Biesdorf

Grundschule ist schon bei der Eröffnung zu klein

Die Eltern an der Grundschule am Fuchsberg in Biesdorf schreiben an Bildungssenatorin Scheeres – und erhalten eine barsche Antwort.

Die alte Grundschule am Fuchsberg am Dankratweg

Die alte Grundschule am Fuchsberg am Dankratweg

Foto: Jörg Krauthöfer

Berlin. Die Grundschule am Fuchsberg im Marzahn-Hellersdorfer Ortsteil Biesdorf zieht im Sommer nächsten Jahres in einen Neubau an der Köpenicker Straße. Doch in die Freude der Eltern, Schüler und Lehrer mischt sich Sorge, denn die Schule ist schon von Beginn an zu klein. Sie wurde zu einem Zeitpunkt geplant, als noch nicht absehbar war, wie viele junge Familien nach Biesdorf ziehen. Nun sollen, vom Schuljahr 2019/2020 an, Container aufgestellt werden, um zusätzliche Plätze zu schaffen. Der Bedarf ist zwischen Bezirk und Senatsbildungsverwaltung unstrittig. Fraglich ist aber, ob der Senat die Container bezahlt. Und fragwürdig ist, wie die Bildungsverwaltung auf die Sorgen der Eltern reagiert.

Nach dem Berliner Schulgesetz sind die Bezirke Schulträger und damit auch zuständig für die Schaffung von Schulraum. Allerdings sieht sich Marzahn-Hellersdorf angesichts seiner Konsolidierungsauflagen in einer finanziellen Notlage, habe daher keine Möglichkeit, die Container aus dem Bezirkshaushalt zu bezahlen. Schulstadtrat Gordon Lemm wandte sich daher an Bildungsstaatssekretär Mark Rackles (beide SPD) und bat um Unterstützung. Sein Schreiben an Rackles vom 4. August unterzeichneten parteiübergreifend auch die Abgeordneten Iris Spranger (SPD), Regina Kittler (Linke) und Christian Gräff (CDU).

Weil Rackles diesen Brief lange nicht beantwortete, startete die Gesamtelternvertretung der Schule eine Postkartenaktion an Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD). Auf den rund 80 verschickten Karten heißt es: „Wir, die Schüler, Eltern und Lehrer der Grundschule am Fuchsberg fordern eine schnellstmögliche Erhöhung der Kapazitäten am neuen Standort.“ Bereits jetzt platze die noch nicht einmal eröffnete Schule aus allen Nähten, und es würden weit mehr als 1000 neue Einfamilienhäuser und Wohnungen im unmittelbaren Kiez gebaut. „Ihre Verwaltung reagiert weder auf das Bezirksamt noch auf Briefe. Bitte helfen Sie uns“, schrieben die Eltern.

"Die falsche Adressatin für Ihr Anliegen"

Die Antwort des Büroleiters der Senatorin fiel sehr formal und nüchtern aus: „In der Sache muss ich Ihnen leider mitteilen, dass Frau Senatorin Scheeres die falsche Adressatin für Ihr Anliegen ist. Sämtliche äußere Schulangelegenheiten liegen ausschließlich in der Verantwortung der Bezirke. Insofern bitte ich von der Versendung weiterer Postkarten abzusehen und sich mit Ihrem Anliegen an den zuständigen Stadtrat des Bezirks Marzahn-Hellersdorf zu wenden.“ Viele Eltern seien nun enttäuscht darüber, dass die Antwort keinerlei Verständnis für ihr Anliegen erkennen lasse und vor allem über den schroffen Tonfall des Textes, berichtete Christian Gräff.

Inzwischen liegt eine Antwort des Bildungsstaatssekretärs auf das Schreiben des Stadtrates und der Abgeordneten vom August vor. Der Bedarf zusätzlicher Grundschulplätze in Biesdorf sei anerkannt, erklärt Mark Rackles dort. Bis 2020/21 fehlten dort rund 1,5 Klassen pro Jahrgang und langfristig mindestens ebenso viele. Rackles empfiehlt dem Bezirk daher, Schulcontainer zu mieten oder zu kaufen und dafür Geld im Bezirkshaushalt bereitzustellen. So könne kurzfristigen Defiziten begegnet werden, bis andere Lösungen greifen. Zwar wolle das Land Berlin eine sogenannte „strategische Containerreserve“ schaffen, ein endgültiges Ergebnis dazu liege aber noch nicht vor. Daher könne er noch keine verbindliche Zusicherung für Container aus der Reserve geben. Er setze sich aber für eine gemeinsame Lösung mit dem Bezirk ein.

Schulstadtrat Lemm ist zuversichtlich, noch einen positiven Bescheid der Bildungsverwaltung zu erhalten. Für deren Reaktion auf die Postkartenaktion bringe er grundsätzlich Verständnis auf, denn formal sei ja der Bezirk zuständig. „Aber der Ton macht die Musik“, räumt auch der Stadtrat ein. Aus baulichen und planerischen Gründen könnten Container indes erst zum Beginn des übernächsten Schuljahrs in Betrieb genommen werden.

Die dreizügige Grundschule am Fuchsberg wird im 17,4 Millionen Euro teuren Neubau über eine Kapazität von 432 Plätzen verfügen, berechnet auf eine Klassenstärke von 24 Schülern. Diese kann aber erhöht werden. Zurzeit werden an der Schule 455 Schüler unterrichtet. CDU-Politiker Gräff beziffert den zusätzlichen Bedarf auf 140 Plätze.

Mehr zum Thema:

Was Smartphones mit unseren Kindern machen

So sollen Berlins neue Schulen aussehen

Senat und Bezirke müssen mehr für die Schulen tun

© Berliner Morgenpost 2018 – Alle Rechte vorbehalten.