (50), Mediziner, Kabarettist und Autor.

Mein Traum ist... dass wir keine bösen Überraschungen mehr erleben.

Das Ausflugslokal „Neu-Helgoland“ liegt nicht nur wunderschön direkt am Wasser, sondern ist auch als Tanz- und Musiklokal weit über Müggelheim hinaus eine Legende. Im Sommer fassen Restaurant und Biergarten Hunderte Besucher. Drinnen gibt es für Livemusik eine eigene Bühne. An den frisch gestrichenen Wänden erzählen Plakate und unzählige Fotos von bekannten Sängern und Ost-Bands, die seit Jahrzehnten hier auftreten oder privat kommen, um zu feiern. Von Walter Plathe über „Renft“ bis zu Frank Zander und Angelika Mann, genannt auch „Die Lütte“. Diesen Sommer jedoch gab es andere Schlagzeilen: Schon zum zweiten Mal seit 2002 brannte das historische Lokal ab, das Inhaberin Dagmar Tabbert (63) mit ihren Kindern bewirtschaftet. Seit 1924 ist das Lokal in Familienbesitz, inzwischen in fünfter Generation. „Was die Flammen nicht mitnahmen, zerstörte der Dauerregen danach“, sagt Tabbert. „Dabei hatten wir das gesamte Gebäude gerade generalüberholt, vier Tage zuvor war das Gerüst von der Fassaden genommen worden.“ Mit Tränen in den Augen berichtet sie von der beispiellosen Hilfsaktion, mit der Nachbarn, Freunde und sehr viele Musiker mit Benefizkonzerten halfen, „Neu-Helgoland“ in nur vier Monaten wieder aufzubauen. „In Müggelheim kennt man sich eben.“ Anfang Dezember war es so weit: Die ersten Gäste kamen zur Wiedereröffnungsparty. Zum Start ins nächste Jahr hat Dagmar Tabbert nur einen Wunsch: „Bitte keine bösen Überraschungen mehr.“